Anstoß – die Fußballkolumne
Werders Finanzpolitik wird ein Risiko

Mit Robin Dutt wollte Bremen durchstarten. Etwas mehr als ein Jahr später ist der Aufbruch aber schon wieder vorbei, Werders jahrelange Krise geht weiter. Nun soll alles besser werden – mit hohem finanziellen Risiko.
  • 0

DüsseldorfDreizehn, neun und vierzehn – das waren Werder Bremens Platzierungen in der Abschlusstabelle in Thomas Schaafs letzten drei Jahren als Trainer an der Weser. Die Strukturen waren verkrustet, die Mannschaft über dem Zenit. Nach 14 Jahren war im Sommer 2013 Schluss für Schaaf, Robin Dutt gab sein sicheres Amt als DFB-Sportdirektor auf und übernahm eine heikle Aufgabe: Den Neuaufbau des einstigen Spitzenklubs. Die vergangene Saison schloss Werder als Zwölfter ab, für eine Übergangssaison war das okay. Und nun? Da steht Bremen mit vier Punkten aus acht Spielen verdientermaßen auf dem letzten Platz. Werder braucht einen neuen Neuanfang.

0:6 hieß es am Ende gestern gegen die Bayern – selbst in der Höhe kann das in München durchaus mal passieren, kein Drama. Das Problem: Von den vier Spielen davor verlor Werder auch schon drei. Am vergangenen Spieltag gegen Freiburg sollte mit einem Sieg Zuhause das Ruder herumgerissen werden, um nicht schon wieder in direkte Abstiegsnöte zu geraten. Die guten Vorsätze hielten genau acht Minuten, dann markierte Freiburgs Darida die Führung für die Breisgauer. Am Ende stand ein 1:1, das war's schon wieder mit dem Neustart.

Wie aus der einstigen Spitzenmannschaft, die sich zwischen 2004 und 2011 stolze sechs mal für die Champions League qualifizieren konnte, eine Kellertruppe werden konnte, wurde mittlerweile genug durchexerziert: Werder baute ein neues Stadion, die Einnahmen aus dem Europapokal flossen in Steine, an der Mannschaft wurde gespart. Und die teuren Spieler, die kamen, waren ihr Geld oft nicht wert. Beispiel: Carlos Alberto.

Das fehlende Geld macht sich auch im aktuellen Kader bemerkbar, vor allem im Mittelfeld. Die eigentliche Schaltzentrale wird zum einen von Spielern wie Felix Kroos oder Fin Bartels bevölkert, die den letzten Beweis der Bundesligatauglichkeit noch immer nicht erbracht haben. Zum anderen spielt dort Ludovic Obraniak, der ein Paradebeispiel für die gesamte Werder-Mannschaft ist. Der polnische Nationalspieler war mal ohne Frage ein Guter, nach seiner Glanzzeit spielt er nun aber nicht ohne Grund bei Werder. Das Gleiche gilt für Eljero Elia im Sturm. Der hatte mal einen Marktwert von 17 Millionen. Jetzt sind's gerade noch vier.

Genau so viele Punkte hat Werder nun auf dem Konto, 22 Gegentore aus acht Spielen sind dazu eine traurige Marke. Das einzige, was da zu helfen scheint, ist Geld: Neun Millionen Euro hat Bremen zuletzt durch einen neuen Vertrag mit der Vermarktungsfirma Infront kassiert. Das Geld soll nun im Winter unter anderem in Neuzugänge wie Costa Ricas WM-Held Bryan Ruiz fließen.

Damit das auch wirklich klappt, sägt Bremen vorsichtshalber schon einmal den jahrelangen Sparfuchs Willi Lemke ab. Die eigentliche Werder-Legende hatte in den vergangenen Jahren akribisch darauf geachtet, das Werder nur genau so viel ausgibt, wie es einnimmt. Heißt: Er hat seine Aufgabe als Aufsichtsrat ernst genommen. Beliebt hat er sich damit nicht gemacht, die aktuelle Tabellensituation machen viele an seiner eigentlich seriösen Sparpolitik fest. Eigentlich wollte Lemke 2016 aufhören, nun ist wohl schon in diesem Jahr Schluss. Marco Bode soll übernehmen - und höhere Ausgaben abnicken. So soll spätestens ab dem neuen Jahr alles besser werden, mit neuen Spielern und einer riskanteren Finanzpolitik. Auch ein, zwei neue Spieler könnten zu wenig sein, um den Abstieg zu verhindern. Das wäre ein finanzielles Desaster.

Ob Robin Dutt das alles noch als Werder-Trainer erlebt, darf bezweifelt werden. Der ist mit seinem Latein schon lange am Ende, wer wäre das in diesem Werder-Chaos nicht. Der Neuanfang mit Dutt ist gescheitert. Werder braucht einen neuen.

Marcel Reich
Marcel Reich
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

Kommentare zu " Anstoß – die Fußballkolumne: Werders Finanzpolitik wird ein Risiko"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%