Aufsichtsratschef tritt zurück
HSV-Plappermäuler vertreiben Karl Gernandt

Beim Hamburger SV bleiben Interna grundsätzlich nicht lange Interna. Die Reihe von Indiskretionen auf höchster Entscheidungsebene hat den Aufsichtsratsvorsitzenden Karl Gernandt nun zum Rücktritt getrieben.
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HamburgKarl Gernandt ist als Aufsichtsratsvorsitzender des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV zurückgetreten. Wie der Club am Dienstag auf seiner Homepage mitteilte, bleibt der 56-Jährige aber ordentliches Mitglied im sechsköpfigen Gremium. Er war seit Mai 2014 Aufsichtsratsvorsitzender der damals neu gegründeten Fußball-AG des HSV. Seine beiden Stellvertreter - Felix Goedhart oder Jens Meier - werden das Gremium bis zur Neuwahl abwechselnd anführen. Damit zog Gernandt die Konsequenzen aus den Indiskretionen rund um die Freistellung des Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer.

„Ich kann und werde nicht die Hauptverantwortung für so ein Verhalten tragen und bin entsetzt, mit welchen Kräften im Verein und im Aufsichtsrat die sportliche und langfristige Weiterentwicklung riskiert wird. Wenn persönliche Motive über professionelles Verhalten gestellt werden, macht dies nachhaltige Führungsarbeit unmöglich“, wird Gernandt zitiert. Der Manager arbeitet für das Unternehmen Kühne + Nagel, das HSV-Investor Klaus-Michael Kühne gehört.

Unterdessen äußerte sich Beiersdorfer erstmals nach seiner Abberufung ausführlich zu Wort. „Klar bin ich enttäuscht und kann die Entscheidung auch nicht verstehen“, sagte der 53-Jährige der „Bild“-Zeitung (Dienstag-Ausgabe). Der Beschluss des Aufsichtsrats habe ihn aber nicht unerwartet getroffen: „Wir hatten nach zehn Spielen zwei Punkte, das erschüttert einen Klub.“ Aber natürlich wünsche man sich „mehr Vertrauen und Loyalität für die Dinge, die ich zusammen mit unserem Team auf den Weg gebracht habe. Vor allem, weil ich überzeugt bin, dass wir auf dem richtigen Weg sind“.

Der HSV hatte am Sonntagabend den Wechsel an der Spitze öffentlich gemacht. Von Mittwoch an übernimmt Heribert Bruchhagen die Aufgaben von Beiersdorfer. Der Aufsichtsrat habe einen Vorsitzenden „mit einer anderen Charakteristik“ gewollt, meinte der Ex-Boss. „Einen, der nach außen stärker auftritt und auch mal auf den Tisch haut.“ Er habe aber seinen eigenen Stil „und von dem bin ich überzeugt. Er passt zum HSV, zumindest wie ich unseren HSV sehe“.

Beiersdorfer zeigte sich insgesamt mit seiner Bilanz zufrieden, auch wenn der Verein trotz des jüngsten Aufwärtstrend mit den ersten beiden Saisonsiegen noch mitten im Abstiegskampf steckt. Er könne sich auch weiter guten Gewissens im Stadion sehen lassen. „Ich habe immer die Interessen des Klubs vertreten. Ich kann in den Spiegel gucken und aufrecht gehen.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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