Beckham und Co. auf der Suche nach Ausreden
Kühle Engländer und Frankfurter Hitze

Es war heiß am Samstag in Frankfurt, natürlich. Für englische Verhältnisse mit nahezu 30 Grad Celsius sogar sehr heiß. Da fiel es den Spielern des Titelaspiranten nicht schwer, ihre unterdurchschnittliche Leistung gegen Paraguay zu erklären

FRANKFURT. "Englische Teams kommen mit der Hitze nur schwer zurecht", sagte Mittelfeldspieler Frank Lampard von Chelsea. Der "Player of the match" hatte immerhin drei Mal aufs Tor geschossen. "Niemand kann sich vorstellen, wie heiß es auf dem Platz war. Der Grund für unsere schwache zweite Halbzeit war allein die Hitze", beteuerte auch David Beckham von Real Madrid gestern entschuldigend.

Beckham hatte im ganzen Spiel nicht einmal richtig auf das Tor geschossen, dennoch war er für den Sieg verantwortlich. Seine Freistoß-Flanke hatte Paraguays Abwehrchef und Kapitän Carlos Gamarra in der 3. Minute zum frühesten Eigentor in der WM-Geschichte geköpft. Sehr viel mehr Ballkunst war vom englischen Kapitän während des gesamten Spiels nicht zu sehen. Trotzdem sagte er: "Ich bin richtig zufrieden mit meinem Spiel. Aber natürlich kann und werde ich noch viel besser spielen." Einer, der das glaubt ist Sven-Göran Eriksson, der schwedische Trainer der Engländer: "Ich weiß, dass wir besser spielen müssen, wenn wir die WM gewinnen wollen. Aber wir werden besser spielen."



WM-BÖRSE



Handeln sie die Titelchancen der Teilnehmerländer: Kaufen Sie die Papiere ihres persönlichen WM-Favoriten, setzen Sie auf den weiteren Finalrunden-Verlauf und machen Sie mit dem Vorrunden-Aus der Verlierer Gewinne - Mitspieler können attraktive Preise gewinnen!



 www.handelsblatt.com/wmboerse



Darauf hofft auch die englische Presse, die nicht so richtig zufrieden war mit der Leistung der Mannschaft. Paul Wilson, Kommentator des "Guardian" höhnte in der Onlineausgabe des Blattes: "England könnte Weltmeister werden, weil ein Team, das so armselig spielt und dennoch gewinnt, ganz klar das Glück auf seiner Seite hat." Ex-Beatle Sir Paul McCartney schlug in dieselbe Kerbe: Es sei eine "arme Vorstellung" der englischen Elf gewesen, wird er zitiert. Doch scheinbar hat die Hitze auch die sonst so harsche britische Presse beeindruckt: "Team England leidet unter den Erwartungen und der Hitze", titelte der Sunday Telegraph. "Ein Sieg im Backofen", schrieb die News of the World.

Der Backofen war aber nicht allein der Grund dafür, dass England gegen die harmlose Elf aus Paraguay nur ein mageres 1:0 schaffte. Nach dem frühen Tor drängten die Kicker von der Insel nicht wirklich auf ein weiteres. Die Verunsicherung der Paraguayer nach dem doppelten Rückschlag - in der fünften Minute verletzte sich auch noch ihr Stammtorhüter und musste ausgewechselt werden - nutzten die Briten nicht konsequent aus. Und das in Halbzeit eins, in der Erikssons Elf noch fit war und nach ihren eigenen Maßstäben gut gespielt haben will.

Den englischen Fans war das egal, Hauptsache die Mannschaft hat die drei Punkte geholt. Fast 100 000 rot-weiß gekleidet und geschminkte Engländer feierten den Sieg anschließend in Frankfurt. Ihnen war das schöne Wetter nur Recht. Und das nächste Spiel am Donnerstag gegen Trinidad & Tobago, dass den Schweden überraschend ein 0:0 abtrotzte, wird nicht um 15 Uhr, sondern erst um 18 Uhr angepfiffen. Dann ist es sicherlich auch nicht mehr so heiß...

Grischa Brower-Rabinowitsch
Grischa Brower-Rabinowitsch
Handelsblatt / Ressortleiter Unternehmen & Märkte
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%