Beckenbauer über Warner
Der Kaiser und der Korruptionskönig

Franz Beckenbauer setzt seine Charme-Offensive fort. In seinem ersten TV-Interview zeigte er sich ahnungs- und arglos. Ob die DFB-Ermittler heute mehr Licht in den Skandal um die Vergabe der WM 2006 bringen?

DüsseldorfFranz Beckenbauer muss heute erneut vor den DFB-Ermittlern aussagen. Es geht um einen Vertrag, den die Kanzlei Freshfields im DFB-Archiv entdeckt hat. Das Brisante daran: Er ist geschlossen mit dem als korrupt geltenden Ex-Fifa-Funktionär Jack Warner, von Beckenbauer unterschrieben und hat ein kritisches Datum: den 2. Juli 2000. Das war vier Tage vor der wichtigen Abstimmung über die Vergabe der WM 2006 innerhalb der Fifa.

Beckenbauer hat lange geschwiegen zu diesem Vertrag. Andere redeten umso mehr darüber. So war von einem möglichen Bestechungsversuch die Rede. „Das muss man so werten, dass zumindest über diese Fragen nachgedacht worden ist“, sagte Reinhard Rauball, der gemeinsam mit Rainer Koch den Deutschen Fußball-Bund interimsmäßig führt. „Wenn etwas schriftlich konzipiert ist, egal ob es dann formwirksam geworden ist oder nicht, dann ist das etwas, was diese Vermutung zulässt.“

In den vergangenen Tagen wurde der Druck auf Beckenbauer offenbar so groß, dass er medial in die Offensive ging: Zuerst in einem mehrstündigen Interview mit Redakteuren der „Süddeutschen Zeitung“ und kurze Zeit später in einem knapp 15 Minuten langen TV-Interview mit seinem Heimat-Sender Sky, für den er auch weiter über die Champions League berichtet.

Auf den Vorwurf der versuchten Bestechung durch Rauball reagierte er in der SZ so: „Hat er das gesagt? Das ist seine Sache.“ Frage: „Aber versuchte Bestechung - das ist ein harter Vorwurf.“ Beckenbauer: „Ein harter Vorwurf, ja. Und was soll ich da jetzt entgegnen? Ich kenne das Papier erst seit ein paar Stunden und musste es erst einmal übersetzen lassen. Dieses Vertragsenglisch verstehe ich auch heute noch nicht. Von mir ist das Papier jedenfalls nicht aufgesetzt worden.“

Inhaltlich sagte Beckenbauer zu dem merkwürdigen Vertrag mit Jack Warner öffentlich also weiter nichts, seine Rechtfertigungsstrategie geht in eine andere Richtung: „Wenn ich jemandem vertraue, unterschreibe ich alles. Blanko. Alles unterschreibe ich dem.“ Ob das Papier von seinem Vertrauten Fedor Radmann aufgesetzt wurde, ließ er allerdings bisher offen.

Umso genauer kann sich Beckenbauer dagegen an einige persönliche Begegnungen mit dem dubiosen Fifa-Funktionär Jack Warner erinnern. „Der Jack Warner, der war wie ein König“, erzählte Beckenbauer. „Wenn der gesagt hätte, ich bin morgen Staatspräsident, wäre er Staatspräsident geworden. So war das damals. Was der für das Land geleistet hat, für so eine Region, in der du nichts hast, außer ein paar Hotels, war gigantisch.“

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