Applaus für Lyon
Real feiert „Sorgenkinder“

dpa MADRID. Erst ausgebootet, dann gefeiert: Die „Sorgenkinder“ Raúl und Ruud van Nistelrooy bewiesen mit ihren Toren bei Real Madrids 5:1-Sieg über Dynamo Kiew, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören.

Mit ihren je zwei Treffern in der Champions- League-Partie bewahrten sie die „Königlichen“, die nach ihrer 0:2-Schlappe von Lyon mit dem Rücken zur Wand gestanden hatten, vor einer schweren Krise.

Vor allem van Nistelrooy konnte sein Glück kaum fassen. Er hatte eigentlich gar nicht spielen sollen, weil seine Frau kurz zuvor Töchterchen Moa zur Welt gebracht hatte. „Vater geworden und zwei Tore geschossen, ich bin überglücklich“, sagte der Niederländer. „Dabei hatte ich in der Nacht vor dem Spiel kein Auge zugetan.“ Der Torjäger, der vor seinem Wechsel nach Madrid bei Manchester United auf dem Abstellgleis gelandet war und auch nicht mehr zum Kader der Nationalelf gehört, brachte die Madrilenen in der 19. Minute in Führung. In der 69. Minute stellte er per Foulelfmeter den Endstand her. „Wir kommen immer besser in Fahrt“, sagte der 30 Jahre alte Angreifer. „Wir zeigen allmählich, dass unser Team zu Großem fähig ist.“

Der zweite Held des Tages im Bernabéu-Stadion war Raúl, der erst kürzlich auf der Ersatzbank schmoren musste und dem die Presse bescheinigte, wie ein kopfloses Huhn über den Platz zu laufen. Mit seinen beiden Toren (26./60.) eroberte der Kapitän mit 53 Treffern die Spitze der Torjägerliste in der europäischen Eliteliga - vor Andrej Schewtschenko (52), Alfredo di Stéfano und Van Nistelrooy (je 49). „Raúl ist endlich wieder Raúl“, titelte das Sportblatt „Marca“.

Freuen durfte sich auch Ronaldo, der nach auskurierter Verletzung erstmals seit der Weltmeisterschaft wieder zum Einsatz kam. Bei seiner Einwechselung wurde der Brasilianer, der in Madrid früher oft ausgepfiffen und als „Dickerchen“ verspottet worden war, von den 70 000 Zuschauern mit kräftigem Beifall empfangen.

Nur Trainer Fabio Capello hatte etwas auszusetzen: „Mir hat nicht gefallen, dass wir in der Abwehr in Schwierigkeiten gerieten.“ Das Sportblatt „As“ warnte davor, den Erfolg über die „Touristen“ aus der Ukraine überzubewerten: „Dynamo war eine der Mannschaften, die zum Einkaufsbummel nach Madrid kommen, Fotos vom Bernabéu-Stadion machen und sich ein paar Real-Trikots als Souvenirs mit nach Hause nehmen.“

Ähnlich wie Kiew erging es Steaua Bukarest bei der 0:3-Heimpleite gegen Reals schärfsten Gruppenkonkurrenten Olympique Lyon. Nach dem dritten Tor des französischen Serienmeisters durch Karim Benzema (89.) erhoben sich sogar die rumänischen Fans von ihren Sitzen und applaudierten dem erneut begeisternd aufspielenden Tabellenführer der Ligue 1. Fred (43.) mit einem Abstauber und Tiago (55.) hatten Olympique in Führung geschossen. „Fred war da und sein Treffer war eine Hommage an Gerd Müller“, schrieb die französische Sportzeitung „L'Équipe“. „Ich bin stolz, Trainer dieser Mannschaft zu sein“, sagte Gérard Houllier. Olympique-Präsident Jean-Michel Aulas lehnte sich nach der Gala-Vorstellung weit aus dem Fenster: „Ich denke, Lyon ist in der Lage, die Champions League zu gewinnen.“

Neben Lyon und Manchester United (1:0 bei Benfica Lissabon) steht auch der FC Arsenal mit der optimalen Ausbeute von sechs Punkten vor dem Achtelfinal-Einzug. Thierry Henry (38.) mit seinem 50. Europacup-Tor und der frühere Stuttgarter Alexander Hleb (47.) sorgten für das 2:0 der „Gunners“ gegen den FC Porto. Für den starken Hleb war es ein besonderer Treffer: „Als ich das Tor sah, habe ich draufgehalten. Ein super Gefühl, mein erstes Tor für Arsenal in der Champions League.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%