Ballack übernimmt Chefrolle beim FC Chelsea
Tor als Befreiungsschlag

HB LONDON. Für Michael Ballack war der Champions-League-Sieg gegen Werder Bremen der erhoffte Durchbruch beim FC Chelsea. Am Dienstagabend, um 21.08 Uhr Ortszeit, übernahm der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft die Chefrolle im millionenschweren Londoner Starensemble. Entschlossen verwandelte er einen Foulelfmeter, schoss das Leder mit voller Wucht zum 2:0- Endstand unter die Latte. Einen „Mercedes Elfer“ nannte das am Mittwoch bewundernd die Boulevardzeitung „The Sun“. Soll heißen: präzise und zuverlässig. Made in Germany.

Es war mehr als nur Ballacks erstes Tor für Englands Fußball- Meister. Es war der Befreiungsschlag für den 29-Jährigen, der bereits nach sechs Wochen auch von den prominenten Mitspielern als Chef auf dem Platz anerkannt wird. „Für mich läuft's ganz gut“, meinte er nach dem Spiel zufrieden. „Ich fühle mich wohl hier.“ Von Beginn an hatte Ballack keine Zweifel daran gelassen, es allen zeigen zu wollen. Lautstark dirigierte er seine Nebenmänner Frank Lampard, Claude Makele und Michael Essien, zeigte Andrej Schewtschenko und Didier Drogba, wie sie laufen sollten, um von ihm angespielt zu werden.

Sogar der Bremer Torsten Frings, eigentlich Ballacks Freund, bekam den Ehrgeiz seines Nationalmannschaftskollegen früh zu spüren, als dieser ihn mit gestrecktem Bein attackierte (8.). Ballack hatte in den vergangenen Tagen erkannt, dass der Zeitpunkt günstig war, im Mittelfeld des FC Chelsea das Zepter zu übernehmen. Mittelfeld-Star Lampard sucht seine Form, vergab zuletzt drei von vier Elfmetern. Wenige Stunden vor dem Spiel suchte Ballack das Gespräch mit dem englischen Nationalspieler und Trainer José Mourinho. Er machte klar, dass er bei einem Strafstoß die Verantwortung übernehmen wollte. „Das war für Frank kein Problem“, sagte Ballack.

Doch der Deutsche verwandelte nicht irgendwie aus elf Metern. „Wenn der Torwart den Ball berührt hätte, hätte er sich wohl den Arm gebrochen“, meinte Chelseas früherer Publikumsliebling Jimmy Floyd Hasselbaink, der als Fernsehkommentator im Stadion an der Stamford Bridge war. Der „Mirror“ titelte in deutscher Sprache: „Auf Wiedersehen. Punkt“. Um dauerhaft anerkannt zu werden, muss Ballack jedoch eine alte Schwäche abstellen: „Er ging mit zwei peinlichen Schwalben zu Boden“, kritisierte der „Daily Star“. So wie Ballack täglich mit einem Privatlehrer Englisch paukt, wird er sicher auch daran arbeiten.

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