Bärendienst
Kommentar: Nehmt die Wade vom Platz

Michael Ballack darf nicht spielen. Der Bundestrainer hat nach dem bizarren Verwirrspiel um die Wade des deutschen Nationalkapitäns eine klare Entscheidung getroffen. Zu Recht - weitere Konsequenzen sollte Jürgen Klinsmann nicht ausschließen.

Michael Ballack hat seiner Mannschaft einen Bärendienst erwiesen. Ausgerechnet über die "BILD"-Zeitung musste der Kapitän seinem Trainer mitteilen, das er fit für das Eröffnungsspiel sei. Da stellen sich einem schon die Nackenhaare auf. Einquartiert in einem der luxuriösesten Berliner Hotels müssen sich die Mitglieder der Nationalmannschaft über die Medien mit einander unterhalten. Verstehe wer das will. Offenbar ist es nicht möglich, zur nächsten Türe zu gehen, zu klopfen uns zu sagen, was man eigentlich will.

Eins kann da auf jeden Fall nicht stimmen. Die Kommunikation in der Klinsmann-Truppe. Vielleicht sollte der Schwabe aus Kalifornien noch schnell einen zweiten Psychologen einfliegen lassen. Oder was vielleicht noch besser wäre, mal überlegen, ob der richtige Mann die Truppe auf dem Feld führt. Ballack sollte eigentlich Vorbild sein, die Jungen in der Mannschaft führen und mit dem Trainer Geschlossenheit ausstrahlen. Das einzige Pfund mit dem diese Mannschaft wuchern kann.

Nein, Ballacks Wade beherrschte tagelang die Schlagzeilen und beunruhigt die Mannschaft. Dann das Nachtreten über die Zeitung. Klinsmann hat richtig gehandelt, als er die Wade vom Platz nahm.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros
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