Bernd Schneider - Feingeist des Mittelfeldes: Pässe mit dem Seziermesser

Bernd Schneider - Feingeist des Mittelfeldes
Pässe mit dem Seziermesser

Am Samstag bei den Münchner Bayern ist wieder all sein Können gefragt: Bernd Schneider ist ein begnadeter und erstaunlich genügsamer Fußballer und wohl Bayer Leverkusens wichtigster Spieler.

HB LEVERKUSEN. Er spricht leise, zwar nicht betont leise, aber eben doch so sanft, dass man sich auf seine Stimme konzentrieren muss. Leise zu sein, das ist bei ihm keine Marotte, sondern schlichtweg seine Art. Bernd Schneider ist alles andere als ein Lautsprecher und schon gar kein Schreihals.

Über seinen Job reden mag er kaum, über sich selbst am liebsten gar nicht. Und ein Interview-Termin wie dieser - kurz vor dem Bundesligaspiel gegen Bayern München - dürfte ihm ein Greuel sein. Sagen würde das der Mittelfeldrenner, der seit sieben Jahren in Diensten von Bayer Leverkusen steht, natürlich nie, dazu ist er viel zu höflich. Stattdessen beantwortet Schneider die Fragen, ohne dabei wirklich etwas von sich preiszugeben. "Fußball macht mir immer noch so viel Spaß, wie am Anfang", sagt er trotz der prekären Situation, in der sich Leverkusen in dieser Saison befindet. "Allerdings lässt sich nicht leugnen, dass alles viel ernsthafter, viel verbissener geworden ist. Dabei sollte Fußball doch eigentlich die schönste Nebensache der Welt sein".

Schneider ist heute der wohl wichtigste Spieler bei Bayer überhaupt. Und wie zum Beweis prangt ein riesiges Bernd-Schneider-Plakat an der Außenfassade der BayArena. Will man tatsächlich etwas mehr erfahren über seinen Status, dann sollte man zuhören, was andere über den Nationalspieler zu sagen haben. Wie sein Trainer, Michael Skibbe. Der kennt den 32-Jährigen schon aus seiner Zeit als Bundestrainer, setzt große Stücke auf ihn und weiß, "dass ich mich auf Bernd jederzeit hundertprozentig verlassen kann". Ähnlich dürfte das auch Nationaltrainer Jürgen Klinsmann sehen. Der beorderte Schneider im vergangenen Jahr aus Personalnot gleich mehrfach auf die ungewohnte Position als linker Außenverteidiger. Mit dem Resultat, dass der Instinktfußballer, der sich im WM-Finale gegen Brasilien den Ehrentitel "weißer Brasilianer" verdient hat, Spiele ablieferte, die seinem eigentlichen Können nicht gerecht wurden.

Manch anderer hat da schon aus weit nichtigeren Gründen gegen seinen Trainer aufgemuckt. Schneider aber sagt nur: "Ich spiele dort, wo mich der Trainer hinstellt". Wenn es sein muss auch da, wo weniger Hackentricks und Übersteiger, als Tacklings und Zweikampfhärte gefragt sind. Der Techniker kann auf dem Platz zwar durchaus auch mal rustikal werden, letztlich aber ist er der Feingeist unter den deutschen Mittelfeldspielern.

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