Bayern-Krise
Flieht Guardiola aus München nach England?

Das vierte sieglose Spiel in Folge – der FC Bayern München wankt. Die Stimmung ist vor dem Champions-League-Rückspiel gegen Barcelona auf dem Tiefpunkt. Und ausgerechnet jetzt gibt es Wechselgerüchte um den Trainerstar.
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Kürzlich spottete der exzentrische Portugiese José Mourinho über die Bundesliga. „Ich hätte intelligent sein und mich für eine einfachere Liga entscheiden können, wie einige Kollegen es getan haben. Länder, wo es einfacher ist, Meister zu werden und wo sogar der Zeugwart den Titel gewinnt.“ Klar, wem dieser Seitenhieb galt: Mourinhos großem Erzrivalen Pep Guardiola.

In Spanien waren die beiden – der eine Trainer von Real Madrid, der andere beim FC Barcelona – regelmäßig aneinander geraten. Mittlerweile arbeitet Mourinho wieder beim FC Chelsea in London und spottet über Bayern-Trainer Guardiola. Möglicherweise messen sich beide bald wieder in einer Liga: Denn Gerüchten zufolge soll es den Katalanen schon diesen Sommer auf die Insel ziehen. Am Samstag berichtete jedenfalls der internationale TV-Sender beIN Sports, Guardiola habe einen Vorvertrag mit Manchester City unterschrieben.

Finanziell dürfte Manchester alle Ansprüche des Trainerstars problemlos erfüllen können. Dazu passt, dass Guardiola seinen bis 2016 laufenden Vertrag in München immer noch nicht verlängert hat. Was viele als Selbstläufer ansahen, ist angesichts der jüngsten Ereignisse längst nicht mehr selbstverständlich. Bayern begann in der Liga zu taumeln, seit die Meisterschaft rechnerisch nicht mehr verpasst werden kann. Es gab Ärger mit der medizinischen Abteilung, die in der Kündigung von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mündete.

Auch an den taktischen Entscheidungen Guardiolas wurde erstmals Kritik laut: Die Dreierkette bei der Auswärtsspielpleite in Barcelona und die Auswechslung der Identitätsfigur Thomas Müller sorgten für Unruhe im Klub. Der Glaube, im Champions-League-Rückspiel noch die Wende zu schaffen und die 0:3-Niederlage aus dem Hinspiel wettmachen zu können, ist gering.

Zumal es die komplette Endphase der Saison bereits hakt. 0:1 hieß es am Samstag im Heimspiel gegen Augsburg. Viermal nacheinander verloren (wie zuletzt 1991), sechs Stunden ohne Torerfolg – da fielen die Parolen für ein Fußball-Wunder im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Lionel Messi und Co. halbherzig aus. „Im Fußball passieren manchmal unglaubliche Dinge“, sagte Bastian Schweinsteiger zur Aufholjagd des 0:3. Ein bayerisches „Mia san mia“-Gesicht gelang dem Weltmeister dabei aber nicht.

Nach einer Saison mit womöglich nur einem Titel dürften die Diskussionen zunehmen, die Spekulationen um neue Spieler und um den Trainer auch. Guardiola nervt der Rechtfertigungsdruck, dem er sich wie nie zuvor in seiner Trainerlaufbahn ausgesetzt sieht. Die Fragen werden bohrender, nicht nur zu seiner Spielphilosophie. „Solange ich hier Trainer bin, will ich den Ball“, erklärte er dünnhäutig. Womöglich muss er sich in München nur noch wenige Wochen rechtfertigen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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