Bestechungsskandal
Fifa-Schlammschlacht wird immer absurder

Die Vorwürfe im Fifa-Bestechungsskandal werden immer absurder. Dieses Mal geht es um den paraguayischen Spitzenfunktionär Nicolas Leoz. Und die Blatter-Gegner haben offenbar weitere Munition parat, die sie am Nachmittag abschießen wollen. Zahlreiche a siatische Verbände haben derweil bereits ihre Konsequenzen gezogen: Sie boykottieren die Präsidentenwahl und reisen ab.
  • 1

BerlinLeoz soll als Gegenleistung für seine Unterstützung der WM-Bewerbung Englands gefordert haben, dass der traditionsreiche englische Pokalwettbewerb nach ihm benannt wird. Dies offenbarte der Anwalt James Dingemans, der nach den englischen Bestechungsvorwürfen gegen vier Fifa-Spitzenfunktionäre einen knapp 200-seitigen Untersuchungsbericht für Englands Fußball-Verband (FA) angefertigt hatte. Dieser Report wurde weitergereicht an den Weltverband (Fifa), der am Montagabend eine 33 Seiten lange Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse veröffentlichte.

Dingemans präsentierte eine E-Mail, in der Leoz über einen Verbandsvertreter verlangt haben soll, dass der FA-Cup, immerhin der älteste Pokalwettbewerb der Welt, seinen Namen trägt. Nach kurzen Diskussionen, ob eventuell ein anderer Wettbewerb nach Leoz benannt wird, habe das Bewerbungskomitee jedoch sämtliche Pläne verworfen. Leoz, seit 1986 Präsident des südamerikanischen Verbandes CONMEBOL, bestreitet alle Vorwürfe. Ex-FA-Chef David Triesman hatte vor drei Wochen sogar behauptet, der 82-Jährige habe einen Ehrenrittertitel für seine Stimme gefordert.

Bei der Parlamentsanhörung am 10. Mai hatte Triesman neben Leoz drei weitere Mitglieder der Fifa-Exekutive der Bestechung bezichtigt. Leoz, Fifa-Vize Jack Warner (Trinidad & Tobago), Brasiliens Verbandschef Ricardo Teixeira und Worawi Makudi (Thailand) hätten "unsachgemäß und unethisch" gehandelt und unlautere Forderungen als Gegenleistung für Stimmen gestellt.

Nach einer ausgiebigen Untersuchung wurden alle vier Funktionäre von den Triesman-Vorwürfen vorläufig entlastet. Es seien keine Beweise gefunden worden, hatte Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke am Sonntag erklärt. Auch Fifa-Präsident Joseph Blatter schloss weitere Ermittlungen vorerst aus. "Es sind keine weiteren Schritte nötig", sagte der Schweizer auf seiner denkwürdigen Pressekonferenz am Montagabend.

Doch die Blatter-Gegner geben sich noch nicht geschlagen und wollen am Tag vor der Wahl des Fifa-Präsidenten noch einmal mit neuen Enthüllungen in der Schlammschlacht um die Macht bei der Fifa zurückschlagen. Nach Informationen des Sport-Informations-Dienstes (sid) findet am Dienstag um 14 Uhr in einem Züricher Nobelhotel eine mit Spannung erwartete Pressekonferenz statt, auf der vier Exekutivmitglieder beschuldigt werden, für die Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an Katar insgesamt 20 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern kassiert zu haben.

Kommentare zu " Bestechungsskandal: Fifa-Schlammschlacht wird immer absurder"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn sich diese Herrn nicht die Taschen mit Geld vollstopfen würden, dann wäre die ganze Angelegenheit einfach eine nette Posse.
    Ein Verband, dessen Führungsstab ein Durchschnittsalter hat, das Methusalem alle Ehre macht, sollte dringend über eine Verjüngungskur nachdenken. Und über seine Statuten - zeitgemäß sind die ja wohl auch nicht mehr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%