Fußball
Beckenbauer attackiert Klinsmann im Keeper-Streit

Franz Beckenbauer hat erstmals im Streit um den Platz im Tor der deutschen Nationalmannschaft Bundestrainer Jürgen Klinsmann attackiert. "Klinsmann scheut sich davor, eine Entscheidung zu treffen", sagte der "Kaiser".

Der Streit um den Platz im Tor der deutschen Nationalmannschaft hat sich erneut verschärft. "Kaiser" Franz Beckenbauer hat erstmals Bundestrainer Jürgen Klinsmann öffentlich attackiert. "Klinsmann scheut sich davor, eine Entscheidung zu treffen", sagte der WM-OK-Chef im ZDF nach der 0:2-Pleite in der Slowakei: "Wie soll sich die Abwehr auf einen Torwart einspielen? Wenn ich sehe, dass der beste Torwart Golf spielt, wenn hier ein Länderspiel stattfindet, könnte ich verrückt werden. Es werden Kompromisse geschlossen, weil beide nicht miteinander können. Jetzt geht einer während eines Länderspiels Golf spielen, und beim nächsten Mal geht einer schwimmen."

Gleichzeitig kritisierte der Präsident von Bayern München zum wiederholten Male das Verhalten von Jens Lehmann gegenüber Oliver Kahn. "Die Giftpfeile kommen aus London. Das ist respektlos von Lehmann. Er wird nie erwachsen." Zuletzt hatte er bereits gelästert, dass Lehmann ebenso wie Kahn "nicht zu den großen Vernunftspersonen der Gegenwart" gehören würden.

Klinsmann verteidigt Torhüter-Rotation

Klinsmann machte jedoch einmal mehr deutlich, dass er sich auch durch Beckenbauer nicht von seiner Linie abbringen lassen wird. Man werde die Rotation im Tor weiter fortführen, eine Entscheidung werde erst im Mai 2006 fallen: "Das ist ein Konkurrenzkampf wie auf jeder anderen Position auch. Oliver ist der Platzhirsch, Jens der Herausforderer." Er akzeptiere auch das Argument nicht, konterte der Bundestrainer, "dass ein Torhüter Sicherheit haben muss. Beide haben sich über das letzte Jahr gesteigert, weil sie beide gekitzelt wurden".

In der Slowakei stand der 35 Jahre alte Lehmann im deutschen Tor. Der Keeper von Arsenal London wird auch am Mittwoch (20.30 Uhr/live in der ARD) in Bremen gegen Südafrika halten. Kahn (36), der derzeit bei seinem Klub Bayern München trainiert, ist dann wieder am 8. Oktober in der Türkei und am 12. Oktober gegen China an der Reihe, ehe Lehmann am 12. November in Frankreich das Länderspieljahr 2005 abschließt.

Vor dem Slowakei-Spiel hatte Lehmann noch einmal seine Ambitionen auf die Nummer eins deutlich gemacht, kann daran aber nichts Verwerfliches finden. "Ich weiß nicht, wer bei der WM spielen wird, aber ich glaube an mich. Das hat nichts mit Respektlosigkeit zu tun. Ich respektiere Oliver und die Entscheidung von Klinsmann", erklärte der England-Legionär nach der Partie in der Slowakei.

Lehmann wehrt sich gegen Beckenbauer

Weniger Respekt hatte Lehmann nach seinem 26. Länderspiel allerdings für Beckenbauer übrig. "Tatsache ist, dass sich von Arsenal weder der Präsident noch der Torwarttrainer einmischt", lästerte der frühere Bundesligatorwart auch in Anspielung auf die ständigen Kommentare von Kahns Torwarttrainer Sepp Maier.

"Beckenbauer war ein phantastischer Spieler und ein erfolgreicher Trainer. Und er hat die WM nach Deutschland geholt. Ich fände es auch besser, wenn er mich besser leiden könnte." Beckenbauer ergriff im ZDF zudem Partei für seinen langjährigen Teamkollegen und Weltmeister-Torhüter von 1974, Maier, der von Klinsmann als Bundestorwarttrainer abserviert worden war. "Klinsmann hat zwar Sepp Maier geopfert, aber das Torwartproblem trotzdem nicht gelöst."

Ex-Nationaltorwart Toni Schumacher forderte Klinsmann zum schnellen Eingreifen auf: "Wenn es gegen den Ehrenkodex geht, muss der Trainer einschreiten." Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger glaubt indes, dass die Situation nicht weiter eskalieren werde. "Klinsmann will keine frühe Entscheidung. Seine Vorgabe ist Konkurrenz in allen Bereichen. Beide Torhüter werden sich der Entscheidung unterwerfen. Und manchmal kommt die Chance erst während des Turniers. Das hat es auch schon gegeben", äußerte er im DSF.

Kahn reagiert gelassen auf Lehmann-Attacken

Kahn hatte die Aussagen von Lehmann in der vergangenen Woche im Gegensatz zum "Kaiser" gelassen zur Kenntnis genommen. Er habe kein Problem, wenn Jens Lehmann seine Länderspiele mache, äußerte Kahn aus München. Ohnehin bliebe alles beim Alten, "wenn ich meine Leistung bringe".

Kahn, der zuletzt gegen die Niederlande (2:2) im Tor stand, kann sich mit der momentanen Regelung allerdings weiterhin nur bedingt anfreunden, wie er zuletzt auch verdeutlicht hatte: "Ich als Torwart finde es wichtig, mich mit meiner Abwehr einzuspielen." Klinsmann würde aber schon wissen, "was er tut, schließlich trägt er die Verantwortung".

© SID

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