Auftritt von Pele und Claudia Schiffer
Klein aber fein: Die WM-Eröffnungsfeier in München

Der Auftakt der Xviii. Fußball-Weltmeisterschaft wird sich nach Absage der WM-Gala in Berlin eher bescheiden gestalten. Nach knapp 30 Minuten Eröffnungszeremonie fällt dann der langersehnte Startschuss zum ersten Spiel.

Der Auftakt zum größten Einzelsportereignis der Welt, der Xviii. Fußball-Weltmeisterschaft, wird heute in München in einem bescheidenden Rahmen zelebriert. Insgesamt nur 30 Minuten dauert die Eröffnung während der Showteil nur 18 Minuten beansprucht. Dann gibt im offiziellen Teil Bundespräsident Horst Köhler den Startschuss, ehe zum Abschluss Herbert Grönemeyer die Fifa-Hymne "Celebrate the day" interpretieren wird.

Ganz am Anfang der Planungen war von einer von den Spielen unabhängigen Auftakt-Gala ausgegangen worden, ähnlich einer Eröffnungsfeier bei Olympischen Spielen. Diese Großveranstaltung sollte eigentlich am 7. Juni im Berliner Olympiastadion stattfinden, wurde aber Anfang des Jahres vom Weltverband Fifa ersatzlos gestrichen. Begründung: Der Rasen in der Hauptstadt-Arena, wo am 9. Juli auch das Endspiel stattfindet, hätte zu sehr leiden können. Das akribisch auf die Beine gestellte Konzept von Andre Heller, künstlerischer Leiter des WM-Kulturprogrammes, war von einem zum anderen Tag nur noch Makulatur.

Cocktail-Empfang statt Gala-Diner

Einige wenige Teile des Heller´schen Programms fließen zwar heute mit ein, aber die offizielle Eröffnungsfeier hat wenig gemein mit der einst vom deutschen WM-OK geplanten Veranstaltung im großen Stil. Das Showprogramm vor dem Eröffnungsspiel Deutschland - Costa Rica in der Münchner WM-Arena gleicht mehr einem Cocktail-Empfang als einem Gala-Diner.

Heller hat die Verantwortung für die Inszenierung dem deutschen Theaterregisseur Christian Stückl übertragen. Der erläuterte vor der Presse seine Grundidee: Ausgehend von Bayern (Lederhosen, Schuhplattler) über Deutschland (Hip Hop von einer Berliner Gruppe) hinaus in die Welt (verschiedene Tanzformationen von Frauengruppen). Etwa 1 400 Personen wirken an dem Spektakel mit. Um 16.20 Uhr geht es los, gegen 16.50 Uhr wird schon wieder alles vorüber sein.

Pele und Claudia Schiffer tragen den WM-Pokal ins Stadion

Bundespräsident Köhler wird die Xviii. Weltmeisterschaft, die zweite nach 1974 auf deutschem Boden, dann offiziell eröffnen. Fifa-Präsident Joseph S. Blatter und WM-OK-Chef Franz Beckenbauer bleiben dagegen stumm im Hintergrund. Zuvor werden Brasiliens Fußball-Ikone Pele und Supermodel Claudia Schiffer die WM-Trophäe ins Stadion tragen.

Außerdem präsentieren sich als Weltpremiere bei einer WM-Endrunde 170 Weltmeister den 59 416 Fans in der ausverkauften Münchner WM-Arena und dem zu erwartenden Mrd.-Publikum weltweit an den Fernsehschirmen. Neben Pele und Argentiniens "enfant terrible" Diego Maradona werden auch alle 22 deutschen Weltmeister von 1974 unter Führung von "Kaiser" Franz Beckenbauer zugegen sein; erstmals überhaupt seit dem WM-Triumph vor 32 Jahren in München sind sie wieder komplett beisammen.

Von den 90er-Weltmeistern fehlt nur Thomas Häßler. Aus der Weltmeister-Truppe von 1954, die Ungarn in Berlin 3:2 niederkämpfte, werden Ottmar Walter und Horst Eckel erscheinen, der Kölner Hans Schäfer aber fehlen. Dafür kommen allerdings weitere Spieler aus dem damaligen WM-Kader von Sepp Herberger.

Fußball statt langweiliger Reden

Sie alle erleben eine im Vergleich zu anderen Veranstaltungen im Vorfeld der WM 2006 kleine Eröffnungszeremonie, ohne viel Brimborium. "Die Leute wollen keine Rede hören, sondern Fußball sehen", sagte Fifa-Boss Joseph S. Blatter. Stückl muss somit versuchen, das Beste daraus zu machen. Die Frage, ob er sich gegenüber der ursprünglichen Planung zurückgesetzt fühle, verneinte der gebürtige Oberammergauer: "Es ist das erste Mal, dass ich solch ein Projekt durchführe; da reichen 30 Minuten."

Stückl appellierte, "seine" Eröffnungsfeier nicht mit der von Olympischen Spielen zu vergleichen: "Wir müssen bei Tageslicht arbeiten, müssen also auf Licht- und Feuerwerkseffekte verzichten. Wir haben die Athleten nicht. Und wir müssen darauf Rücksicht nehmen, das gleich nach unserem Auftritt ein Wettbewerb beginnt."

Insgesamt stand die Arena den Künstlern nur siebeneinhalb Stunden für Proben zur Verfügung. Wenn die Veranstaltung beendet ist, muss der Rasen von allen Gerätschaften in zehn Minuten befreit sein. Ab 17.00 Uhr können sich die Mannschaften warm machen. Wolfgang Niersbach, Vize-Präsident des deutschen Organisationskomitees: "Wir haben immer darauf bestanden, dass der Fußball Priorität hat. Das war die Grundvoraussetzung Nummer eins."

Im Nachhinein erweist sich übrigens die Absage der WM-Gala in Berlin als weitsichtige Entscheidung. "Angesichts der Regenmengen, die zuletzt niedergegangen sind, hätte es für den Rasen im Olympiastadion wirklich große Probleme geben können", erläuterte Niersbach.

© SID

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