Arbeitskreis eingesetzt
UEFA besorgt über Schuldenanstieg im Profi-Fußball

Die Europäische Fußball-Union UEFA will den Schuldenanstieg im Profi-Fußball nicht tatenlos hinnehmen. Ein Arbeitskreis soll künftig für stärkere Kontrolle der Vereine sorgen. Auslöser der Aktion ist der dramatisch gewachsene Schuldenberg im englischen Fußball.

sid LONDON. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) zeigt sich besorgt über den Anstieg der Schulden im Profi-Fußball und will mit der Einsetzung eines Arbeitskreises reagieren. Dieser soll laut UEFA-Generalsekretär David Taylor Maßnahmen festlegen, um die Kontrolle zu verbessern und gegensteuern zu können.

Der UEFA -"General" äußerte sich am Mittwoch, einen Tag nach den Erklärungen des englischen Verbands-Chefs David Triesmann. Dieser hatte den Schuldenberg im englischen Fußball auf 3,85 Mrd. Euro beziffert. "Wir müssen zu größerer finanzieller Stabilität zurückfinden, besonders dann, wenn viele Banken in Schwierigkeiten geraten. Regierungen werden vielleicht Banken stützen, aber sie werden nicht Fußball-Klubs unter die Arme greifen", sagte Taylor auf einer zweitägigen Sitzung an der Stamford Bridge in London, dem Vereinsgelände des Michael-Ballack-Klubs FC Chelsea.

"Wir benötigen mehr Transparenz. Wir müssen schauen, in welchen Bereichen wir regulierend eingreifen müssen, um die Klubs langfristig zu stabiliseren", so Taylor. Er kündigte an, dass bereits in der kommenden Woche erstmals der neue UEFA-Arbeitskreis zusammentrete.

Man werde zwar nicht über Nacht eine Lösung präsentieren können, denn die UEFA sei derzeit noch in der Phase der Untersuchung, um Lösungsmöglichkeiten zu finden, "aber wir sind schon seit geraumer Zeit besorgt", sagte der UEFA-Generalsekretär, der ausdrücklich die offenen Worte des FA-Vorsitzenden am Dienstag lobte.

Laut Lord Triesman sind allein die vier englischen Top-Klubs Manchester United, FC Liverpool, FC Chelsea und FC Arsenal für ein Drittel der Verschuldung, rund 1,2 Mrd. Euro, verantwortlich. Dies bedeute einen Zuwachs von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Keiner der großen Klubs könne sicher sein, nicht ebenfalls von einer Insolvenz betroffen zu sein. Gerade in der englischen Premier League hatten sich in der letzten Zeit Milliardäre aus Russland, den USA oder Arabien eingekauft. Diese sind natürlich ihrerseits von der weltweiten Finanzkrise und dem Absturz der Börsenkurse betroffen.

Aber auch die FA selbst trage einen Schuldenberg in Höhe von gut 510 Mio. Euro vor sich her, verursacht vor allem durch den Bau des neuen Wembley-Stadions, sagte Triesman.

Er könne nicht ausschließen, dass in naher Zukunft einer der hoch verschuldeten Vereine pleite gehe. "Wenn mir einer vor einem Monat gesagt hätte, dass Lehman Brothers von der Bildfläche verschwindet, hätte ich das auch nicht geglaubt", meinte der Verbandschef.

Das Problem sei nicht die Höhe der Schulden. "Das Problem ist vielmehr, dass die Personen hinter den Schulden in ernsthaften Problemen stecken. Damit liegt das Schicksal nicht mehr in den Händen der Vereine", erklärte Triesman, der zudem auf die Probleme der globalen Verflechtung hinwies: "Die Schulden der Vereine verteilen sich durch die internationalen Investoren über die ganze Welt. Manche von ihnen befinden sich in großen Schwierigkeiten."

Der englische Traditionsklub West Ham United muss aufgrund der Finanzkrise den Gürtel offenbar bereits enger schnallen. Denn der Klubbesitzer, der Isländer Björgolfur Gudmundsson, ist ebenfalls betroffen, nachdem die zweitgrößte isländische Bank Landsbanki verstaatlicht werden musste. Gudmundsson war Präsident und Hauptaktionär des Geldinstituts.

"Gudmundsson wird sein Geld nicht aus dem Verein ziehen, aber diese Ereignisse hemmen unsere Möglichkeiten für weitere Investitionen in diesem Jahr", sagte der Vize-Präsident der Hammers, Asgeir Fridgeirsson, der Londoner Tageszeitung The Times.

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