Bestechungsvorwürfe Schweiz liefert ersten Fifa-Funktionär aus

Der erste der festgenommenen Fifa-Funktionäre ist in die USA ausgeliefert worden. Berichten zufolge handelt es sich um den ehemaligen Fifa-Vizepräsiddenten Jeffrey Webb. Er könnte für die Justiz als Zeuge wichtig werden.
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Laut übereinstimmenden Berichten soll es sich bei dem ersten ausgelieferten Fifa-Funktionär um Jeffrey Webb handeln. Quelle: ap
Jeffrey Webb

Laut übereinstimmenden Berichten soll es sich bei dem ersten ausgelieferten Fifa-Funktionär um Jeffrey Webb handeln.

(Foto: ap)

BernDie Schweiz hat einen der sieben wegen Korruptionsverdacht festgenommenen Fifa-Funktionäre an die USA ausgeliefert. Der Mann wurde bereits am Mittwoch von drei US-Polizeibeamten am Airport Flughafen Zürich übernommen und von ihnen nach New York begleitet, wie das Bundesamt für Justiz in Bern am Donnerstag bestätigte. Er sei Mittwochabend (MESZ) in New York angekommen.

Der Mann, dessen Identität die Schweizer Behörden zunächst geheim hielten, soll sich nun vor der US-Justiz verantworten. Ihm wird laut Bundesamt für Justiz von der New Yorker Staatsanwaltschaft vorgeworfen, „im Zusammenhang mit dem Verkauf von Marketingrechten an verschiedene Sportvermarktungsfirmen Bestechungsgelder in Millionenhöhe angenommen und für sich behalten zu haben“.

In zunächst nicht bestätigten US-Medienberichten hieß es, es könne sich dabei um den Präsidenten des nord- und zentralamerikanischen Fußballverbandes Jeffrey Webb handeln, ein enger Vertrauter von Fifa-Chef Joseph Blatter. Der ausgelieferte Funktionär hatte laut Schweizer Justizangaben seiner Überstellung an die USA zugestimmt.

Keine Lichtgestalt für die Fifa in Sicht
Joseph Blatter
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Nach dem Rücktritt des Fifa-Chefs sprießen die Gerüchte um seine Nachfolge: Viele Namen werden genannt, doch kaum ein gehandelter Kandidat erscheint realistisch auf dem Fußballthron. Außerdem bietet kaum einer der potenziellen Fußballkönige einen wirklichen Neuanfang. Die Kandidaten.

Zwei Kandidaten
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Ein Team? Fifa-Päsident Sepp Blatter (Mitte) mit Uefa-Chef Michel Platini (links) und Franz Beckenbauer 2007 bei einem Benefizspiel der Fifa: Die Liste der möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Blatter ist jedoch viel länger und vielfältiger.

Franz Beckenbauer
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Seine Popularität nutzte der „Kaiser“ bereits, um die WM 2006 nach Deutschland zu holen – auf ihn als Präsidenten könnte sich die Fußball-Welt sicher einigen. Als Exko-Mitglied war er allerdings bei der skandalumwitterten WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 im Dezember 2010 beteiligt. Ob er überhaupt antreten würde, ist fraglich.

Uefa-Chef Michel Platini
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Michel Platini steht seit 2007 an der Spitze der Uefa, des europäischen Fußballverbands. Doch eine weltweite Unterstützung für den zuletzt Blatter-kritischen Platini erscheint zumindest derzeit fraglich. Denn er ist vorbelastet: Schließlich war er an der Vergabe der WM nach Russland beteiligt. Außerdem ist sein Sohn für Katar aktiv. Und er war lange ein enger Vertrauter von Blatter, also Teil des alten Fifa-Systems. Dennoch stehen die Chancen für einen europäischen Kandidaten nicht schlecht...

Wolfgang Niersbach
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DFB-Chef Wolfgang Niersbach (64) spielt sich mit solchen Sätzen auch nicht gerade in den Vordergrund: „Das ist noch alles so frisch, ich gehe davon aus, dass diese neue Situation auch ganz neu bewertet werden muss“, sagte Niersbach nach dem Blatter-Rückzug. Dabei müsse man sich auch mit der Frage beschäftigen, ob Europa und die UEFA „einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken“. Er selbst ist damit ja wohl nicht gemeint. Wer dann?

Luis Figo
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Im Vorfeld der Wiederwahl Blatters am vergangenen Freitag hatte der ehemalige Weltfußballer Luis Figo (42) eine Kandidatur vorbereitet – diese dann aber, genau wie der Niederländer Michael van Praag, zurückgezogen. „Wir sollten verantwortlich und ruhig eine gemeinsame weltweite Lösung finden finden.“ Mit dieser unschlüssigen Haltung hat er öffentlich jedenfalls nicht gepunktet.

Prinz Ali bin Al Hussein
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Prinz Ali hatte die Wahl zum Fifa-Präsidenten am Freitag mit 73:133 Stimmen gegen Blatter verloren. Theoretisch steht er nach dem Rücktritt des Schweizers zwar für Neuwahlen bereit. Ex-DFB Chef Theo Zwanziger hält den jordanischen Prinzen Ali bin Al Hussein (39) aber für keinen geeigneten Nachfolger Blatters. „Das ist ein junger, relativ unerfahrener Mann, der in dem gleichen System, was vorher bestand, von den Konföderationen gesteuert worden wäre.“

Der Mann könnte von den US-Behörden auch als wichtiger Zeuge vernommen werden. Insgesamt wurden 14 Personen aus mehreren Ländern in dem jüngsten Fußball-Skandal vom US-Justizministerium beschuldigt.

Die US-Behörden ermitteln wegen des Verdachts der Annahme von Bestechungsgeldern in Millionenhöhe im Zusammenhang mit der Vergabe der Weltmeisterschaften an Russland 2018 und Katar 2022. Der Generalsekretär des US-Fußballverbandes, Dan Flynn, hat bei einer Senatsanhörung am Mittwoch in der US-Hauptstadt Washington eingeräumt, seit längerem ein „ungutes Gefühl“ bei Entscheidungen der Fifa gehabt zu haben.

Bei der Befragung durch den Verbraucherschutz-Ausschuss im US-Senat, der auch für Sport zuständig ist, ging es sowohl um die Vorwürfe von Schmiergeldzahlungen bei WM-Vergaben als auch um die Ausbeutung von ausländischen Arbeitern auf WM-Baustellen in Katar. Der Senat ist eine der beiden Kammern des US-Parlaments.

Der jetzt von der Schweiz in die USA ausgelieferte Fifa-Spitzenmann war am 27. Mai mit sechs anderen Funktionären des Verbands in Zürich festgenommen worden. In einer ersten Anhörung hatte er sich – wie die anderen – einer Auslieferung an die USA noch widersetzt.

Die USA mussten deshalb ein formelles Auslieferungsersuchen stellen. Im Fall der anderen sechs Festgenommenen läuft es noch. Dazu fänden weitere Anhörungen statt, sagte Justizsprecher Raphael Frei. Den Fifa-Funktionären drohen laut Auslieferungsbegehren der USA Verfahren wegen organisierten Verbrechens, Betrug, Geldwäscherei und Bestechung mit Haftstrafen von bis zu 20 Jahren.

  • dpa
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