Aufsteiger Hull begeistert Nostalgiker
Premier League steuert auf Zweikampf zu

Trotz der Großinvestitionen fast aller Vereine gilt es für die Spielzeit 2008/2009 der Premier League als unwahrscheinlich, dass ein Klub in die Phalanx der "Top Four" durchbrechen kann. Allerdings spricht man in England schon jetzt von den "Big Two Plus Two". Dabei sind auch in diesem Jahr nahezu alle Klubs der englischen Eliteliga sind finanziell an ihre Schmerzgrenze gegangen.

HB BERLIN. In der Liga der "hässlichsten Stadt Englands" waren sie bereits seit Jahren Spitze. Zweimal innerhalb kürzester Zeit siegte die 250 000 Einwohner zählende Hafenstadt an der Ostküste. Doch nun ist Kingston upon Hull, kurz Hull, auch in einem wirklich bedeutsamen Wettbewerb ganz oben. Seit dem Aufstieg in die Premier League, dem ersten in der 104-jährigen Geschichte des Klubs, hat Hull City noch kein Spiel verloren. Mit einem Heimsieg am dritten Spieltag gegen Wigan könnte man theoretisch sogar Tabellenführer werden. Was vor allem den Traditionalisten im englischen Fußball gut gefallen dürfte: Schon jetzt feilt man an den Lobeshymnen für die Underdogs, die das längst verstorben geglaubte Kick and Rush wieder aus der Klamottenkiste geholt haben.

Als Gegenentwurf zum glitzernden Glamour der Premiere League taugt Hull jedoch nicht. Zwar spielt mit dem 39-jährigen Dean Windass ein Stürmer, dessen Antlitz den verdacht nahe legt, er habe die letzten zehn Jahre im Pub verbracht. Und auch die Arbeitslosigkeit ist in Hull so hoch, wie überall im Norden Englands - doch ansonsten ist nicht mehr viel proletarisch am Premier League Newcomer. 100 Millionen Euro, errechnete kürzlich die Londoner "Times", ist der Aufstieg ins englische Oberhaus auch für einen Zwergverein wie Hull City mittlerweile wert. Ein Betrag, der sich zum Großteil aus den immensen Fernsehgeldern zusammensetzt. Und die wurden auch vor dieser Saison fleißig auf den Markt getragen.

Weil nur der Verbleib im Oberhaus den Platz an der Sonne sichert, sind die Vereine auch in diesem Jahr finanziell an ihre Schmerzgrenze gegangen. 426 Millionen Euro haben die 20 Premier League Vereine insgesamt in neue Spieler investiert und damit ein Gesamtdefizit von 176 Millionen Euro produziert. Vor allem Aston Villa ( minus 37 Millionen), Tottenham Hotspur ( minus 35 Millionen) und Manchester City ( minus 26 Millionen) scheinen nach Jahren der Enthaltsamkeit nun mit Macht in die Champions League zu drängen.

Trotz der Großinvestitionen fast aller Vereine gilt es für die Spielzeit 2008/2009 aber als unwahrscheinlich, dass die Phalanx der "Top Four", Manchester, Chelsea, Arsenal und Liverpool, von einem anderen Klub durchbrochen werden kann. Allerdings spricht man in England schon jetzt von den "Big Two Plus Two". Manchester United und der FC Chelsea werden, so die einhellige Meinung der Experten, auch in dieser Saison den Titel unter sich ausmachen. Arsenal London hat mit Jens Lehmann (VfB Stuttgart), Alexandr Hleb (FC Barcelona) und Mathieu Flamini (AC Mailand) drei erfahrene Spieler verloren. Arsène Wenger steuert nun mit seiner Mannschaft auf ein Durchschnittsalter von 20 zu. Was bedeutet, dass sich vor allem in der zweiten Hälfte der Saison auf ein Neues die fehlende Erfahrung bemerkbar machen wird.

Etwas näher ist der FC Liverpool ans Spitzenduo herangerückt. Im letzten Jahr, so Trainer Rafael Benitez, sei die Mannschaft zu stark von Stürmer Fernando Torres abhängig gewesen. Mit Robbie Keane hätte man ihm nun einen kongenialen Partner an die Seite gestellt. Der Wechsel des Iren für umgerechnet 26 Millionen Euro ist auch der teuerste Einkauf der Premier League. Noch. Denn sowohl United, als auch Chelsea haben den Transfermarkt in den letzten Tagen noch einmal ordentlich in Bewegung gebracht. Ganz oben auf der Liste von Manchester: Dimitar Berbatow. Aus London hatte man zuletzt vernommen, dass Tottenham Hotspur seinen Top-Stürmer lieber "in der Reserve verrotten" lassen wolle, als ihn für weniger als die geforderten 38 Millionen zu verkaufen. Doch nun hat der russische Euro-Held Roman Pawljutschenkow seinen Wechsel zu den "Spurs" bekannt gegeben - und so mit hoher Wahrscheinlichkeit den teuersten Transfer innerhalb Europas ermöglicht.

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