Autokonzern greift beim VfL Wolfsburg durch
Fußball für neuen VW-Boss Winterkorn Chefsache

Volkswagen greift beim VfL Wolfsburg durch. Mit dem neuem Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn ist Fußball in Europas größtem Automobil-Konzern zur Chefsache geworden.

dpa WOLFSBURG. „Für das, was das Unternehmen in den Club steckt, kann es nicht das Ziel sein, dass man jedes Jahr gegen den Abstieg spielt“, sagte VW-Vorstandsmitglied Stephan Grühsem unmissverständlich. Erstes Opfer der veränderten Konzern-Politik dürfte Trainer Klaus Augenthaler werden. Namen wie Felix Magath und Volker Finke kursierten schon in Wolfsburg. Neuerdings wird Lothar Mattäus als Nachfolger gehandelt.

Die neue Linie wurde nach dem 2:2 in Aachen deutlich, als Winterkorn noch auf dem Rasen einer der ersten Gratulanten zur Rettung am vorletzten Spieltag war. Das besaß Symbolcharakter, denn eine solche Szene mit Winterkorns Vorgängern Bernd Pischetsrieder oder Ferdinand Piëch war undenkbar. Winterkorn ist Fußballfan und mag kein Mittelmaß. „Er bekennt sich zum VfL Wolfsburg, er lässt daran auch keine Zweifel“, erklärte Grühsem, der als enger Vertrauter des neuen Konzernbosses gilt. „Winterkorn lebt das mit, er fiebert mit und er hat sicherlich auch seine Vorstellungen.“

Der Club soll erneuert werden. „Wir hocken uns hin und analysieren die Lage“, kündigte Grühsam an. Er ist bei VW als Vorstandsmitglied für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich und sitzt im Aufsichtsrat des VfL. „Dann werden wir uns fragen, was müssen wir tun, damit wir tunlichst nicht mehr in solche Situationen wie letztes und dieses Jahr geraten.“ Dass Augenthaler keine Zukunft beim VfL hat, gilt in Wolfsburg als sicher.

Ob der Konzern seine Investitionen erhöht, ließ Grüsehm offen. „Es ist mit Sicherheit so gewesen, dass die Unterstützung des Werks für den Club in der Vergangenheit und in der Gegenwart immer ausreichend war, um sportlich in der 1. Liga eine gute Partie abzugeben“, sagte das VW-Vorstandsmitglied. „Damit hat das Unternehmen natürlich auch eine berechtigte Erwartung.“

VfL-Geschäftsführer Klaus Fuchs begrüßt den Wandel. „Das ist ein positives Signal“, sagte Fuchs, der seit anderthalb Jahren auch als Manager tätig ist und demnächst durch einen Sportdirektor entlastet werden soll. Vorher ist er aber für den Umbau des Teams zuständig. So wird Fuchs den ausgeliehenen Andres D'Alessandro wohl endgültig an Real Saragossa verkaufen, auch wenn der spanische Verein die Kaufoption für geschätzte fünf Mill. Euro verstreichen ließ.

„Wir sind trotzdem in Gesprächen und relativ nah an einer Lösung“, sagte Fuchs. D'Alessandro kam 2003 nach Wolfsburg, war mit rund neun Mill. Euro der teuerste Transfer der Clubgeschichte und galt als Symbol für den Plan, bis 2007 in der Champions League zu spielen. Dieser erste Anlauf scheiterte kläglich, nun soll mit Winterkorn der nächste folgen.

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