Anstoß
Warum ein Rauswurf von Klopp dumm wäre

Wenn’s nicht läuft, muss der Trainer gehen. In dieser Bundesliga-Saison haben schon fünf Übungsleiter diese Erfahrung gemacht. Die vorzeitigen Wechsel können allerdings alles noch viel schlimmer machen. Ein Kommentar.
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DüsseldorfGefeuerte Bundesligatrainer müssen niemandem Leid tun. Sie haben ihren Beruf freiwillig gewählt und wissen, wie das Geschäft läuft. Kein Trainer wehrt sich dagegen, dass man ihn nach Erfolgen feiert wie einen Guru. Also muss er es auch ertragen, für Niederlagen verantwortlich gemacht zu werden.

Dennoch stellt sich nach jeder Entlassung die Frage: Was bringt so ein Rauswurf eigentlich?

Unter den fünf Trainerwechseln nach der Sommerpause waren vier Entlassungen (Mirko Slomka, Jens Keller, Robin Dutt und jüngst Jos Luhukay), einmal ist der Coach zurückgetreten (Armin Veh). Dass solche vorzeitigen Wechsel etwas bringen, wird immer häufiger angezweifelt.

„Wäre ich Aufsichtsrat des BVB, würde ich Jürgen Klopp noch stärker unterstützen und eine viel aktivere Rolle in der Kommunikation nach außen wahrnehmen. Nur wenn es gelingt, dass Klopp aus dem Schussfeld genommen wird, kann er den Karren „in Ruhe“ aus dem Dreck ziehen. Den Trainerjob kann er ja nicht über Nacht verlernt haben“, meint beispielsweise Manager, Managementberater, Executive Coach und Führungstrainer Klaus Schuster im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Zu Recht. Denn: Die meisten Erstliga-Absteiger der vergangenen Jahre wechselten während der Saison einmal oder mehrmals ihren Coach. Leistungssteigerungen nach vorzeitigen Trainerwechseln sind oft nur von kurzer Dauer.

Vielleicht liegt das an der verblassenden Euphorie. Vielleicht aber auch daran, dass die Spieler ihres Alibis beraubt wurden und plötzlich selbst im Brennpunkt stehen: Der mutmaßlich Schuldige ist weg, jetzt müssen die Profis beweisen, dass es nicht an ihnen gelegen hat. Irgendwann lässt der Effekt wieder nach – und die Teams kehren auf ihr altes Spielniveau zurück.

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Warum die Spieler so viel Verantwortung haben

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  • Ich muss zugeben, dass mich Fußball nicht sonderlich interessiert. Für Dort-

    mund gibt es doch essenziellere Themen. Das Wohl und Wehe der

    Menschen in dieser Stadt hängt wohl mehr von der individuellen

    Situation ab, die Bedeutung eines Vereins kann doch höchstens nur

    zweitrangig oder noch tiefer sein. Gelegentlich sah ich zufällig bei

    einer Fernsehübertragung die Grimassen eines am Spielfeldrande

    Stehenden. Darüber regten sich wohl einige Leute auf. Wichtiger er-

    scheint mit der Hinweis in den RuhrNachrichten, dass diese Stadt bei

    der rel. Armut bundesweit an 2. Stelle liegt. Die Arbeitslosenquote

    insgesamt liegt bei 12,8% im Jan. 2015, die Unterbeschäftigungs-

    quote bei 15,8% nach der Agentur f. Arbeit. Laut RuhrNachrichten

    sind in keiner anderen Großstadt so viele Menschen von Armut

    bedroht. Ich vermute mal, dass Trainer, Spieler usw. bei einem

    möglichen Abstieg wirtschaftlich abgesichert sind. Sie können auch

    einfach den Verein wechseln. Falls der Abstieg besiegelt sein sollte, dann

    zieht die Karawane der Fußballdarsteller einfach weiter, die Stadt und ihre

    Einwohner haben dann immer noch keine Ruhe.


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