Barcelona feiert
Lehmann als „menschliche Mauer“

dpa TURIN/BARCELONA. Jens Lehmann erneut ohne Fehl und Tadel, dazu seit 749 Minuten ohne Champions-League-Gegentor: Mit einer Abwehr so sicher wie die Bank von England will der FC Arsenal im europäischen Club-Fußball endlich zum ganz großen Wurf ausholen.

„Der Champions-League-Sieg wäre ein Meilenstein für den Club, weil dieser den Titel noch nie geholt hat“, sagte der deutsche Nationaltorwart, der für seine Leistung bei Juventus Turin von den mitgereisten Fans mit Sprechchören gefeiert wurde. Mit dem 0:0 im Stadio delle Alpi erreichten die Londoner erstmals die Runde der letzten Vier. Dies sei vor allem ein Verdienst von Lehmann, der sich als „menschliche Mauer“ erwiesen habe, schrieb der „Daily Telegraph“.

Als nächstes soll die Überraschungsmannschaft des FC Villarreal die Stärke des FC Arsenal zu spüren bekommen. „Ich habe früher mit Schalke 04 auch gegen so genannte Underdogs gespielt und neige nicht dazu, den Gegner zu unterschätzen. Sie sind in ihrem engen Stadion schon gefährlich“, warnte Lehmann. Er sagte aber auch: „Die Halbfinal-Teilnahme bedeutet uns unheimlich viel. Wir haben lange darauf gewartet und auch das fußballerische Potenzial dafür.“ Das zweite Vorschlussrundenduell bestreiten der AC Mailand und der FC Barcelona. Die Katalanen wahrten mit dem 2:0 gegen Benfica Lissabon die Chance auf ihren ersten europäischen Titel seit neun Jahren.

„Ich bin wirklich stolz. Aber ich bin ein Siegertyp und deshalb reicht mir das noch nicht. Lasst uns die Serie fortsetzen“, forderte Arsenal-Torjäger Thierry Henry seine Teamkollegen auf. Auf Europas Fußball-Feldern war zuletzt aber vor allem die Abwehr das Prunkstück des Teams. Mit dem achten Spiel nacheinander ohne Gegentor steigerte Arsenal die bisherige Bestmarke von Ajax Amsterdam mit 667 Minuten aus der Saison 1995/96 noch einmal deutlich.

Italiens Presse ließ kein gutes Haar an seinem sonstigen Fußball-Aushängeschild. „Ein Geister-Juve fliegt raus“, kommentierte das Blatt „La Stampa“ den ruhmlosen Abschied des designierten Meisters, der während der ernüchternden 90 Minuten von den eigenen Fans mit Pfiffen und Sprechchören verhöhnt worden war. „Schämt euch“ oder „Geht mal arbeiten“ war von den Rängen zu vernehmen. Torhüter Gianluigi Buffon beschwerte sich hinterher bitter über die Häme: „Wir verdienen Respekt. Das war keine Pleite.“ Spott für die „alte Dame“ gab es indes auch von der Insel. „Juve ist ausgeschieden wie ein buckliger alter Mann“, bemerkte „The Independent“ bissig.

Der haushohe Favorit Barcelona musste gegen Lissabon mehr zittern als ihm lieb war. Nach dem von Ronaldinho verschossenen Handelfmeter wurden bei den Fans bange Erinnerungen an die vergebenen Chancen beim 0:0 im Hinspiel wach. Der Weltfußballer der Jahre 2004 und 2005 nahm sich den vergebenen Strafstoß zu Herzen und fand nicht mehr richtig ins Spiel. Dass der Brasilianer dennoch das 1:0 erzielte, hatte er Samuel Eto'o zu verdanken, der ihm den Ball maßgerecht servierte.

Der Kameruner, sonst Vollstrecker vom Dienst, schlüpfte in die Rolle von Ronaldinho, wich auf die Flügel aus und arbeitete für seine Mitspieler Chancen heraus. „'Etodinho' nahm das Spiel in die Hand und führte Barça ins Halbfinale“, würdigte das Sportblatt „Marca“ die Leistung Eto'os. Trotz der Führung legten die Katalanen die Angst vor einem Gegentor nicht ab. Erst das 2:0 durch Eto'o (89.) ließ die 90 000 Zuschauer im Camp-Nou-Stadion erleichtert aufatmen.

„Barça triumphiert am Rande des Nervenzusammenbruchs“, beschrieb das Fachblatt „Sport“ den Balanceakt zwischen Hoffen und Bangen. Mit Barcelona und Villarreal ist der spanische Fußball zum ersten Mal seit 2002 wieder mit zwei Clubs im Halbfinale vertreten.

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