Bayern-Manager Hoeneß
„Wir müssen uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren“

Uli Hoeneß wird am Freitag nach 30 Jahren den Manager-Posten beim FC Bayern München abgeben. Er soll Franz Beckenbauer als Präsident des deutschen Rekordmeisters beerben. Im Interview spricht der 57-Jährige über Geschenke an Girondins Bordeaux, das Verhältnis zwischen Trainer Louis van Gaal und Angreifer Luca Toni sowie seine Zukunft.

Uli Hoeneß, Girondins Bordeaux hat mit dem Sieg über type= organisation value= IT0000336518 >Juventus Turin den FC Bayern im Champions-League-Rennen gehalten. Wird es ein kleines Dankeschön aus München geben, vielleicht ein paar Flaschen Wein?

Wein haben die selber genug. Wir müssen wahrscheinlich ein paar Bratwürste schicken. Wir haben ein ganz gutes Verhältnis zu Bordeaux und werden uns sicherlich mit einem Brief bedanken, dass sie uns im Rennen gehalten haben.

Franz Beckenbauer hat vor dem Spiel gesagt, er wolle sich erst gar nicht ausmalen, was passieren würde, wenn Turin in Bordeaux nicht gewinnt, aber der FC Bayern auch nicht gegen Haifa...

Das wäre der Super-GAU gewesen. Dann hätten wir mit dem Ofenrohr ins Gebirge geschaut. Aber jetzt haben wir das Endspiel am 8. Dezember in Turin.

Der FC Bayern muss gewinnen, wie sehen Sie die Chancen?

Ich finde es besser, wenn die Mannschaft von vorne herein weiß, dass sie gewinnen muss. Wir haben mindestens eine 50:50-Chance. Für uns gibt es nur eine Richtung: das Tor der Turiner.

Wie haben Sie die Leistung gegen Haifa gesehen?

Man merkt, dass die Mannschaft immer noch nicht so selbstbewusst aufspielt wie das sein sollte. Was wir brauchten, war ein Erfolgserlebnis - das haben wir nun mit dem Sieg und mit der Chance, es in der Champions League doch noch schaffen zu können. Das wird mit Sicherheit Selbstvertrauen geben.

Was macht Ihnen sonst noch Mut?

Arjen Robben und Franck Ribery stehen wieder ante portas. Robben sitzt vielleicht schon am Sonntag in Hannover wieder auf der Bank. Ribery ist gesund und kann endlich wieder trainieren. Das ist die beste Nachricht.

Es gab zuletzt viel Unruhe, auch um Trainer Louis van Gaal...

Wir haben uns an diesen Diskussionen nie beteiligt. Wir haben immer gesagt, dass wir eine Politik der ruhigen Hand betreiben wollen. Ich hoffe sehr, dass wir durch gute Ergebnisse Ruhe reinbringen und ein paar Wochen ohne Trainerdiskussion auskommen. Wir müssen uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Am Freitag steht noch die Jahreshauptversammlung mit den Wahlen auf dem Programm, dann muss wieder alleine der Fußball im Vordergrund stehen.

Es droht aber weiterhin Ärger mit Luca Toni, der unbedingt weg will. Ist sein angespanntes Verhältnis zu van Gaal überhaupt noch zu kitten?

Die Äußerungen sind nicht akzeptabel. Er hat eine Gesamtgeldstrafe von 25 000 Euro erhalten - damit ist alles abgegolten. Wenn jetzt wieder etwas kommt, fangen wir wieder von vorne an. Er weiß, dass wir das nicht akzeptieren können. Auf der anderen Seite ist es so, dass man unter Männern immer die Möglichkeit hat, sich zu entschuldigen. Das steht noch aus - aus Sicht von Luca Toni. Wenn das passieren würde, dann gibt es eine Chance.

Werden Sie versuchen, auf beide einzuwirken?

Wir sprechen natürlich mit beiden und versuchen zu vermitteln. Ich denke schon, dass wir eine kleine Bindung hinkriegen können.

Könnte es ansonsten zu einer Trennung kommen?

Im Moment haben wir keine Transferzeit, die ist im Januar. Bis dahin haben wir noch fünf wichtige Spiele, dann haben wir Zeit zum Nachdenken. Und dann schauen wir mal, wie der Kader im Januar aussieht.

Es war Ihr letztes Spiel als Manager von Bayern München bevor Sie am Freitag zum Präsidenten und Nachfolger von Franz Beckenbauer gekürt werden. Haben Sie sich darüber Gedanken gemacht?

Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Für mich wird sich künftig vielleicht der Zeitablauf etwas ändern, die Arbeit zunächst einmal nicht so sehr. Auf Titel habe ich ohnehin noch nie so viel Wert gelegt. Auf meiner Karte stand nie: Uli Hoeneß, stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Da stand immer Uli Hoeneß, FC Bayern München. Das wird auch weiter so sein.

© SID

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