Anstoss - Die Fußballkolumne
Pep hat den Spielbetrieb eingestellt

Wenn schon Wettbewerbsverzerrung, dann wenigstens richtig. Das könnte aktuell das Motto des FC Bayern sein. Mit der sechsten Pflichtspielniederlage in Folge greift der Rekordmeister nochmal in den Abstiegskampf ein.
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DüsseldorfIn München wird dieser Tage krampfhaft versucht, die gewonnene Meisterschaft als großen Erfolg zu verkaufen. Wirklich in Feierlaune dürfte spätestens nach gestern aber niemand mehr beim FC Bayern sein. Mit 1:2 verlor der Rekordmeister in Freiburg und verschaffte den Breisgauern so eine optimale Ausgangsposition im Abstiegskampf.
Wenn schon Wettbewerbsverzerrung, dann wenigstens richtig könnte das Motto dieser Tage beim FC Bayern heißen. In Leverkusen vor drei Wochen ließ Trainer Pep Guardiola eine bessere B-Elf spielen, um seine Stars vor dem Duell mit dem FC Barcelona zu schonen. Bayer gewann fast mühelos mit 2:0, in Gladbach ärgerten sich die Fans fast schwarz, mussten sie so doch weiter um die Qualifikation für die Champions League bangen.
Eine Woche später verloren Guardiolas Bayern zuhause (!) gegen den FC Augsburg und mischten so kräftig im Kampf um die Europa-League-Plätze mit.

Und nun die Niederlage in Freiburg. Bei allem Respekt vor dem tapfer kämpfenden Sportclub – die Konkurrenten im Abstiegskampf dürften hier eigentlich auf einen klaren Punktverlust der Freiburger gehofft haben. Seit 19 Jahren hatten die Freiburger nicht mehr gegen den FC Bayern gewonnen, ausgerechnet in der aktuellen Situation am vorletzten Spieltag fuhren sie nun drei Punkte ein.
Dabei führten die Bayern doch sogar in Freiburg, es sah nach einer klaren Angelegenheit aus. Denn: Wann hatten die Bayern schon nach einer Führung noch verloren? Genau, vor exakt 122 Spielen. Nach dem Tor durch Schweinsteiger zeigte sich was passiert, wenn Fußballer mit einer Saison schon abgeschlossen haben: Niemand setzte mehr entscheidend nach, Unkonzentriertheiten stellten sich ein. Rafinha hätte nach einem elfmeterreifen Foul bereits vom Platz fliegen müssen, am Ende sorgte Nils Petersen dann noch für den verdienten Sieg.

Zumindest am letzten Spieltag können die Sommerpausen-Bayern nicht mehr in entscheidende Duelle der Liga eingreifen. Gegner Mainz 05 spielt ebenfalls nur noch um die goldene Ananas. Nach dem Spiel wird übrigens kaum gefeiert werden. Erst einen Tag später lädt der Meister auf den Marienplatz – um den Geschäftsleuten der Stadt am Samstag nicht die Kunden zu vergraulen.

Marcel Reich
Marcel Reich
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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