Anti-Doping-Kampf: DFB will im Herbst über Blutkontrollen entscheiden

Anti-Doping-Kampf
DFB will im Herbst über Blutkontrollen entscheiden

Blut wird bei Dopingkontrollen im Fußball bisher nicht überprüft. Ob das auch weiterhin so sein wird, entscheidet der DFB im Herbst. Kritiker monieren das Verhalten des Verbands.
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Frankfurt/MainDer deutsche Profifußball will bis zum Herbst darüber entscheiden, ob er im Anti-Doping-Kampf auch auf Blutkontrollen nach Spielen setzt. „Die Zielsetzung ist, Richtung Rückrunde zu beschließen, ob wir Blutkontrollen auch nach Spielen einführen“, sagte der Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes, Rainer Koch, am Dienstag in Frankfurt am Main. Zuvor müssten alle Verfahrensangelegenheiten geklärt sein. „Dass wir uns damit Zeit lassen, ist keine Verweigerungshaltung, sondern das Gegenteil“, sagte Koch.

Der Deutsche Fußball-Bund hatte nach der Veröffentlichung der vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Auftrag gegebenen Studie über die Doping-Vergangenheit der Bundesrepublik eine Vereinbarung mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) über die Einführung von Blutkontrollen im Training unterzeichnet. Die Verhandlungen darüber hatten nach Aussage von Koch aber bereits im Jahr 2012 begonnen.

Nach der neuen Vereinbarung sollen jährlich 500 Dopingtests durchgeführt werden, davon rund 15 Prozent Blutkontrollen. Die NADA ist allerdings nur für die Trainingskontrollen zuständig, die Urinproben nach Spielen führt der DFB durch. Der deutsche Profifußball lässt sich den Anti-Doping-Kampf fortan jährlich 700 000 Euro kosten, davon stehen der NADA rund 200 000 Euro zur Verfügung.

Angesichts der finanziellen Möglichkeiten war der DFB für die Höhe der Aufwendungen heftig kritisiert worden. Im Schnitt muss jeder der 36 Profivereine mit weniger als zwei Besuchen der NADA-Tester rechnen, bei denen auch Bluttests genommen werden. Alle anderen Kontrollen sind Urinproben.

Koch hält die Kritik für ungerechtfertigt. „Ich muss schon sagen, dass wir uns in den vergangenen Tagen etwas ungerecht behandelt gefühlt haben“, sagte der DFB-Vizepräsident. Der Verband sehe sich vielmehr in einer „Vorreiterrolle“, sagte Koch. „Wir haben gefordert, dass auch in Mannschaftssportarten Blutkontrollen eingeführt werden. Auch bei der Anzahl der Kontrollen brauchen wir uns im Vergleich zu anderen Sportarten und im Vergleich zu anderen Ländern nicht zu verstecken“, erklärte der Vorsitzende der Anti-Doping-Kommission im DFB. „Im Fußball sind wir weltweit die Nummer zwei hinter Italien.“

Die Vorstandsvorsitzende der NADA, Andrea Gotzmann, verteidigte den DFB und begrüßte den neuen Vertrag zwischen beiden Seiten. „Die Vereinbarung mit dem DFB ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es gibt keinen Verzicht auf Urin-Kontrollen, die Blutkontrollen wirken ergänzend. Damit schließen wir eine Tür. Das ist eine sinnvolle Kombination“, sagte Gotzmann.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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