Belastungsprobe für DFB-Elf
Verwirrspiel um eine Wade

Obwohl Michael Ballack signalisierte für einen Einsatz gegen Costa Rica ausreichend genesen zu sein, hat sich das Trainerduo Klinsmann/Löw gegen die Teilnahme des DFB-Kapitäns entschieden. Die deutsche Nationalmannschaft hat offenbar ihr erstes Kommunikationsproblem.

HB MÜNCHEN. Das Verwirrspiel um Michael Ballack endete erst 90 Minuten vor dem ersten Anstoß zur Fußball-Weltmeisterschaft - nach einem Machtwort von Jürgen Klinsmann. Eineinhalb Stunden vor der Partie gegen Costa Rica teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Freitag mit, dass der Kapitän im ersten WM-Spiel nicht zum Einsatz kommen werde. Ballack wurde dem Weltverband FIFA offiziell als verletzt gemeldet. "Die Gefahr einer Verletzung ist sehr stark erhöht. Dieses Risiko wollten wir nicht eingehen", sagte Klinsmann- Assistent Joachim Löw Freitagnachmittag im ZDF. "Die Gesundheit steht über allem."

Durch seine am späten Donnerstagabend verbreitete Forderung nach einem Einsatz zum WM-Start habe Ballack die Trainer nicht unter Druck gesetzt, versicherte Löw. "Ich denke, dass er morgen oder übermorgen mit dem Training beginnen kann und dass er in der nächsten Woche gegen Polen spielt", sagte er über den an einer Verhärtung in der rechten Wade laborierenden Ballack.

Die überraschende nächtliche Fitmeldung des Mittelfeldstars hatte Klinsmann in den Stunden bis zum ersten Anstoß in eine Zwickmühle gebracht. Mit seiner Entscheidung gegen einen Ballack-Einsatz zeigte der Bundestrainer auch Konsequenz gegenüber seinem Kapitän. Klinsmann hatte seinem Führungsspieler tags zuvor die erforderliche Turnier- Fitness nach der Wadenblessur abgesprochen und für den Star zunächst Extraschichten im Training angekündigt: "Er muss doppelt so viel arbeiten."

Klinsmann sah sich urplötzlich mit grundsätzlichen Fragen und sensiblen Entscheidungen konfrontiert: Sollte er der Forderung von Ballack ("Ich will spielen") nachgeben? Oder sollte er auch bei seinem wichtigsten Spieler seiner Linie treu bleiben, mit Rücksicht auf den weiteren Turnierverlauf kein Risiko einzugehen? Und ganz grundsätzlich: Konnte er im Fall des eigentlich unverzichtbaren Ballack eine Ausnahme von seinem Fitness-Prinzip machen und den 29- Jährigen trotz einer einwöchigen Trainingspause aufstellen?

Die Problematik beschrieb Franz Beckenbauer am Freitag: "Wadenverletzungen sind gefährlich. Man muss sehr vorsichtig sein. Wenn ihm jetzt etwas passiert, ist die WM für ihn gelaufen", gab der ehemalige Teamchef der Nationalmannschaft zu Bedenken. Im Münchner DFB-Quartier wurde jedenfalls heiß diskutiert.

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