Arbeitslosenquote bei Berufskickern unter fünf Prozent
Die Vermittlungsquote liegt bei 50 Prozent

„Der 31. August“, sagt Ulf Baranowsky, „ist wichtig für die Jungs hier. Dann schlägt ihre Stunde“, sagt der Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VDV. Es ist der Tag an dem die Wechselfrist für Lizenzspieler endet. Aber nur für die, die einen Vertrag haben. Dame Diouf und 19 andere arbeitslose Kollegen, die sich im Trainingscamp fit halten, hoffen dann auf ihre Chance. Ab morgen haben die arbeitslosen Profikicker wieder Hochkonjunktur.

KEMPTEN. Geht es nach Baranowsky, finden alle Teilnehmer in den kommenden Wochen einen Arbeitsplatz. So wie in den Jahren zuvor. Zum vierten Mal richtet die VDV das ungewöhnliche Trainingslager aus. „Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind am Ende immer alle untergekommen“, sagt Baranowsky. Der Sportpark Wedau ist ein beliebter Treffpunkt für Scouts und Spielerberater.

Auch diesmal ist die Gruppe der Ausgemusterten von Woche zu Woche kleiner geworden. Von den 40 arbeitslosen Berufsfußballern, die seit Juli im Duisburger Camp trainierten, sind noch 20 Kicker übrig. 50 Prozent Vermittlungsquote – die örtliche Arbeitsagentur würde vor Neid erblassen. Und „wir trainieren, bis auch der Letzte weg ist“, verspricht Coach Karsten Baumann.

Dame Diouf hofft, dass er sich recht bald von Baumann verabschieden darf. „Mein Berater verhandelt mit mehreren Vereinen“, erzählt der frühere Nationalspieler aus dem Senegal. Mit wem, will der Ex-Hannoveraner nicht verraten. Sein Traum wäre ein Engagement bei einem Bundesligisten. Mit einem Klub aus der 2. Liga könnte Dame Diouf aber auch leben. Nur die Regionalliga wäre bitter für ihn, aber zur Not würde er auch dort spielen. „Ich lebe vom Arbeitslosengeld“, klagt der Vater eines elf Monate alten Kindes. „Aber ich will dem deutschen Staat nicht auf der Tasche liegen, sondern Fußball spielen und damit meine Familie ernähren.“

Wenn Dame Diouf über die vergangenen Wochen und Monate spricht, kommt ihm immer wieder das Wort „Katastrophe“ über die Lippen. Bei Hannover 96 nach eigenen Angaben wegen eines Kreuzbandrisses aussortiert, landete der 28-Jährige auf Leihbasis erst in Osnabrück und dann beim SV Wehen. Doch selbst in der Regionalliga spielte er in sechs Monaten nur vier Mal. „Ich kapiere nicht, was passiert ist“, sagt der Afrikaner. „Ich habe im Training immer meine Leistung gebracht. Ich bin schnell, robust und gehöre eigentlich in die Bundesliga.“ Wie Diouf können sich viele Kicker den sportlichen Niedergang nicht erklären. „Verletzungen sind häufig ein Grund dafür, dass Spieler plötzlich ohne Vertrag dastehen“, sagt Baranowsky. Hauptursache für die Arbeitslosigkeit sei aber der Abstieg des Vereins. Meist sind die Verträge an den Klassenerhalt gebunden und sind nichtig im Abstiegsfall.

Nach Baranowskys Schätzung liegt die Arbeitslosenquote bei Berufskickern unter fünf Prozent. Nach der Kirch-Krise im Jahr 2003 war die Quote höher. „Die Vereine mussten ihre Kader verkleinern“, sagt Baranowsky. Mittlerweile habe sich der Markt aber wieder beruhigt. Dass die Zahl der Camp-Teilnehmer in diesem Jahr doppelt so hoch ist wie in den Jahren zuvor ist, habe nichts mit einer neuen Entlassungswelle zu tun. „Es hat sich herumgesprochen, dass wir hier ein tolles Angebot haben“, glaubt Baranowsky. Er habe zudem den Eindruck, dass die Spieler mit dem Thema Arbeitslosigkeit offener umgehen. „Die Jungs haben kapiert, dass Arbeitslosigkeit in Zeiten von Hartz IV etwas ist, das jeden treffen kann, auch Profifußballer.“

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