Beckenbauer wies „Leistungen“ an

DFB spricht von Bestechungsversuch bei WM-Vergabe

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ist weg – der Skandal um Vergabe der Fußball-WM 2006 wird immer schlimmer. Der DFB bestätigte nun, dass Franz Beckenbauer eine vertragliche Vereinbarung mit Fifa-Vize Jack Warner traf.
Update: 10.11.2015 - 14:52 Uhr 49 Kommentare
Fußball-Legende Franz Beckenbauer (links) und Sportfunktionär Fedor Radmann unterhalten sich am 30.11.2008 in Berchtesgaden bei einer Benefiz-Gala-Dinner. Radmann gilt wie Beckenbauer als Schlüsselfigur, um die dubiosen Geldströme rund um die WM 2006 aufzuklären. Quelle: dpa
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Fußball-Legende Franz Beckenbauer (links) und Sportfunktionär Fedor Radmann unterhalten sich am 30.11.2008 in Berchtesgaden bei einer Benefiz-Gala-Dinner. Radmann gilt wie Beckenbauer als Schlüsselfigur, um die dubiosen Geldströme rund um die WM 2006 aufzuklären.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDas Sommermärchen 2006 ist entzaubert. So viel steht nach dem Rücktritt von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bereits fest. Denn gleichzeitig ruderte der Deutsche Fußballbund zurück. Gegen den „Spiegel“ will man nicht mehr klagen. Grund: Es ist ein Dokument aufgetaucht, das ein Indiz für dunkle Machenschaften im Zusammenhang mit der WM-Vergabe 2006 liefert.

Das Dokument hat es in sich, wie nun bekannt wurde, denn der DFB wandte sich an die Presse. Franz Beckenbauer hat demnach vier Tage vor Vergabe der WM 2006 eine vertragliche Vereinbarung mit dem früheren FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner unterschrieben. In diesem Dokument seien der Konföderation des stimmberechtigten Exekutivmitglieds „diverse Leistungen“ von deutscher Seite zugesagt worden, sagte Rainer Koch, Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bunds, am Dienstag.

Dies seien „keine direkten Geldleistungen“ gewesen, sondern unter anderem Vereinbarungen über Spiele, Unterstützung von Trainern beim Kontinentalverband CONCACAF oder Ticketzusagen für WM-Spiele an Warner selbst, erklärte Koch. Es bestehe keine Erkenntnis, ob dieser Vertrag in Kraft getreten sei. Beckenbauer sei damals nicht allein vertretungsberechtigt für den DFB gewesen. Daher seien alle festgehaltenen Absprachen abhängig von einer Zustimmung des DFB-Präsidiums gewesen.

Damit bleibt unklar, was es mit der Zahlung von 6,7 Millionen Euro an eine mysteriöse Zahlstelle der Fifa auf sich hat. Die Aussagen Kochs sind jedoch nicht anders zu deuten als der Beweis eines Bestechungsversuchs. „Das muss man so werten, dass zumindest über diese Fragen nachgedacht worden ist“, sagte Reinhard Rauball, der gemeinsam mit Rainer Koch den Deutschen Fußball-Bund interimsmäßig führt, am Dienstag beim TV-Sender Sky. „Wenn etwas schriftlich konzipiert ist, egal ob es dann formwirksam geworden ist oder nicht, dann ist das etwas, was diese Vermutung zulässt.“ Warner selbst hatte mögliche Bestechungsvorwürfe stets bestritten, aber auch von gegenseitigen Gefallen gesprochen. Warner ist eine der zentralen Figuren im Korruptionsprozess gegen hochrangige Fifa-Funktionäre und inzwischen lebenslang gesperrt.

Angesichts dieser Erkenntnisse rückt Franz Beckenbauer als WM-Organisationschef 2006 auch ins Blickfeld der Ermittlungen des DFB. „Wir haben die Bitte, dass er sich intensiver einbringt in die Aufklärung der Vorgänge“, sagte Interims-Präsident Rainer Koch, der gemeinsam mit Ligapräsident Reinhard Rauball vorläufig die DFB-Geschäfte in dessen größter Krise führen wird.

„Wir wollen uns nicht mehr auf die Frage des Verbleibs der 6,7 Millionen Euro beschränken, wir wollen uns intensiv mit der Frage beschäftigen, was ist bei der Vergabe der WM 2006 passiert?“, sagte Koch unmittelbar nach dem Rücktritts Niersbachs außerdem. Damit hatte er bereits Spekulationen über gravierende Verfehlungen der WM-Macher geschürt.

Es sei „höchste Zeit“, dass der damalige Präsident des Organisationskomitees Stellung beziehe, bekräftigte Koch im ZDF. Der 70-Jährige könne aufklären, was damals genau passiert sei, betonte Koch: „Das ist auch die große Bitte der gesamten Spitze des DFB, diese Fragen zu beantworten.“

Das Schreiben sei am 2. Juli 2000 von Beckenbauer unterzeichnet worden, berichtete „Bild“ ergänzend. Vier Tage später wurde die Weltmeisterschaft an Deutschland vergeben. Der Beckenbauer-Vertraute Fedor Radmann, später auch Mitglied des Organisationskomitees, habe laut „Bild“ den Entwurf paraphiert. Das Management von Beckenbauer wollte den Bericht zunächst auf Anfrage nicht kommentieren.

Warner war ehemals Präsident des nord- und zentralamerikanischen und karibischen Fußballverbandes (CONCACAF) sowie bis 2011 auch Vizepräsident des Weltverbandes Fifa. Der Funktionär ist Gegenstand zahlreicher Ermittlungen im Weltfußball und war im September lebenslang wegen Korruption gesperrt worden.

„Der „Kaiser“ verweigert sich auf beschämende Art und Weise“
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49 Kommentare zu "Beckenbauer wies „Leistungen“ an: DFB spricht von Bestechungsversuch bei WM-Vergabe"

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  • Wer glaubt, dass man in "dritte Welt Ländern" incl. China einen größeren Auftrag ohne entsprechende "Unterstützung" bekommt, ist entweder weltfremd oder unheimlich naiv.
    Desahalb endlich mal ehrlich sagen: money makes the world go round.
    Das Ganze compliance Thema in der Industrie ist in Wirklichkeit eine farce!
    Die Welt funktioniert leider nicht so, wie wir sie gerne hätten. Andere Länder andere Kulturen!

  • " 2. Juli 2000 von Beckenbauer unterzeichnet worden" Ja und, das gehörte damals zum guten Ton.
    Vier Jahre später hat Südafrika die WM bekommen. Und nun?

  • Das sehe ich nicht anders. Für mich stellt sich die Frage, weshalb eine so angesehene Zeitung sich auf so etwas einlässt.

    Zugegeben, viele Kommentare waren interessanter als die Artikel, unter denen sie erschienen.

  • Das sind doch alles keine Größenordnungen, die solche Konsequenzen fordern. Man solle sich vielmehr ein Beispiel bei den Politikern holen. Schauen Sie sich doch nur den Fall de Maiziere oder den Fall Wowereit und BER-Flughafen an.

    Größenordnungen wir hier im Spiel lächeln die Herren doch einfach weg.

  • @ Herr Falk
    "Der erstaunte Leser des HB stellt sich die Frage , warum "Fussball" kommentiert werden darf, Politik hingegen nicht."

    Wenn ich hier lese, was für Kommentare selbst beim Fußball kommen, verstehe ich schon, dass HB die Funktion abstellt. Es ist ja so leicht, auf die LP zu schimpfen, Verschwörungstheorien aufzustellen und allen, die noch einen Funken Realität haben, Ahnungslosigkeit zu unterstellen.

  • @Andreas Kreuder
    "Kuriosum Korruption"
    Ich halte Korruption nicht für ein Kuriosum, sondern für ein real existierendes Verfahren, ein Ziel zu erreichen. Dies gilt nicht oder zumindest nur in erträglichen Grenzen für unseren Staat. Hier ist die Korruption durch andere Mechanismen ersetzt bzw in weiten Teilen überflüssig gemacht worden.
    In großen Teilen der Welt ist Korruption, ob wir das gut finden oder nicht, die Voraussetzung, Dinge überhaupt erst einmal in Gang zu setzen. Ob ein Herr Blatter selber korrupt ist, weiss ich nicht, möchte es allerdings bezweifeln. Allerdings ist er ein geschickter Moderator oder Manager einer Kultur, die sich nun einmal als Faktum weltweit etabliert hat. Um an dieser Stelle also global etwas bewegen zu wollen, und das ist Aufgabe der Fifa, muss die Korruption schlichtweg akzeptiert und gemanagt werden. Es würde vermutlich Jahrhunderte dauern, Korruptionsgewohnheiten ausmerzen zu wollen, wenn überhaupt möglich. Also bedarf es schlichtweg Personen, die Manns genug sind, sich die Finger schmutzig zu machen.
    Das ist auch in international tätigen Unternehmen so, trotz Compliance und all den anderen Schutzmechanismen. Kein Unternehmen wird auf seine Schattenmanager, die Leute für`s Grobe verzichten. Und wenn sie halt mal erwischt werden, dann bleibt nur zu hoffen, dass sie vorher, dieses Risiko einpreisend, auch dafür entlohnt worden sind.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Zu A) Das freut mich für Sie!
    Zu B) Der Punkt mit Schamgefühl geht an Sie, jedoch verstehe ich Ihre “lebensnahe Betrachtung und Äußerung“ nicht so recht. Sie schreiben “Herr Beckenbauer und die anderen Organisatoren sind mit der Akquisition dieser Umsatzmaschine beauftragt worden und sie hatten einen Erfolg. “
    Mag sein das Sie ursprünglich damit einen Erfolg hatten, dass erklärt aber noch lange nicht das Kuriosum der Korruption, ob von einer institutionellen o. privaten Art. Stattdessen finden Sie es etwa richtig, dass z.B. die FIFA oder d. Heilsbringer BeckenBAUER angebetet werden wie das goldene Kalb?!
    Nö, so was kann man nicht mit einer angemessenen Provision im Vertrieb gleich setzen.



  • Niersbach ist zurück getreten, aber viel wichtiger:

    Wann tritt Frau Merkel ENDLICH zurück und lässt endlich das Volk entscheiden, wie es weitergehen soll in der schlimmsten Staatskrise (made by Merkel) seit dem 2. WK?

  • @Andreas Kreuder
    Ihre Schreibweise "Scharmgefühl" bietet mit zum Glück 2 Optionen
    A) Charme - glauben Sie mir, ist mir immer wieder von Dritten bestätigt worden, dass ich durchaus darüber verfüge
    B) Schamgefühl - doch klar habe ich dieses Gefühl, daher vermeide ich auch Äußerungen, die ein solches auslösen könnten - ergo, in der zu betrachtenden Angelegenheit schäme ich mich keineswegs für eine ausgesprochen lebensnahe Betrachtung und Äußerung
    Was die Frage einer angemessenen Provision für einen Vertriebserfolg anbelangt, da sehe ich es so, eine professionelle Leistung muss auch professionell entlohnt werden. Wir sprechen über eine gigantische Sport- und Wirtschaftsveranstaltung. Herr Beckenbauer und die anderen Organisatoren sind mit der Akquisition dieser Umsatzmaschine beauftragt worden und sie hatten einen Erfolg.

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