Anstoß – die Fußball-Kolumne
Kühles Kalkül in Neongrau

Das neue Auswärtstrikot haben wir dem „Die Mannschaft“-Markendenken zu verdanken. Statt Schwarz, Rot, Gold oder Grün gibt es nur noch: Modern. Damit setzt der DFB die Identifikation zwischen Team und Fans aufs Spiel.
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HamburgHellgrau also. Und dunkelgrau. Und neongrün. Und neongelb. Wir dürfen zuverlässigen Quellen glauben, dass diese Farbkombination das neue Auswärtstrikot der deutschen Nationalmannschaft, nun ja, zieren wird.

Über dieses erstaunliche Design kann es kaum zwei Meinungen geben. Die Farbmischung beleidigt das Auge, ebenso die handwerkliche Umsetzung: Hier werden Farben kombiniert, die nicht zusammen gehören, und Formen werden abrupt unterbrochen, wo sie nicht enden sollten. Deutschland will nach dem WM-Titel 2014 nächstes Jahr auch den EM-Titel holen. Und das offenbar im Look einer auf einem Eichenblatt überfahrenen Kellerassel.

Zugegeben, modische Fehltritte gab es in der Geschichte der DFB-Auswärtstrikots immer wieder. Doch jetzt haben die Adidas-Leibchendesigner vollständig den Pfad der Vernunft verlassen. Schuld daran ist die neue Strategie des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bei dem man jetzt in Marken denkt: Früher stand die deutsche Nationalmannschaft mal für Rumpelfußball, mal für souveräne Alphatiere, mal für perfekt integrierte Jungspunde.

Jetzt gibt es „Die Mannschaft“, eine durchgestylte, geölte Werbemaschine, die keine Deutung mehr dem Zufall überlassen will. So lange die Stars als Marke stark genug sind, ist künftig egal, welche Shirts sie tragen. Sie sollen die moderne, innovative Weltspitze verkörpern, und an ihren Körpern sollen moderne, innovative Trikots kleben. Und genau da haben wir den Salat.

Neonfarben sind jetzt wieder modern, deswegen sind die Ärmel neongrün und -gelb. Und innovativ ist das neue Trikot auch: Man kann es auch auf links tragen. Ein Nationalelf-Wendetrikot, darauf hat die Welt gewartet. Der Weltmeister liefert es.

Zum neuen Markendenken des Deutschen Fußball-Bundes gehört es offenbar, gezielt mit Trikottraditionen zu brechen. Das begann 2014, als die in Stein gemeißelte Regel weißes-Trikot-schwarze-Hose über den Haufen geworfen wurde. Nun hat es das Auswärtstrikot erwischt: Seine Farben stehen für nichts, vor allem nicht für Deutschland. Genauso könnte der SC Wiedenbrück dieses Shirt tragen. Oder Irland. Oder der Schiedsrichter.

Viele Jahrzehnte lang trug Deutschland ein sattes, warmes Grün als zweite Garnitur auf. Dieses Grün prangt noch immer im DFB-Logo. Das neue Neongrün nicht, die Grautöne nicht - auch nicht in der deutschen Fahne, auf die sich frühere Auswärtstrikots in schwarz oder rot immerhin berufen konnten.

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