Bewegter Titan Oliver Kahn zurückgetreten
Der große Abgang eines großen Torhüters

Torwart-Titan Oliver Kahn hat die große Bühne des Spiels um den dritten Platz stilecht mit einer Weltklasseleistung für seinen Abschied aus der Nationalmannschaft genutzt. Anschließend zeigte er sich sichtlich bewegt - und trug sogar die Feindschaft mit Jens Lehmann endgültig zu Grabe.

STUTTGART. Als der Schlusspfiff ertönte, reckte Oliver Kahn zuerst kurz die Arme in den Stuttgarter Abendhimmel. Doch nur einen Bruchteil einer Sekunde später sank er zu Boden und setzte sich schließlich für einen Moment ganz still und mutterseelenallein in seinen Strafraum - so als wolle er der ganzen Fußball-Welt sagen "Das war?s."

Während der Rest der Mannschaft sich bereits gegenseitig in die Arme fiel und in die ausgelassene Party der Fans mit einstimmte, blieb Kahn inmitten von 52 000 außer Rand und Band feiernden Fans für einen Moment ganz allein und hatte mit seinen Emotionen zu kämpfen. Einige Augenblicke später harrte er vor der Siegerehrung noch einmal für eine kleine Ewigkeit allein im Mittelkreis aus, drehte sich ungläubig und staunend in allen Richtungen und sog die Einzigartigkeit des Moments förmlich in sich auf. "Das waren überwältigende Augenblicke. Man muss sich mal überlegen, was gewesen wäre, wenn wir Weltmeister geworden wären", gab der ein letztes Mal inthronisierte "King Kahn" später bewegt zu Protkoll. "Es war einer der größten, wenn nicht der größte emotionale Moment, an den ich mich erinnern kann." Es war ein Abschied aus dem Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, wie er stimmungs- und stilvoller nicht hätte sein können.

Schon beim ersten Fernsehinterview offenbarte er, womit zu rechnen war: Er, der Torwart-Titan, der durch seine Ausbootung wenige Wochen vor der WM gedemütigte, 2002 zum besten Spieler der WM 2002 gekürte Ausnahmetorhüter, der sich dennoch auf die deutsche Bank gesetzt und damit Sympathiepunkte wie in seinem ganzen Fußballerleben zuvor nicht gesammelt hatte, macht Schluss in der Nationalmannschaft. "Das war heute mein letztes Länderspiel - und ein schöneres letztes Länderspiel kann man sich kaum wünschen. Es war eine schöne Zeit, aber man muss wissen, wann es vorbei ist", sagte der Torwart vom deutschen Meister Bayern München.

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