Bayern München
Strafanzeige sorgt im Steuerfall Hoeneß für Wirbel

Mit einer Strafanzeige gegen die Staatsanwaltschaft haben Münchner Rechtsanwälte im Fall Uli Hoeneß Verwirrung ausgelöst. Nachträglich stellen sie klar, nicht im Auftrag des Bayern-Präsidenten gehandelt zu haben.
  • 12

MünchenIn der Steueraffäre um Uli Hoeneß hat eine Münchner Rechtsanwaltskanzlei mit einer Strafanzeige gegen unbekannte Beamte der Staatsanwaltschaft für Wirbel gesorgt. Die Kanzlei begründete ihr Vorgehen am Montag damit, dass die Selbstanzeige des Bayern-Präsidenten öffentlich geworden war und damit das Steuergeheimnis verletzt worden sei.

Zunächst hatten die Rechtsanwälte den Eindruck erweckt, sogar im Auftrag von Hoeneß zu handeln. Dieses Missverständnis korrigierten sie später und erklärten, die Anzeige sei „allein unsere eigene Initiative“.

Die Staatsanwaltschaft München II konnte den Eingang der Anzeige zunächst nicht bestätigen. Sie ermittelt gegen Hoeneß wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Durch einen Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“ war die Steuersünde des 61-Jährigen bekannt geworden.

Die Münchner Rechtsanwälte mahnten bei den Ermittlern Objektivität im Fall Hoeneß an und warnten auf Nachfrage vor einem „Sittenverfall“. Die Staatsanwaltschaft muss entscheiden, ob sie gegen den Bayern-Präsidenten Anklage erhebt oder ob die Selbstanzeige am Ende doch wie von ihm erhofft strafbefreiend wirken kann.

Der anhaltende Wirbel um Hoeneß kommt dem FC Bayern in der entscheidenden Phase seiner Rekordsaison höchst ungelegen. Die Münchner Profis spielen am Mittwoch beim FC Barcelona im Halbfinal-Rückspiel um den Einzug ins Finale der Champions League und haben nach dem 4:0-Heimsieg im ersten Duell beste Chancen aufs Weiterkommen. Hoeneß will im Stadion Camp Nou auf der Tribüne sitzen. Einen Rücktritt von seinen Ämtern hat er bislang ausgeschlossen.

Die Führungsspitze des FC Bayern hatte sich hinter Hoeneß gestellt. Im hochkarätig besetzten Aufsichtsrat soll es indes einige Vertreter geben, die Hoeneß nahelegen wollen, seine Ämter bis zur Klärung des Falls zumindest ruhen zu lassen.

Die Affäre Hoeneß befeuert auch die politische Debatte weiter. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) will Berichte über Steuer-Filz in dem Fall nicht auf sich sitzen lassen und fordert lückenlose Aufklärung. Es sei ein schwerwiegender Vorwurf, dass bayerische Behörden schon ein halbes Jahr vor der Selbstanzeige von den Problemen von Hoeneß gewusst haben sollen. Er könne das für sich selbst, den Finanzminister und die Justizministerin ausschließen, sagte Seehofer dem „Münchner Merkur“ (Dienstag).

Der „Focus“ hatte berichtet, die Staatsanwaltschaft Bochum habe Informationen über Hoeneß von einer Steuer-CD schon 2012 an bayerische Behörden weitergeleitet. Die Staatsanwaltschaften Bochum und München dementieren das.

Seehofer sagte, es gebe „überhaupt keinen Anlass, an den klaren Dementis zu zweifeln“. Er sehe eine „sehr merkwürdige Diskrepanz zwischen den eindeutig formulierten Behauptungen von "Focus" und der Darstellung der Staatsanwälte. Da interessiert mich: Wie kann es zu solch unterschiedlichen Versionen eines Sachverhalts kommen? Das will ich geklärt wissen. Das kann nicht einfach zu den Akten gelegt werden“, sagte der Ministerpräsident.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bayern München: Strafanzeige sorgt im Steuerfall Hoeneß für Wirbel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ....Der letzte Akt für die CSU wird geradekgespielt... Wir Münchner hoffen dies nicht ! Wenn SIE Monija, von Filz in der Bayrischen Politik sprechen, dann vergessen Sie auch nicht den Filz von Ude & Consorten, gerade in Sachen Islamistisches Zentrum mit Großmoschee am Stachus oder dem Olympiastadium. Ist es nicht Ude der seit über einem Jahr mit kriminellen Menschen wie z.B. Imam Idriz verhandelt, jenem Idriz der sogar vom Verfassungsschutz beobachtet wird und dessen Telefone abgehört werden ! DAS ist Filz !

  • "Bisher wurden mit Strepp, Schmid und Co immer nur Bayern geopfert."

    Das soll natürlich
    "Bisher wurden mit Strepp, Schmid und Co immer nur BAUERN geopfert."

    heißen.

    Die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen. Die, die Verantwortung übernehmen müssten, drücken sich ständig vor den von ihnen geschaffenen Tatsachen. Und wenn sich ein bayerische Minister dann mit der Ausrede er habe von einem Sachverhalt keine Kenntnis, herauszureden versucht, ist dieser Arbeitsplatz definitiv mit ihm falsch besetzt!

  • Tja auch das wäre dann nur in Bayern möglich.

    Das System Seehofer wirft immer neue Spekulationen und Mutmaßungen auf. Dies sind typische Anzeichen für Filz- und AMIGO-Systeme.

    Man sollte jedoch eine klare Trennlinie zwischen der ehrlichen Bevölkerung Bayerns und dem System der CSU ziehen. Die Wähler sollten nur langsam aufwachen und erkennen, dass sie mit ihren Stimmen Vetternwirtschaft uvm. jahrzehntelang in den bayerischen Landtag gewählt haben und sich erst so etablieren konnte. Dieser "politisch installierte Saustall" muss nun kräftig ausgemistet werden und der Sumpf trockengelegt werden.

    Die Tage der Dampfplauderei sind vorbei. Bayerns Bevölkerung erwartet Taten - dazu zählen auch Rücktritte von Ministern. Bisher wurden mit Strepp, Schmid und Co immer nur Bayern geopfert. Der letzte Akt für die CSU wird gerade gespielt!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%