Ballack ist der unumstrittene Chef im Team von Jürgen Klinsmann.
Grätschen und Treffen: Michael Ballack in Weltklasse-Form

Die Klasse von Michael Ballack zeigte sich am Samstag vor allem, als es eng wurde. Mit neuem Selbstbewusstsein mutiert der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft allmählich vom Leitwolf zum Platzlöwen. Das war bisher der Job von Oliver Kahn.

HB KÖLN. Als er seinen achten Elfmeter für Deutschland mit erstaunlicher Wucht mitten im Tor versenkt hatte, explodierte der Kapitän auch beim Jubeln. Sekunden lang schrie Michael Ballack Freude und Erleichterung gleichermaßen stark heraus, als habe er sein Team bereits ins WM-Finale 2006 gebracht. "In den ersten beiden Spielen hat man von uns erwartet, dass wir sie gewinnen. Das baut natürlich Druck auf. Man darf nicht vergessen, dass wir viele junge Spieler in unserer Mannschaft haben", erklärte der unumstrittene Chef den Gefühlsausbruch nach seinem Tor gegen Tunesien.

Ballack belohnte sich aber auch selbst für 90 Minuten Grätschen und Kämpfen. Denn nach der massiven Kritik am Defensiv-Verhalten der Mannschaft zum Confed-Auftakt gegen Australien beteiligte sich der Kapitän noch intensiver am Tore verhindern. Was ihm einen besonderen Dank von Bundestrainer Jürgen Klinsmann und der Lehrlings-Abwehr einbrachte. "Dass Ballack etwas zurückgezogen gespielt hat, hat uns natürlich geholfen", betonte der 20-jährige Per Mertesacker, der zusammen mit dem gleichaltrigen Robert Huth in der zentralen Verteidigung die Null beim 3:0 gegen den Afrika-Meister sicherte.

Der 28-jährige Ballack eröffnete zudem noch die Tore-Jagd. Den Elfmeter holte er mit all' seiner Erfahrung selbst heraus - und stellte sich wie schon gegen die Australier der Verantwortung vom Punkt. "In der zweiten Halbzeit sind wir dann aggressiver geworden, haben mehr riskiert und auf Chancen gewartet. Ab und zu muss man auch warten können. Dafür sind wir belohnt worden", kommentierte der Münchner den Spielverlauf gegen die Tunesier, den er maßgeblich mit beeinflusste. "Nach dem Elfmeter von Michael hatten wir das Gefühl, wir haben sie im Griff", betonte Klinsmann.

Dass Ballack dieses Mal vom Elfmeterpunkt die Variante "scharf in die Mitte des Tores" wählte, nachdem er noch gegen Australien die Reaktion des Keepers abgewartet hatte, darf durchaus als Sinnbild für Entschlossenheit gewertet werden. Auch wenn er selbst erklärte: "Das habe ich kurzfristig entschieden. Man guckt sich den Torwart an und entscheidet aus dem Bauch heraus, wie ich einen Elfmeter schieße." Ballack wollte die Entscheidung erzwingen - und er erzwang sie. "Ich hoffe natürlich, dass wir uns im nächsten Spiel noch steigern können", sagte der Anführer und richtete sofort den Blick auf das Gruppen-Endspiel gegen Argentinien. Ballack, der mit seiner Energie und seinen Toren das DFB-Team schon bis ins WM-Endspiel von Yokohama 2002 gebracht hatte, wegen Gelbsperre aber damals im Finale gegen Brasilien nicht mitspielen durfte, will endlich mit einem Sieg gegen einen Großen des Weltfußballs auch einen Makel seiner Karriere abstreifen.

Wie sehr er dabei schon jetzt auf die WM fixiert ist, verriet eine kleine Aktion am Rande. Als er die Medaille für den "Spieler des Tages" umgestreift bekam, nahm er sie schnell wieder ab. WM-Gold 2006 ist seine Sehnsucht: "Wenn die richtige Medaille kommt, lasse ich sie auch um."

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