Barca plant US-Engagement
Spaniens Fußballklubs entdecken Amerika

Internationale Vereinskooperationen liegen beim Fußball im Trend. Zunehmend gerät dabei der US-Markt in den Fokus. Vor allem die spanischen Traditionsclubs wollen expandieren - und entdecken die Vereinigten Staaten als neues Spielfeld.

DÜSSELDORF. Dieser Zeitungsbericht traf die Fans von 1860 München ins Mark: Real Madrid wolle den bayerischen Traditionsklub übernehmen, schrieb die "Bild"-Zeitung. Vielversprechende Talente sollten in der Bundesliga Spielpraxis sammeln für den Titelkampf in der Primera División. Doch die Gespräche verliefen im Sande, und die Madrilenen beerdigten das Thema Auslandsexpansion bis auf Weiteres.

Das war im Jahr 2002. Was der spanische Rekordmeister damals nicht schaffte, das will nun sein katalanischer Widersacher FC Barcelona hinbekommen. Der Klub möchte ins Ausland expandieren, allerdings nicht nach Deutschland. Er streckt seine Fühler nach den US-Fußballklubs aus - ein wachsender Markt mit vielen spanischsprachigen Fußballfans.

Zwar scheiterte der erste Vorstoß Barcelonas, einen Tochterverein in der nordamerikanischen Major League Soccer (MLS) spielen zu lassen - geplant war ein Engagement in Miami. Der Deal platzte Ende Februar, weil MLS-Chef Don Garber das Experiment scheute - und keine Liga-Lizenz an die Stadt im US-Bundesstaat Florida vergeben wollte. "Wir sind sicher, dass Miami einen Markt für Fußball bietet, aber wir sind nicht sicher, dass jetzt der richtige Moment ist. Ich denke, wenn unsere Liga eines Tages als Liga aller Fußball-Fans in Amerika etabliert ist, wird auch Miami zu unser Familie gehören", sagte Garber.

Barca-Präsident Joan Laporta hat sich davon nicht abschrecken lassen. Ende Februar soll er in Philadelphia die Baustelle eines Stadions besucht haben, in dem bald ein neu gegründeter Verein mit MLS-Lizenz auflaufen wird. Barcelona will das geplante Engagement in der US-Stadt zwar nicht bestätigen, grundsätzlich sei der Verein aber interessiert: "Wir wollen auf dem amerikanischen Markt expandieren - und halten uns alle Optionen offen", sagte ein Sprecher.

Internationale Vereinskooperationen liegen beim Fußball im Trend

Auch Philadelphia ist nicht abgeneigt: Nach Angaben von Geschäftsführer Nick Sakiewicz sucht der neue Verein nach "strategischen Partnern" - sprich Geldgebern für den Spielbetrieb. Der Klub besteht erst seit 2008. In der Saison 2010 kicken die Spieler erstmals im regulären Ligabetrieb, und zwar im neu gebauten Chester Stadium, das 18 500 Zuschauern Platz bieten soll. Derzeit suchen die Gründer einen Namen für den Verein: Im Gespräch sind AC Philadelphia, SC Philadelphia, Philadelphia Union und Philadelphia City.

Internationale Vereinskooperationen, wie sie der FC Barcelona anstrebt, liegen beim Fußball im Trend. Zunehmend gerät dabei der US-Markt in den Fokus. So schickte Ajax Amsterdam, das seit über zehn Jahren mit Ajax Capetown einen "Satellitenklub" in Kapstadt betreibt, 2002 den US-Ableger Ajax Orlando in die Nachwuchs-Liga PDL. Der mexikanische Klub Chivas de Guadalajara hat vor vier Jahren einen Tochterverein in Los Angeles angesiedelt. In ihrer dritten Saison schafften es die Chivas USA bereits bis ins Halbfinale der MLS-Playoffs.

Deutsche Vereine jedoch halten sich bei der Auslandsexpansion zurück. Wohl auch, weil die eigenen Amateurmannschaften hierzulande für die Rekrutierung der Nachwuchsspieler sorgen. Der FC Bayern allerdings pflegt eine lose Partnerschaft mit den Urawa Red Diamonds aus der japanischen J-League. Zuletzt wurde dort mit Volker Finke bereits der sechste Trainer aus Deutschland angestellt - nicht zuletzt dank einer Empfehlung der Bayern.

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