Bayern und die Hoeneß-Rückkehr
Wie der Kaiser drei Dax-Konzerne ärgert

Uli Hoeneß ist wieder da. Als ob nichts passiert wäre. Franz Beckenbauer schiebt den Bayern-Übervater sogar in Reihe eins. Ein Dilemma für Allianz, VW und Adidas: Wo darf ein Ex-Häftling im Geschäft Fußball helfen?

DüsseldorfDie Fußballfamilie in Deutschland ist sich nahezu einig: Bayern-Ikone Uli Hoeneß soll wieder mit Rat und Tat im Profigeschäft mitwirken. Das sagen selbst Fußballmanager, die sich oft mit Hoeneß gezofft haben, wie etwa BVB-Geschäftsführer Aki Watzke. Die Bayern arbeiten nun daran, ihn wieder in eine Führungsposition zu bringen. Doch das ist schwieriger als gedacht – wegen der Sponsoren.

Wie so oft übernimmt der Kaiser, Weltmeister und Bayern-Legende Franz Beckenbauer, die Führung des Projekts. „Für viele Bayern-Spieler ist er wie ein Vater. Sein Wort hat großes Gewicht, seine Nähe würde dem Team helfen. Er kennt alle Situationen des Fußballs“, sagte Beckenbauer der Bild-Zeitung. Hoeneß könne nun Sportvorstand Matthias Sammer teilweise ersetzen, weil dieser momentan krank ist.

Es geht dabei konkret bereits um das Halbfinale in der Champions League, das die Bayern gegen Atletico Madrid austragen. Was der Kaiser da in der Zeitung anregt, ist vor Ort bereits passiert. „Ganz entspannt schlenderte Uli Hoeneß an den Passagieren vorbei, als wäre er nie weg gewesen“, berichtete Christian Falk, Reporter der Sport-Bild.

Dabei sei der Halbfinal-Trip nach Spanien erst dessen zweite Bayern-Reise seit der Haftstrafe. Zuvor war Hoeneß schon mit zur Viertelfinal-Partie bei Benfica Lissabon gereist. „Wir schütteln uns die Hände“, berichtet Falk. „Lange nicht gesehen“, begrüßt Hoeneß ihn „mit einem Lächeln, und ich gebe gerne zu, dass ich mich ehrlich freue ihn wieder im Tross des FC Bayern zu sehen.“

Uli Hoeneß ist zurück: Bilder und Reaktionen auf Twitter

Doch geht es wirklich, was Beckenbauer nun vorschlägt? „Uli könnte einige Aufgaben von Matthias Sammer übernehmen, solange der ausfällt. Zum Beispiel den medialen Teil, die TV-Interviews vor dem Spiel.“ Sammer ist als Sportvorstand ein offizieller Vertreter der Bayern-AG. Deren Hauptsponsoren sind die Dax-Konzerne Allianz, Volkswagen (über Audi) und Adidas.

Diese Bayern-Mitgesellschafter haben sich in ihrem Geschäftsleben international üblichen Compliance-Regeln unterworfen, stellte Bayern-Kenner Hans-Jürgen Jakobs jüngst im „Handelsblatt“ fest. Diese sehen die Berufung eines Verurteilten an die Spitze eines Entscheidungsgremiums nicht vor. Sein Urteil: „Eine Wiedereinsetzung in die frühere Funktion eines Aufsichtsratschefs des FC Bayern dürfte ohnehin schwierig sein.“

Wegen dieser heiklen Konstellation ist der jüngste Vorschlag von Beckenbauer brisanter als er im ersten Moment aussieht. Sicherlich wollen die drei Dax-Konzerne nicht erneut eine öffentliche Diskussion über die Regeln guter Unternehmensführung aufgedrückt bekommen, so wie 2013. Da trieb sie der Corporate-Governance-Experte Christian Strenger in die Enge.

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