Bewerber für die EM 2012
Ungarn Kroatien: Hoffen auf einen Entwicklungsschub

Die ungleichen Kandidaten Ungarn und Kroatien hoffen auf die Europameisterschaft 2012 - und damit auf einen Entwicklungsschub für ihr Land.

dpa BUDAPEST/ZAGREB. Der in Ungarn dahindümpelnde Fußball mit nur geringem Fan-Interesse solle durch die EM endgültig den Durchbruch schaffen, hofft Tamas Gyarfas, Präsident des Bewerberkomitees seines Landes. Kroatien kalkuliert hingegen mit einer sonst unbezahlbaren Werbung für seinen Tourismus und einer Charmeoffensive dieses erst eineinhalb Jahrzehnte alten Staates.

„Wir würden lieber den EM-Zuschlag erhalten als mit Kroatien Weltmeister werden“, sagt Vlatko Markovic, Präsident des kroatischen Fußballverbandes. „Langfristig wäre das viel nützlicher für unser Land.“ Auch die Regierung sieht durch die Euro 2012 eine ausgezeichnete Chance, die Konjunktur anzukurbeln. Denn die Kosten von 750 Mill. Euro könnten leicht durch die erwarteten 150 000 Besucher wieder eingespielt werden. Von den TV-Gebühren und Werbeeinnahmen ganz zu schweigen.

Kroatien sieht sich bereits heute bestens gerüstet. Als Tourismusland verfügt es schon jetzt mit 900 000 Betten über eine ausreichende Infrastruktur. Auch die erst in den vergangenen Jahren fertig gestellten modernen Autobahnen und Flughäfen sprächen für das Land. Für die 367 Mill. Euro teure Renovierung von vier Stadien will die Regierung Garantien übernehmen. Für das fußballverrückte Land wäre die EM die Erfüllung eines Traumes.

Ganz anders ist die Lage in Ungarn, dessen Nationalteam sich bereits seit mehr als 20 Jahren nicht mehr für ein großes internationales Turnier qualifizieren konnte. Die Ligaspiele erregen das Interesse von nur wenigen tausend Fans, und der erfolgreichste Club, Ferencvaros Budapest, steht vor dem Bankrott. Zwar hat sich die Regierung für die veranschlagten 870 Mill. Dollar (648 Mill. Euro) an EM-Kosten stark gemacht, doch ob die Bevölkerung dafür höhere Steuerlasten hinnehmen wird, ist offen.

Chef-Bewerber Gyarfas sieht gerade in den Fußball-Problemen des Landes die Chance für den EM-Zuschlag. Denn damit solle die UEFA den „Kellerkindern“ des europäischen Fußballs helfen, gegenüber den Top- Ländern Boden gut zu machen. „Gebt uns eine Chance“, lautet denn auch die Überschrift über der offiziellen Kandidatur. Nur so könne ein Schritt in Richtung Balance zwischen Arm und Reich gemacht werden.

Beide Bewerberländer führen als Plus gegenüber den Konkurrenten ihre günstige geographische Lage mitten in Europa ins Feld. Und schließlich sollten doch die vielen Skandale in Italiens Fußball am Ende nicht noch mit der Austragung der EM belohnt werden, heißt es in Budapest und Zagreb.

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