Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann
„Finanzkrise wird den Fußball richtig treffen“

Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann zieht vor dem Endspiel um die Halbzeitmeisterschaft gegen das Überraschungsteam aus Hoffenheim im Interview eine Bilanz seiner ersten rund fünf Monate als Coach in München. Darin prophezeit er, dass die weltweite Finanzkrise auch den Fußball noch "richtig treffen" wird. Er erwartet eine Neudefinierung des Marktes, auch was Transfers und Gehälter betrifft.

Frage: Auf Leverkusen folgt für den FC Bayern am Freitag gleich das nächste Top-Spiel gegen Hoffenheim. Wie sehr imponiert Ihnen der Aufsteiger?



Klinsmann: Ich habe höchste Wertschätzung für Hoffenheim, weil sie dort sehr zielstrebig, durchdacht und mit sehr guten Leuten aufgebaut haben. Darauf können sie stolz sein. Die Mannschaft hat absolut das Potenzial, auch mittelfristig in der Tabelle unter den ersten Drei, Vier zu bleiben.

Der FC Bayern hatte immer Rivalen, einst Gladbach, dann Dortmund, Leverkusen, Bremen. Ist Hoffenheim der neue Herausforderer?



Hoffenheim kann langfristig eine Rolle einnehmen, wie es Bayer Leverkusen über Jahre hinweg geschafft hat. Leverkusen wird von der Bayer AG mitgetragen, Hoffenheim von Dietmar Hopp. Da ist nichts Negatives dabei. Er hat früher für den Club gespielt, ist ein Fußball-Mensch durch und durch und hilft dem Verein auf die Beine. So was ist toll. Weil sie dort konzeptionell und langfristig arbeiten, hat Hoffenheim das Zeug, sich im deutschen Fußball ganz oben zu etablieren und vielleicht schon nächstes Jahr europäisch zu spielen.

Der FC Bayern ist Ihr erster Job als Vereinstrainer. Gab es trotz Ihrer Erfahrungen als Spieler und Bundestrainer Überraschungen?

Mir war sehr wohl bewusst, dass der FC Bayern aufgrund seiner Dominanz im deutschen Fußball und seines Rufs im Weltfußball sehr starke Anforderungen an mich stellen wird. Es war klar, dass es im Umfeld nach ein oder zwei verlorenen Spielen unruhig werden kann. Wenn man in der Verantwortung steht, muss man sich in entsprechenden Momenten auch selbst verändern können. Man macht Kompromisse, obwohl ich zuerst meinte, eine höhere Schlagzahl ansetzen zu können.

In der Tat: Ist die Experimentierfreude der Anfangszeit, als Sie viel ausprobierten und sogar Ihren Kapitän auf die Bank setzten, etwas der Einsicht gewichen, dass der Fußball vor allem ein Tagesgeschäft ist?

Nein. Ich bin nach wie vor nicht davon gefangen, dass nur das nächste Spiel zählt. Von mir wird erwartet, dass wir Dinge mittel- und langfristig entwickeln. Das ist natürlich einfacher, wenn der Erfolg da ist. Wenn man 2:5 daheim gegen Bremen und danach auch in Hannover verliert, muss man schauen, dass man das sofort anpackt, ohne den Blick für die nächste und übernächste Saison zu verlieren. Dieser Spagat ist die größte Herausforderung.

Sind die Spieler reformwillig genug?

Natürlich waren am Anfang viele Fragezeichen da; es gab das neue Leistungszentrum und neue Technologien, die wir einsetzen. Es ist viel auf die Spieler zugekommen, aber sie haben mit der Zeit gemerkt, dass alle Maßnahmen nur für sie sind. Alle merken jetzt, dass die Arbeit sich auszahlt. Ich kann aus dem Vollen schöpfen, ob ich einen Breno, einen van Buyten, Lell oder Borowski einwechsle - es kommt Qualität. Wir sind auf Tuchfühlung zur Spitze. Wir haben in der Champions League gesehen, dass wir uns vor niemandem verstecken müssen.

Auch dank Franck Ribéry. Besteht die Gefahr, dass die Abhängigkeit von ihm zu groß wird?

Nein, weil Franck weiß, dass er eine intakte, harmonisch geführte Mannschaft braucht, um diese Leistungen abzurufen. Er braucht einen Philipp Lahm, der für ihn unglaubliche Arbeit leistet. Er braucht einen Zé Roberto, mit dem er auch geistig gewisse Automatismen entwickelt. Und er braucht Stürmer, die die Aktionen abschließen. Er braucht die Mannschaft, und diese weiß, wie sie ihn zu den Höchstleistungen treiben kann. Indem sie ihm ein Umfeld gibt, wo er sich wohlfühlen kann, Scherze machen kann. Die Mannschaft weiß aber, dass sie auch gewinnen kann, wenn er ausfällt.

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