Ausnahmezustand in Stuttgart
Begeisterter Empfang vor „kleinem Finale“

Mehr als 6 000 Fans haben die Fußball-Nationalelf am Freitagabend in Stuttgart empfangen. "Das ist ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer", sagte Polizeisprecher Olef Petersen. Unterdessen räumt Portugals Trainer Motivationsprobleme ein.

HB STUTTGART. Schon auf dem Flughafen hatten am Freitagabend rund 1000 schwarz-rot-goldene Anhänger auf das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann gewartet. Die Fahrt in die Innenstadt, wo die Mannschaft vor dem WM-Spiel um Platz drei im Hotel Steigenberger Quartier bezog, wurde schon zu einem kleinen Triumphzug. Am Straßenrand, auf Brücken und Plätzen jubelten die Fans mit Fahnen, Transparenten und Sprechchören DFB-Kapitän Michael Ballack & Co. zu. "Wir sind von den Ereignissen völlig überrascht worden", erklärte DFB-Mediendirektor Harald Stenger am Abend der dpa.

In der Heimatstadt von Bundestrainer Klinsmann trifft die DFB-Elf am (morgigen) Samstag (21.00 Uhr) gegen Portugal im "kleinen Finale" an. Die Mannschaft ist mit allen 23 Spielern in Stuttgart eingetroffen, auch die verletzten Ballack, Per Mertesacker und Arne Friedrich sind dabei. Mertesacker war direkt aus München, wo er sich einer Fersen-Operation unterziehen lassen musste, nach Stuttgart gereist und nahm mit Krücken schon am Abendessen teil. Alle drei Spieler und wohl auch der Bremer Tim Borowski, der wegen einer Schleimbeutelentzündung im Fuß das Abschlusstraining abbrechen musste, fallen für die Partie gegen die Portugiesen, die im Halbfinale Frankreich mit 0:1 unterlegen waren, aus.

Die Spieler wollten nach Ankunft im Mannschafts-Quartier für die Fans Autogramme schreiben, mussten aus Sicherheitsgründen von der Aktion aber Abstand nehmen, teilte der DFB mit. Vor dem Bahnhofsvorplatz sollen sich bis zu 5000 Menschen versammelt haben. Während die Portugiesen am Freitag wegen eines Gewitters mit zwei Stunden Verspätung in Stuttgart eingetroffen waren, kamen die Deutschen nahezu wie geplant an. Bereits am Nachmittag hatten sich Tausende von Fans in der Innenstadt gedrängt und fast für einen Ausnahmezustand gesorgt, um die deutschen Stars um Oliver Kahn zu begrüßen. Der Bayern-Torwart wird für Jens Lehmann im Tor stehen und auch wieder die Kapitänsbinde tragen.

Entscheidung in Stuttgart

Der portugiesische Trainer Luiz Felipe Scolari hat derweil Probleme eingeräumt, seine Mannschaft für das Spiel um Platz drei gegen Deutschland zu motivieren. "Man denkt mehr daran, was man verloren hat, als an das, was man noch gewinnen kann", erklärte der Brasilianer am Freitag mit Blick auf das "kleine Finale" in Stuttgart. Vom wirtschaftlichen Standpunkt her sei ein Spiel um Rang drei zwar sinnvoll. "Für alle - ob Trainer oder Spieler - ist es eher eine Sache der Trauer denn eine des Glücks, an dem Spiel teilzunehmen."

Er vertraue aber darauf, dass seine Spieler den selben Mannschaftsgeist zeigten, der sie in fünf Spielen ohne Niederlagen - darunter waren die Überraschungserfolge gegen die favorisierten Niederländer und Engländer - ins Halbfinale gebracht habe. "Wenn das Spiel erst einmal los geht, wird es eine ganz normale Partie sein." Falls Portugal am (morgigen) Samstag gegen Deutschland verliere, dann wäre auch der vierte Platz noch eine tolle Leistung. Der bislang größte Erfolg des kleinen Landes bei einer WM war der dritte Platz 1966.

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