Beschluss des Aufsichtsrats
Hoeneß bleibt Bayern-Boss

Uli Hoeneß wird trotz seiner Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung auch weiterhin Aufsichtsratsvorsitzender und Präsident des FC Bayern bleiben. Der Aufsichtsrat lehnte sein Angebot ab, die Ämter ruhen zu lassen.
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MünchenUli Hoeneß bleibt trotz seiner Steuerhinterziehung Chef des Aufsichtsrats beim Fußball-Rekordmeister FC Bayern München. Das Gremium habe nach intensiver Diskussion einvernehmlich entschieden, dass der 61-Jährige das Amt weiter ausüben solle, teilte der Verein am Montagabend nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Das geschehe auch im Interesse des FC Bayern, der sich voll und ganz auf das Erreichen der weiteren sportlichen Ziele konzentrieren solle, etwa dem Champions-League-Finale und dem Pokalfinale. Der Aufsichtsrat werde die Angelegenheit aber weiter beobachten und sich "bei Vorliegen neuer Erkenntnisse mit dem Thema befassen".

Im Vorfeld war spekuliert worden, Hoeneß könnte sein Amt spätestens nach dem Champions-League-Finale am 25. Mai ruhen lassen. In Medienberichten war zudem von einer schwindenden Unterstützung im Aufsichtsrat für Hoeneß die Rede gewesen. So hatte Anteilseigner Audi Ende April erklärt, das Unternehmen sei der Überzeugung, dass nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg nur sichergestellt werden könne, "wenn Regeln und Normen konsequent befolgt werden. Wir stehen für achtbares, ehrliches und regelkonformes Verhalten im Geschäftsalltag."

Vor wenigen Wochen war bekanntgeworden, dass Hoeneß im Januar mit einer Selbstanzeige die Hinterziehung von Steuern eingeräumt hatte. Er soll nach Medienberichten die Erträge von Kapitalanlagen in der Schweiz vor dem Fiskus verborgen haben. Medienberichten zufolge soll er 3,2 Millionen Euro Steuern nachgezahlt haben. Er habe "Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch", hatte er jüngst in einem Interview erklärt.

Hoeneß hatte den Angaben vom Montag zufolge dem Aufsichtsrat angeboten, sein Amt ruhen zu lassen, bis die zuständigen Behörden über die strafbefreiende Wirkung seiner Selbstanzeige entschieden haben. "Uli Hoeneß hat vor dem Gremium sein Bedauern über den Vorfall ausgedrückt und sich entschuldigt", hieß es.

Im Aufsichtsrat sitzen unter anderem Adidas -Chef Herbert Hainer, Audi-Chef Rupert Stadler, VW-Chef Martin Winterkorn, Telekom -Finanzchef Timotheus Höttges und Ex-HypoVereinsbank-Chef Dieter Rampl. Das Gremium kontrolliert den Verein, der jährlich 300 Millionen Euro umsetzt und finanziell zu den solidesten Fußball-Clubs in Europa zählt. Adidas und Audi halten zudem je 9,1 Prozent der Bayern-Anteile.

Hoeneß war wegen der Affäre unter anderem von Bundespräsident Joachim Gauck kritisiert worden. Wer Steuern hinterziehe, "verhält sich verantwortungslos oder gar asozial", hatte Gauck erklärt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte über einen Sprecher erklärt, auch sie sei enttäuscht von Hoeneß. Dabei stehe dieser auch für viel Positives über den Fußball hinaus. "Diese Verdienste bleiben natürlich, aber es ist jetzt durch die Tatsache der Selbstanzeige wegen Steuerbetruges eine andere, traurige Facette hinzugekommen".

Die Staatsanwaltschaft München prüft derzeit, ob sich Hoeneß im Januar rechtzeitig und vollständig selbst anzeigte, um einer Strafe wegen Steuerhinterziehung zu entgehen. Sollte das nicht der Fall sein, droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe. Das Thema hatte auch zu politischem Streit geführt.

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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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SID Sport-Informations-Dienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Beschluss des Aufsichtsrats: Hoeneß bleibt Bayern-Boss"

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  • Die großen Bosse sind ab sofort nicht mehr glaubwürdig. Orwell läßt grüßen.

  • Wie hätten Sie es denn gerne:

    Kleine oder große Steine. Ich bin zum Wurf bereit.

  • @glaubemir: Was soll der Schwachsinn: "die Aufsichtsräte decken die Steuerhinterziehung"? Bevor Sie so einen Schmarrn veröffentlichen, sollten Sie den Beschluss lesen. Wer Lesen kann, ist im Vorteil!

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