Barcelona schlägt auch Mailand: Der bayerische Auftrag: Barcas Dominanz beenden

Barcelona schlägt auch Mailand
Der bayerische Auftrag: Barcas Dominanz beenden

130 Minuten lang hatte Mailand den FC Barcelona am Rande des Ausscheidens aus der Champions League. Dass es am Ende doch reichte, ist auch ein Signal nach München: Stoppen kann die Katalanen nur der Endspiel-Gastgeber.
  • 0

BarcelonaIm Grunde genommen war das Unternehmen aussichtslos – sowohl auf den Rängen als auf dem Platz. Genauso wie jeder der zahlreichen Anfeuerungsversuche der etwa 4000 Fans des AC Mailand hoch oben aus der dritten Etage des Camp Nou von der rund zwanzigfachen Menge an katalanischen Zuschauern gnadenlos niedergepfiffen wurde, gelang auch der Versuch der elf Gästespieler auf dem Rasen nicht, den übermächtigen Katalanen ein Bein zu stellen.

Dabei machten die „Rossoneri“, die Rot-Schwarzen, nach dem 0:0 im Hinspiel auch in Barcelona viel richtig, standen zumindest 40 Minuten lang kompakt in der Abwehr und brachten die Gastgeber durch schnelle Gegenangriffe einige Male in Verlegenheit.

So wurde der frühe Rückstand durch einen Strafstoß von – natürlich – Lionel Messi, den Philippe Mexès mit einem katastrophalen Ballverlust einleitete, sogar noch ausgeglichen. Zlatan Ibrahimovic, in Barcelona vor einigen Jahren ohne großen Wehmut abgegeben, weil seine Spielweise nicht so richtig in dieses katalanische Uhrwerk integriert werden konnte, nutzte einen der so überaus seltenen Stellungsfehler zu einem Pass auf Antonio Nocerino – 1:1, Barca war zumindest virtuell raus.

Nervös waren die Gastgeber dagegen ziemlich real, wofür sie zwei signifikante Belege lieferten: Zunächst eine zudem noch ziemlich grauenvolle Flanke von Dani Alves – das kommt in diesem auf Kurzpässe geeichten System, in dem selbst Ecken lange fast nur flach gespielt wurden, sonst eigentlich nicht vor. Und nur Sekunden später ein Fehlpass von Xavi – ein Moment, von dem lebenslange Dauerkarteninhaber im Camp Nou wahrscheinlich noch ihren Enkeln erzählen werden.

Dass es am Ende durch den zweiten Strafstoß Lionel Messis kurz vor und einen Treffer von Andres Iniesta kurz nach der Halbzeit doch noch zum fünften Champions-League-Halbfinaleinzug in Folge reichte, kommt weder überraschend noch unverdient. Es ist schließlich immer noch Barca, diese aktuell einzigartige Mischung aus filigranem Genialismus und maschinengleicher Präzision. Ein Team, bei dem Bälle manchmal noch drei Meter vor dem leeren Tor quergelegt werden und gegen das ein Gegner wie der AC Mailand nach 27 Minuten und einem 0:1-Rückstand bei eigenem Abstoß auf Zeit spielt, um die theoretische Chance auf ein Weiterkommen möglichst lange zu wahren.

Wer soll diese Übermannschaft schlagen? Wie es gehen könnte, haben die Italiener bei all ihren Fehlern zumindest angedeutet: Ein schnelles Spiel nach vorne mit möglichst präzisen und überraschenden Seitenwechseln sowie eine gnadenlose Effizienz vor dem Tor. Bei gegnerischem Ballbesitz versuchten Ibrahimovic und Sturmkollege Robinho bereits an der Mittellinie alle Pässe nach Außen zu verhindern, dahinter stellten die verbliebenen acht Feldspieler den Raum zentral vor dem eigenen Strafraum zu.

So gut das in der Therorie klingt, sind im Team von Trainer Pep Guardiola aber selbst die Innenverteidiger Gerard Piqué und Javier Mascherano ball- und passsicherer als die Spielmacher fast aller anderen Klubs weltweit und können auch eine solche Enge problemlos lösen – vom Mittelfeld um Xavi und Iniesta völlig abgesehen. Dazu kommt das schnelle Umschalten der Katalenen bei einem Ballgewinn. Um gegen Barcelona effektiv zu verteidigen, dürften wahrscheinlich nur vier gegnerische Spieler gleichzeitig die Mittellinie überqueren.

Seite 1:

Der bayerische Auftrag: Barcas Dominanz beenden

Seite 2:

Sechs Gelbe Karten für Milan

Kommentare zu " Barcelona schlägt auch Mailand: Der bayerische Auftrag: Barcas Dominanz beenden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%