Bauskandal um Allianz-Arena
Alpine-Manager gestehen Schmiergeldzahlungen

Im zweiten Prozess um Schmiergeldzahlungen beim Bau der Münchner Allianz-Arena haben zwei Top-Manager des Baukonzerns Alpine entsprechende Zahlungen zugegeben.

HB MÜNCHEN. „Ich bedaure mein Fehlverhalten“, erklärte der Chef der Holding-Gesellschaft des österreichischen Bauunternehmens, Dietmar Aluta-Oltyan, am Montag vor dem Münchner Landgericht über seinen Anwalt. Die Vorwürfe in der Anklageschrift seien korrekt. Er sei bereit, die Konsequenzen zu tragen. Ähnlich äußerte sich der Anwalt des zweiten Angeklagten und Alpine-Managers Willy Hans Böck. Die Vorsitzende Richterin Huberta Knöringer stellte den beiden Managern daraufhin zu Prozessbeginn Bewährungsstrafen in Aussicht. Sie sollten bei Aluta-Oltyan nicht mehr als zwei und bei Böck nicht mehr als ein Jahr betragen, sagte Knöringer. „Beide hätten für den Fall aber mit hohen Auflagen zu rechnen“, fügte sie hinzu. Staatsanwaltschaft und Verteidiger hielten eine Urteilsverkündung noch am Montag für möglich.

Die beiden Angeklagten sind in Zusammenhang mit dem Bauauftrag für die Allianz-Arena der Beihilfe zur Untreue sowie der Bestechung angeklagt. Sie sollen dem ehemaligen Chef der Stadion-Gesellschaft, Karl-Heinz Wildmoser, über dessen Jugendfreund Stefan Dung insgesamt Schmiergelder von 2,8 Mill. Euro für Insiderinformationen und Lobbyarbeit bei der Auftragsvergabe gezahlt haben.

Wildmoser, der Sohn des gleichnamigen früheren Präsidenten des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München, wurde bereits im Mai 2005 - rund zwei Wochen vor der Einweihung des rund 300 Mill. Euro teuren „Allianz-Arena“ - wegen Bestechlichkeit und Untreue zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Sowohl Wildmoser als auch die Staatsanwaltschaft haben Revision eingelegt. Wildmoser, der 14 Monate in Untersuchungshaft gesessen hatte, ist gegen Kaution auf freiem Fuß. Für den Prozess gegen die Alpine-Manager machte er von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch und erschien nicht vor Gericht. Die Geständnisse von Aluta-Oltyan und Böck hätten keine Auswirkungen auf das Revisionsverfahren im Fall Wildmoser, sagte Staatsanwalt Gerhard Köstler. „Der BGH wird unabhängig davon urteilen.“

In Zusammenhang mit dem Bau des neuen Münchner Fußballstadions stehen zudem noch zwei Zivilverfahren an. Die Fußballvereine und Bauherren TSV 1860 München und FC Bayern München fordern von Wildmoser Schadenersatz. Zudem reichte die Alpine gegen die Stadionbetreiber Klage wegen außenstehender Zahlungen ein. Anfang Juni soll in der „Allianz-Arena“ das Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft ausgetragen werden.

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