Fußball
Ante S. bestätigt Manipulations-Vorwürfe

Am ersten Tag des Strafprozesses im größten Wett- und Manipulationsskandal des deutschen Fußballs seit über 30 Jahren hat "Drahtzieher" Ante S. alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe weitgehend bestätigt.

"Drahtzieher" Ante S. hat zum Strafprozess-Auftakt im größten Wett- und Manipulationsskandal des deutschen Fußballs seit über 30 Jahren alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe weitgehend eingeräumt. "Zu den Tatvorwürfen möchte ich sagen, dass sie im Wesentlichen zutreffen", sagte der 29-Jährige zu Beginn seiner zweieinhalbstündigen Ausführung, in der der Kroate ausführliche Einblicke in seine Jahre währende Wettpraxis gewährte. Die zuvor in der Anklageschrift gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Manipulation von über 20 Fußballspielen konnte er nicht entkräften.

Von einem Geständnis wollte die Verteidigung allerdings im strengen juristischen Sinne nicht sprechen. "Das ist ein Einräumen des tatsächlich Geschehenen", sagte Anwalt Stefan Conen. Nun müsse erst noch geprüft werden, ob der Vorwurf des gewerbs- und bandenmäßigen Betruges, dem sich auch Antes Brüder Milan und Filip sowie die ehemaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer und Dominik Marks stellen müssen, überhaupt zutreffe. Bei Ex-Profi Steffen Karl lautet der Verdacht nur auf "versuchte Verbrechens-Abrede".

Verteidigung hofft auf Strafnachlass

Unübersehbar scheint jedoch die Strategie der Verteidigung, die überdurchschnittliche Spielpassion ihres Mandanten in den Mittelpunkt zu rücken. Nicolas Becker, ebenfalls Anwalt von Ante S., sprach von "Wettleidenschaft" und "Wettsucht" und erklärte: "Man muss auf Strafnachlass hoffen, wenn das so stark von einem Besitz ergriffen hat."

Bei seinem ersten Auftritt nach monatelanger Haft veranschaulichte der als "Drahtzieher" bezeichnete Ante S. seine seit Jahren vollzogene Wettpraxis in aller Ausführlichkeit. Bereits im Alter von 16 Jahren sei er damals "ans Zocken" gekommen, vor dem Internet-Zeitalter beschaffte sich der Berliner die Paarungen per Brief. Mit Einsetzen der online-Wetten Ende der 90er Jahre steigerte sich dann auch die Wettlust. Mit dem Tipp auf Bayern München als deutscher Fußballmeister im Jahr 2000 kassierte er 100. 000 Mark: "Das war mein Durchbruch."

Angeklagter zu Beginn noch reumütig

In den weiteren Jahren setzte er vor allem auf den Informationsvorsprung und studierte den Zustand von Mannschaften und Sportlern durch die Lektüre von allen möglichen Sportnachrichten im Internet. "Wenn wan bei Bayern sechs oder sieben Spieler rausnimmt, dann ist das nicht mehr Bayern München, sondern Arminia Bielefeld", erklärte Ante S. dem Gericht. Zeigte sich der Angeklagte zu Beginn noch sehr reumütig und sprach mit nur stockender Stimme, so schien er mit zunehmender Sprechzeit seine Nervosität ablegen zu können und der Richterin mit dem Zusatz "Verstehen Sie?" mehrmals seine Aussagen plausibler machen zu wollen.

Er beschränkte sich nicht allein auf Fußball-Wetten, auch Paarungen aus dem amerikanischen Frauen-Basketball gehörten zu seinem Terrain genauso wie Wetten in der Formel 1 oder auch im Skispringen. Manchmal aber auch überschritt der wettfreudige Berliner die Grenzen des Sports und setzte bei Wetten von TV-Sendungen wie "Deutschland sucht den Superstar".

Gewinn von rund 700 000 Euro

Sein enormer Einsatz für das Pokalspiel zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV (4:2), das als das "berühmteste Spiel" des Wett- und Manipulationsskandals gilt, sorgte für einen warmen Regen in die Kassen des Spielers, der seinen Gewinn selbst auf knapp 700 000 Euro taxierte.

Der zweite Prozesstag am kommenden Donnerstag (10.00 Uhr) beschäftigt sich mit den einzelnen, manipulierten Partien sowie mit dem Verhältnis von Ante S. zu den weiteren Angeklagten im Prozess. Hoyzer und Marks werden voraussichtlich erst in der kommenden Woche zur Sache befragt werden.

© SID

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