Arbeitsverträge im Fußball: Ausnahmen für Multimillionäre gelten weiter

Arbeitsverträge im Fußball
Ausnahmen für Multimillionäre gelten weiter

Erleichterung im deutschen Profi-Fußball. Bundesliga-Kicker bekommen keine Rentenverträge. Ein Gericht in Mainz beschäftigte sich mit diesem Szenario für den Fußball. Und wies die Klage eines Torwarts gegen Mainz 05 ab.
  • 1

MainzDie Zulässigkeit befristeter Arbeitsverträge im Profifußball ist bis auf Weiteres gewährleistet - ein neues Bosman-Urteil aber noch nicht endgültig vom Tisch. Nachdem das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz in Mainz am Mittwoch im Fall Heinz Müller gegen den FSV Mainz 05 die erstinstanzliche Entscheidung des Arbeitsgerichts vom März 2015 kippte, wird nun mit Spannung auf die weitere Vorgehensweise der Parteien gewartet.

Der Vorsitzende Richter Michael Bernardi hatte bereits vor der Urteilsverkündung gesagt, dass die vierte Kammer eine Revision zulassen werde. Das bedeutet, dass der Fall an das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt oder sogar gleich an den  Europäischen Gerichtshof (EuGH) weitergegeben werden könnte, falls die Müller-Seite in Berufung geht. 

Eine gütliche Einigung im eigentlichen Rechtsstreit zwischen Müller und dem FSV ist indes auch nach dem Urteilsspruch möglich. Beide Parteien hatten angekündigt, dass es noch zu Gesprächen kommen könnte. Ex-Keeper Müller hatte gegen den Klub geklagt, da er trotz der Verlängerung seines Vertrages im Jahr 2012 um weitere zwei Jahre zur zweiten Mannschaft abgeschoben worden war.

Der 37-Jährige sah sich dadurch der Chance beraubt, dass sich sein Kontrakt durch eine bestimmte Anzahl an Profi-Einsätzen (23) automatisch um ein Jahr verlängert. Die von Müller verlangte Abfindung in Höhe von 429.000 Euro war ihm vom Arbeitsgericht Mainz im März 2015 nicht zugesprochen worden.

Der deutsche Profifußball hatte gespannt auf den Prozess geschaut. Denn de facto ging es um mehr als den Schadensersatz für einen Torwart: Sind die üblichen befristeten Arbeitsverträge im Fußball-Geschäft überhaupt zulässig? Falls das erstinstanzliche Urteil nicht gekippt worden wäre, hätten möglicherweise ähnlich weitreichende Konsequenzen wie 1995 im sogenannten Bosman-Urteil gedroht.

Die Entscheidung des Arbeitsgerichts Mainz konnte nach Ansicht des prominenten Sportrechts-Anwalt Christoph Schickhardt (Ludwigsburg) jedoch „keinen Bestand” haben. Auch der heutige DFB-Interimspräsident Rainer Koch bemängelte bereits, „dass das Gericht die Besonderheit der Branche offenbar nicht gewürdigt hat. Für mich steht außer Frage, dass das allgemeine Arbeitsrecht im Fußball so nicht gelten kann”.

Kommentare zu " Arbeitsverträge im Fußball: Ausnahmen für Multimillionäre gelten weiter"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Fussballprofis müssen wie normale Arbeitnehmer behandelt werden. Es darf keine Ausnahmen geben!! Ansonsten könnten andere Berufszweige das Recht auch für sich in Anspruch nehmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%