Beckenbauer ist pro und contra
Expertenstreit um Klinsis Torwartrotation

Die Torwart-Diskussion innerhalb der deutschen Mannschaft entwickelt sich zu einer Frage von nationalem Interesse. Jetzt hat neben Ottmar Hitzfeld auch Franz Beckenbauer das Wort ergriffen. Wie gewohnt, vertritt der FC Bayern-Präsident zwei Meinungen.

HB LEIPZIG. Jürgen Klinsmann hat mit der Ankündigung, sich erst unmittelbar vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 auf seinen Torhüter Nummer 1 festlegen zu wollen, ein zwiespältiges Echo ausgelöst. Experten wie Franz Beckenbauer und Ottmar Hitzfeld sowie ehemalige Nationaltorhüter reagierten auf die verlängerte Rotation der Schlussleute in der deutschen Nationalmannschaft teilweise mit Verständnis, aber auch mit offener Ablehnung. Der ehemalige Teamchef und WM-Organisationschef Beckenbauer tritt sogar für pro und contra in Erscheinung.

"Ganz ehrlich: Für besonders glücklich halte ich den ständigen Wechsel bei den Torhütern nicht", schrieb der ehemalige Bayern-Coach Hitzfeld am Montag in seiner "kicker"-Kolumne. Der ehemalige DFB - Torhüter Hans Tilkowski unterstützt Klinsmanns Entscheidung, obwohl er selbst bei der WM 1962 Leidtragender war. Er fuhr als Nummer 1 nach Chile, wo dann im ersten Gruppenspiel Wolfgang Fahrian zwischen den Pfosten stand. "Sepp Herberger hatte mich erst 20 Stunden vor dem Anpfiff informiert. Für Jürgen Klinsmann bleibt bei der Torwartfrage also noch viel Zeit", sagte der 69-Jährige in einer Umfrage der "Bild"-Zeitung.

Das Ausmaß der Kontroverse um das Dauerthema Torhüter dokumentiert sich in den Aussagen von Beckenbauer, der für beide Positionen herangezogen wird. In seiner "Bild"-Kolumne ergreift er Partei für Klinsmann, der den Zweikampf von Oliver Kahn und Jens Lehmann bis Mai 2006 offen halten will: "Wenn der Bundestrainer das so sieht, ist das in Ordnung. Wir können ihm und seinem Team vertrauen." Eine Abwehr müsse sich auf beide Torhüter einstellen können. Im "kicker" wurde Beckenbauer dagegen am Montag mit der Forderung zitiert, dass sich Klinsmann "spätestens Anfang des nächsten Jahres" auf seinen WM-Schlussmann festlegen müsse: "Länger darf er nicht warten."

Von Klinsmanns Entscheidung wurden nicht nur die Experten und die Öffentlichkeit, sondern auch der innere Zirkel der DFB-Auswahl überrascht. Sogar der Bundes-Torwarttrainer war offenbar nicht eingeweiht. "Wir haben nichts besprochen", sagte Andreas Köpke dem "kicker". Nach seinen Aussagen wollte sich das Trainerteam eigentlich nach dem Confederations Cup zusammen setzen und alles analysieren. "Man sollte gerade die Torwartfrage nicht auf die Spitze treiben", empfahl der 76-malige Nationalkeeper Toni Schumacher Bundestrainer Klinsmann.

» Fotostrecke: der Confederations Cup in Bildern

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%