Ausstellung „Rundlederwelten“ bis Anfang Januar in Berlin
Der Kunstschuss

Rechtzeitig vor der Weltmeisterschaft 2006 entdecken Fußball und Kultur ihre Gemeinsamkeiten.

BERLIN. Selbst Bananenflanken kommen passgenau in diesen seltsamen Zeiten. Zwar gibt die Nationalmannschaft gerade mal wieder Rumpelfußball. Und Schiedsrichter stehen gemeinsam mit Rotlichtern wegen Bestechlichkeit vor Gericht. Doch Bayern schlägt (endlich) Juve. Und Berlin zelebriert jetzt die Ausstellung "Rundlederwelten".

Das ist Abtasten im Mittelfeld, in dem sich Künstler (bildend) und Künstler (kickend) beschnüffeln, bevor es 2006 richtig zur Sache geht.

Dorothea Strauss, die Kuratorin der Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau sieht viel Gemeinsames: "Den Fußballer und den Künstler verbindet der Spaß und die Lust am klugen Spiel", sagt sie. Diese Freude teilen Kneipenfußballer mit Pinselquälern.

Die Frage ist, was ihr Tun zur Kunst erhebt und wie ein bloßer Zeitvertreib zu jenem Ballgefühl wird, das wir Kultur nennen und Otto Rehakles die Summe allen Lebenssinns: "Das Runde muss ins Eckige."

Hier kommt die Sehnsucht nach Wohlstand und Bedeutsamkeit ins Spiel, die Flankengott und Leinwandpapst gleichermaßen auszeichnen. Wer will schon auf die Dauer mit dem Mopped auf?n Platz fahren oder seine Bilder in der Frittenbude präsentieren?

Hinzu kommt die ewige Lust, besser zu spielen als alle anderen, den tosenden Beifall des Publikums zu spüren und die rasende Anteilnahme der Medienmenschen. Endlich mehr scheinen als sein. Und dafür auch noch geliebt zu werden. "Dieser Beruf erlaubt mir", sagt der kluge Robert de Niro, "zeitweise ein ganz anderes Leben zu führen, ohne dessen Konsequenzen zu ziehen."

Die Wurzel des Künstlerischen, auch des Ballkünstlerischen, ist allemal die Hingabe, in einer fast alttestamentarischen Radikalität: "Du sollst keine anderen Götter neben mir haben." Was der englischen Fanweisheit gleichkommt wie eine Eins-zu-eins-Manndeckung: Football is life, the rest is just details - Fußball ist das Leben, der Rest sind nur Details.

Doch auch Skepsis schlägt dieser Auffassung entgegen, etwa beim Maler Markus Lüpertz: "Ich finde den Versuch, Sport und Kunst miteinander in Verbindung zu bringen, fast immer falsch. Ja, ich spiele gerne Fußball und war früher professioneller Ringkämpfer. Mit meiner Kunst oder meinen Ideen von Kunst hatte und hat das aber nichts zu tun. Selbst als ich einen Fußball gemalt habe."

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