Anstoß – die Fußballkolumne
Ein kleiner Liebesbrief an den Frauenfußball

Frauenfußball ist anders. Doch wer noch immer denkt, es fehle an Klasse, der irrt. Spätestens das Finale zwischen den USA und Japan zeigt: der moderne Frauenfußball ist schnell, spannend und schön.
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DüsseldorfVier Tore in sechzehn Minuten. Ein Hattrick, darunter das schnellste Tor in einem Frauen-WM-Finale und eines aus 49 Metern. Gerade die erste Halbzeit der Partie USA gegen Japan am Sonntag in Vancouver konnte sich sehen lassen.

Und sie lässt all die Frauenfußball-Gegner und Männerfußball-Verfechter verstummen. Wer nach diesen 90 Minuten immer noch denkt, dem Frauenfußball fehle es an Tempo, Ballkontrolle und spektakulären Toren, denen kann nur gesagt werden: Wacht endlich auf und akzeptiert es. Frauenfußball ist salonfähig.

Dass dabei gerade die deutsche Elf dem Fortschritt hinterherläuft, ist ein Wermutstropfen, zeigt aber auch, wie stark das weltweite Interesse an dem Sport gestiegen ist. Immer mehr Zuschauer strömen in die Stadien – bei der Kanada-WM gab es erneut Besucherrekorde – die einzelnen Nationen packt der Ehrgeiz. Bestes Beispiel: England. Von insgesamt sieben Weltmeisterschaften nahmen die „Lionesses“ gerade einmal an vier teil. 1995, 2007 und 2011 endete die Reise jeweils im Viertelfinale. Nun schlugen der Underdog im Spiel um Platz drei überraschend das DFB-Team mit 1:0.

Nach zwei Weltmeister- und sechs aufeinanderfolgenden Europameistertiteln steht Deutschland exemplarisch für die rasante Entwicklung des Sports. Doch die Luft an der Weltspitze für den einstigen Wegbereiter des Frauenfußballs wird dünner. Die Konkurrenz wächst – und schläft nicht. Nun ist es wichtig, den Anschluss nicht zu verpassen.

Popp, Gößling und Co. müssen technisch und taktisch deutlich zulegen, wollen sie auch künftig um die begehrten Titel mitspielen. Im Einzelnen bedeutet das: Weniger Ballverluste, präzisere Zuspiele und Torschüsse und mehr Spielübersicht. Die Zuschauer dürfte das freuen. Denn die Spiele werden so schneller und spannender.

USA und Japan haben es am Sonntag im WM-Finale bereits vorgemacht. Schnelles Spiel über die Flügel bei den USA, One-Touch-Fußball bei Japan. Von der Torausbeute ganz zu schweigen: Die Partie endete 5:2 (4:1). Es war ein Vorgeschmack auf das, was den Fußballfan 2019 bei der Weltmeisterschaft in Frankreich wohl erwarten wird.

Hannah Eckhardt
Hannah Eckhardt
Handelsblatt Live / Content-Managerin

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