Bayern verabschiedet Guardiola
Danke, Pep!

Abschied mit Double: Der Triumph im DFB-Pokalfinale macht Pep Guardiolas Bilanz noch positiver. In seinen drei Jahren bei Bayern München erreichte der Katalane sieben Titel – aber nicht die Herzen der Fans. Ein Fazit.

BerlinAusgerechnet die Spanier waren es, die dem Basken den ganz großen Coups vermiesten: Pep Guardiola hat in seinen drei Jahren bei Bayern München einen Rekord nach dem anderen gefeiert, aber für den ganz großen Erfolg in der Champions League hat es nicht gereicht. Dreimal scheiterten die Münchener an spanischen Teams: Real Madrid, FC Barcelona und zuletzt an Atletico Madrid.

Nach dem knappen Aus gab es zahlreiche Nachrufe auf den vermeintlich besten Trainer der Welt. Sie klangen immer gleich: Tolle Arbeit, aber unvollendet. Als ob ein Trainer jemals eine formvollendete Ära erlebt hätte! Auch Jupp Heynckes, Guardiolas Vorgänger, musste in seinen Jahren bei Bayern einige herbe Niederlagen einstecken – vor allem gegen Borussia Dortmund und den FC Chelsea.

Wir sollten uns vom Gedächtnis kein Schnippchen schlagen lassen: Zwar wurden die Glanzlichter in der Rückserie seltener, aber was Guardiolas Bayern zum Beispiel in der Hinserie dieser Saison zeigten, hat selten zuvor eine deutsche Mannschaft auf den Platz bekommen. Er führte die Mannschaft in seinen 102 Bundesligaspielen auf ein bisher nicht gekanntes Niveau.

Pep Guardiola gilt als der beste Trainer der Welt. Und es war ein Riesenerfolg für den FC Bayern München, ihn verpflichtet zu haben. Ausnahmsweise waren die hohen Erwartungen mal nicht übertrieben. Die effektiven Dusel-Bayern wurden zu spektakulären Schönspielern. Und das mit beeindruckender Konstanz: Wer selbst mal auf dem Platz gestanden hat, weiß, wie schwer es ist, nach einem maximalen Triumph wie dem Triple 2013 so motiviert und konzentriert weiterzuspielen.

Es gibt gute Gründe, warum es zuvor noch keinem Verein gelang, viermal hintereinander deutscher Meister zu werden. Das ist umso erstaunlicher, weil Borussia Dortmund in dieser Saison der wohl beste Vizemeister der Geschichte war. Ein Blick nach England oder Spanien, wo der FC Barcelona in eine veritable Krise geriet, zeigt, wie schwierig es ist, diese Konstanz trotz finanzieller Überlegenheit Woche für Woche auf den Platz zu bringen.

Guardiola hat in den drei Spielzeiten nur ein Match in der Hinrunde verloren. Und nur drei vor Erringen der Meisterschaft (Wolfsburg 2015, Mönchengladbach 2015 und Mainz 2016). Das sind überragende Werte, selbst für eine so hochgerüstete Mannschaft. Dazu sind die Bayern längst Serienteilnehmer im Halbfinale der Champions League und damit die konstanteste Mannschaft Europas.

Doch die Ergebnisse sind nur ein Grund, warum Guardiolas Bilanz positiv ausfällt. Von dem zweiten und dritten Aspekt profitierte nicht nur der FC Bayern, sondern die gesamte Bundesliga inklusive der Zuschauer. Es kamen und blieben Spieler, die ohne Pep an der Seitenlinie nicht oder nicht mehr für den FCB spielen würden. Würden Thomas Müller, Robert Lewandowski, Thiago Alcantara, David Alaba, Douglas Costa und wie sie alle heißen noch in der Bundesliga kicken ohne den Anreiz, von Guardiola zu lernen? Gerade angesichts der deutlich höheren Gehälter, die es in England oder Spanien zu verdienen gibt? Wir werden es in den kommenden Jahren erleben. Ironischerweise sind ausgerechnet Mario Götze und Thiago Alcantara die einzigen Top-Spieler im Kader, die Guardiola nicht entscheidend weiterbringen konnte. Dabei kamen sie auch 2013 zum FCB und gelten zurecht als prädestiniert für die Spielweise des Katalanen.

Der dritte Grund ist freilich der wichtigste für die positive Bilanz von Pep Guardiola beim FC Bayern. Er hat der Bundesliga frische Ideen eingepflanzt. Nicht nur der Fußball des FC Bayern hat sich verändert, sondern der vieler Bundesligisten. Bei Borussia Dortmund sieht man dies freilich stärker als bei Darmstadt, aber Guardiolas Form des Kurzpassspiels war noch prägender als einst Jürgen Klopp mit seinem Umschaltspiel. Nicht zuletzt übernahm Bundestrainer Joachim Löw weite Teile des neuen Bayern-Stils für die Nationalelf – und wurde Weltmeister.

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