Bestechungsvorwürfe
Fifa verhängt Sperren gegen Exekutivmitglieder

Die Fifa hat Sperren gegen die Exekutivmitglieder Amos Adamu und Reynald Temarii ausgesprochen. Beiden wird vorgeworfen, ihre Stimmen für die WM-Vergabe verkauft zu haben.

Der Fußball-Weltverband Fifa hat die Konsequenzen aus dem Korruptions-Skandal gezogen und mehrjährige Sperren verhängt: Weniger als einen Monat nach Bekanntwerden möglicher Manipulationen im Zusammenhang mit der WM-Vergabe 2018 bzw. 2022 wurden am Donnerstag Sperren gegen sechs Offizielle verhängt. Unter anderem die Exekutivmitglieder Amos Adamu (Nigeria) und Reynald Temarii (Tahiti) wurden für drei bzw. ein Jahr von jeglichen Tätigkeiten im Fußball suspendiert, nachdem sie des Verstoßes gegen mehrere Artikel des Fifa-Ethik-Regeln für schuldig befunden worden waren.

"Diese Entscheidungen mussten getroffen werden, und ich glaube, dass unsere Entscheidungen Wirkung zeigen", sagte der Ethik-Kommissions-Vorsitzende Claudio Sulser auf einer Pressekonferenz in Zürich. Man könne die Welt nicht von einen Tag auf den anderen verbessern, "aber wir können damit anfangen", hoffte Sulser.

Als Sprecher der sechsköpfigen Kommission betonte Sulser zudem, dass jeder Fall unterschiedlich gelagert gewesen sei. Neben den beiden Exekutivmitgliedern wurden wurden die Funktionäre Slim Aloulou, Ahongalu Fusimalohi, Amadou Diakite und Ismael Bhamjee für jeweils zwei bis vier Jahre suspendiert. Zudem müssen alle sechs Betroffenen eine Geldstrafe von 5 000 bis 10 000 Schweizer Franken zahlen. Die Kommission hatte darüber hinaus auch die Hinweise auf angebliche Absprachen zwischen Mitgliedsverbänden und ihren Bewerbungskommitees untersucht, jedoch keine ausreichenden Beweise für eine Verletzung der Bewerbungs- und des Ethikreglements gefunden.

Die britische Zeitung Sunday Times hatte den großen Skandal im Oktober mit einer Undercover-Recherche ins Rollen gebracht. Das Blatt hatte ein belastendes Video veröffentlicht, indem die Temarii und Adamu ihre Stimme feilgeboten hatten. Am 20. Oktober waren alle sechs Funktionäre schon provisorisch suspendiert worden.

"Wir haben gemacht, was notwendig war", betonte Sulser immer wieder. Natürlich gehe der Skandal mit einem "großen Image-Schaden für die Fifa einher", deshalb habe die Kommission Tag und Nacht gearbeitet: "Mit der schnellen Entscheidung haben wir gezeigt, was uns daran liegt."

Nur 22 Mitglieder entscheiden über WM-Vergabe

Am 2. Dezember werden nur 22 statt 24 Exekutiv-Mitglieder, darunter auch "Kaiser" Franz Beckenbauer als deutscher Vertreter, in Zürich über die Vergabe der WM-Endrunden 2018 und 2022 entscheiden.

Sulser kündigte zwar an, die beiden vakanten Positionen danach temporär neu zu besetzen, schloss allerdings auch eine Rückkehr von Adamu und Temarii nach abgeleisteter Suspendierung nicht aus. Für die WM 2018 haben sich Belgien/Niederlande, Spanien/Portugal sowie England und Russland beworben. Die WM vier Jahre später wollen Australien, Japan, Südkorea, Katar und die USA austragen.

Die Fifa hatte in diesem Zusammenhang sogar geprüft, ob Doppelbewerbungen noch zeitgemäß seien. Sulser machte den betroffenen Bewerbern Spanien und Portugal sowie Belgien und den Niederlanden aber Hoffnung: "Das Spiel ist schon eröffnet und man kann eigentlich nicht während eines Spiels die Regeln ändern", sagte Sulser.

In einer persönlichen Ansprache richtete sich Sulser zudem an die anwesenden Journalisten. Er respektiere deren Arbeit zwar, sei aber brüskiert darüber, "wie oftmals Tatsachen verdreht werden". Die Arbeit der britischen Journalisten habe aber keine negativen Auswirkungen auf die Chancen Englands um die WM-Vergabe 2018: "Ich wünsche England viel Glück", sagte Fifa-Generalsekretär Jéróme Valcke versöhnlich.

© SID

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