Argentinien nach Lehrstunde unter Schock
„Jetzt nicht in Panik geraten“

Sie verließen mit hängenden Köpfen das Spielfeld nach der bitteren 1:4 Niederlage gegen Brasilien. An diesem Abend hatte man gegen einen übermächtigen Gegner verloren. Es war eine der bittersten Stunden in der Geschichte des argentinischen Fußballs.

HB FRANKFURT/MAIN. "Buenas noches", sagte José Nestor Pekerman mit leiser Stimme, während seine Augen Halt suchend durch den Presseraum irrten, als sei ihm noch ganz schwindelig vom brasilianischen Ballwirbel. "Einen wunderschönen guten Abend", übersetzte der Dolmetscher - zum Glück hörte es der Trainer der argentinischen Nationalmannschaft nicht. "Es gibt Spiele, die sind wie ein Schicksalsschlag. Da sieht man von Anfang an, in welche Richtung es geht", sagte Pekerman nach dem demütigenden 1:4-Debakel der "Gauchos" im Endspiel des Confederations Cups in Frankfurt/Main gegen den Erzrivalen Brasilien.

An diesem für Argentinien so bitteren Abend ging es nur in eine Richtung - in die von German Lux. Der Torhüter des zweimaligen Weltmeisters geriet zur Schießbudenfigur und erlebte die höchste Niederlage Argentiniens gegen Brasilien seit 1968 (ebenfalls 1:4) "Brasilien hat einfach großartig gespielt", sagte Verteidiger Javier Zanetti von Inter Mailand nach der Lehrstunde. "Wir wurden überrollt", räumte Coach Pekerman ein.

Dabei hatte seine Mannschaft exakt drei Wochen zuvor in der WM- Qualifikation den Kontrahenten noch 3:1 geschlagen und dabei der "Seleção" in der ersten Halbzeit gleich drei Tore eingeschenkt. "Heute war es im Grunde wie in Buenos Aires - nur umgekehrt", sagte Pekerman und wischte sich den Schweiß von der blassen Stirn. "Der Unterschied zum WM-Qualifikationsspiel war, dass Brasilien heute mehr Tore geschossen hat", lautete die ebenfalls simple Erklärung von Mittelfeldspieler Esteban Cambiasso.

Nichts war es mit dem ersten Titelgewinn für Argentinien beim Confederations Cup. Und nichts war es mit der Revanche für die Endspiel-Niederlage bei der Copá America im vergangenen Jahr in Peru, als die Brasilianer nach Elfmeterschießen gewannen. "Man sollte nie verzweifeln. Dass wir hier das Finale erreicht haben, bedeutet, dass wir eine gute Vorstellung gegeben haben", meinte der Coach und wiederholte: "Man sollte jetzt nicht in Panik geraten." Die zwei frühen Tore hätten sein Team aus der Bahn geworfen. "Die ersten Einschnitte sind immer die tiefsten", philosophierte Pekerman.

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Als erste südamerikanische Mannschaft hat sich Argentinien, das mit einem vielversprechend jungen Kader mit durchschnittlich knapp 25 Jahren beim Confed-Cup antrat, bereits für die WM 2006 qualifiziert. Doch nach der Generalprobe verließen die bis auf Keeper Lux (River Plate) und Angreifer Cesar Delgado (Cruz Azul/Mexiko) in den europäischen Top-Ligen tätigen Spieler deprimiert und mit versteinerter Miene die Bühne des Weltfußballs. Kapitän Juan Sorin schleppte sich nach der Siegehrung über den Rasen, als zöge ihn die Trophäe in seiner rechten Hand sogar zu Boden. "Das tut sehr weh", sagte der Verteidiger, "wir sind mit großer Zuversicht ins Spiel gegangen, aber die ersten beiden Gegentreffer haben uns das Genick gebrochen."

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