Bewerbungsfrist endet Deutschland Favorit als Ausrichter für EM 2024

DFB-Präsident Grindel ist vom Projekt EM 2024 in Deutschland fest überzeugt. Und er hat allen Grund für Optimismus: Bisher gibt es in der Türkei nur einen Mitbewerber. Am Freitag entscheidet sich, ob das so bleibt.
Kommentieren
Gibt es nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bald das nächste Fußball-Großereignis in Deutschland? Im Rennen um die Austragung der Europameisterschaft im Jahr 2024 gilt Deutschland jedenfalls als Favorit. Quelle: dpa
Sommermärchen reloaded?

Gibt es nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bald das nächste Fußball-Großereignis in Deutschland? Im Rennen um die Austragung der Europameisterschaft im Jahr 2024 gilt Deutschland jedenfalls als Favorit.

(Foto: dpa)

Berlin/NyonMit dem Leuchtturmprojekt aus den Negativschlagzeilen – der Deutsche Fußball-Bund will 2024 unbedingt die Europameisterschaft ausrichten und damit nach dem Skandal um die WM-Vergabe 2006 wieder für positive Nachrichten sorgen. Mindestens ein Konkurrent hat jedoch etwas dagegen. Ob sich neben Deutschland und der Türkei noch weitere Länder um die Ausrichtung des Turniers bewerben, entscheidet sich spätestens am Freitag. Dann läuft die Bewerbungsfrist der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ab. Eine Woche später will die UEFA dann die Bewerber bekanntgeben.

In Sicht sind weitere Bewerbungen derzeit nicht. Schweden, Dänemark, Norwegen, Island und Finnland hatten sich zuletzt von der Idee verabschiedet, sich gemeinsam um die EM zu bemühen. Nicht zuletzt wegen der politischen Lage in der Türkei gilt Deutschland als Favorit. Das weiß auch Reinhard Grindel, der die EM schon vor seiner Wahl zum DFB-Präsidenten zum „Leuchtturmprojekt“ erklärt hatte.

Elf Köpfe im Sommermärchen-Skandal
Franz Beckenbauer
1 von 11

Der Imageschaden ist enorm, der einstige deutsche Fußball-Kaiser schon lange nicht mehr unantastbar. Als Chef des Organisationskomitees steht er in der Hauptverantwortung – und kann einen Geldfluss in Millionenhöhe von seinem Konto nie schlüssig erklären. Stattdessen überrascht sein Geschäftsverhalten, „immer alles einfach unterschrieben“ zu haben. Ein Verfahren gegen ihn in der Schweiz wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs läuft. Dass er für das vermeintliche Ehrenamt über einen Werbedeal von DFB und OK 5,5 Millionen Euro kassierte, lässt Beckenbauer in der öffentlichen Gunst weiter sinken.

Wolfgang Niersbach
2 von 11

Als DFB-Präsident ist sein Rücktritt unausweichlich, seine Ämter in den Exekutiven von Uefa und Fifa verliert er wegen einer Einjahressperre durch die Ethikhüter des Weltverbands. Sein miserables Krisenmanagement samt ungenügender Informationspolitik des DFB-Präsidiums werden ihm zum Verhängnis. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen Steuerhinterziehung gegen ihn, Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt, das Trio steht auch im Fokus der Schweizer Behörden.

Horst R. Schmidt
3 von 11

Niersbachs Vorgänger als DFB-Generalsekretär galt stets als Pragmatiker und Hirn der deutschen WM-Organisation. Doch auch sein tadelloser Ruf hat gelitten, nicht nur durch die laufenden Ermittlungen.

Theo Zwanziger
4 von 11

Der Gesprächigste aus dem inneren DFB-Zirkel. Der frühere Verbandschef weist sehr gerne auf Versäumnisse anderer Beteiligter hin, muss aber auch selbst einen Zeitpunkt über die Abwicklung der Rückzahlung des entscheidenden Kredits von 6,7 Millionen Euro revidieren. Kritiker werfen ihm einen Rachefeldzug gegen seinen Intimfeind Niersbach vor.

Günter Netzer
5 von 11

Nur drei Tage vor dem Gerichtstermin legen der frühere Mittelfeld-Regisseur und Zwanziger im April ihren öffentlichen Streit bei. Zwanziger behauptete, Netzer habe bei einem Treffen 2012 einen Stimmenkauf von vier asiatischen Fifa-Funktionären vor der WM-Vergabe bestätigt. Netzer wies dies zurück.

Mohamed bin Hammam
6 von 11

Über Umwege landen zehn Millionen Schweizer Franken (6,7 Millionen Euro) vom DFB auf einem Konto eines Unternehmens, dessen alleiniger Anteilseigner der skandalumwitterte Katari ist. Warum? Um asiatische Fifa-Wahlmänner nachträglich zu bezahlen? Der Untersuchungsbericht der durch den DFB beauftragten Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer gibt abschließend keine Antwort, bin Hammam schweigt.

Joseph Blatter
7 von 11

Eine zweite Theorie zum Verbleib der Millionen, die auch aus DFB-Kreisen gestützt wird: Der Fifa-Chef habe schwarze Kassen im letztlich erfolgreichen Wahlkampf gefüllt. Der inzwischen gesperrte Schweizer dementiert.

„Wir sind so selbstbewusst zu sagen, dass wir mit unserer großen Erfahrung, der bestehenden Stadioninfrastruktur in Deutschland und den bereits vorhandenen Rahmenbedingungen ein kostengünstiges, erstklassiges Turnier ausrichten können“, sagte Grindel.

Nachdem er am Mittwoch die deutsche Bewerbungserklärung bei der UEFA abgegeben hatte, verkniff er sich auch einen Seitenhieb gegen den wohl einzigen Mitbewerber nicht. „Daneben ist für Spieler, Fans und Presse garantiert, dass in unserem Land die freiheitlichen Grundrechte gelten“, sagte er. Die Türkei hatte sich bereits um die EM 2016 beworben, war damals aber mit 6:7 Stimmen an Frankreich gescheitert. Den Ausschlag gab auch das Votum des damaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger. Der DFB hatte sich für Frankreich ausgesprochen, da von den Nachbarn im Gegenzug die Frauen-WM 2011 in Deutschland unterstützt worden war.

Bei seiner Bewerbung will der DFB mit der Antikorruptionsorganisation Transparency International zusammenarbeiten. Diskussionen um dubiose Geldflüsse und undurchschaubare Bewerbungsprozesse soll es diesmal nicht geben – anders als nach der WM 2006.

Mit welchen Spielorten sich Deutschland um die Ausrichtung bewirbt, ist noch nicht klar. Der DFB hat reichlich Auswahl: Berlin, Dortmund, Frankfurt, Köln, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Kaiserslautern, Leipzig, München, Nürnberg, Stuttgart, Düsseldorf, Mönchengladbach, Bremen, Freiburg und Karlsruhe haben sich als Ausrichterstädte beworben. Dresden hatte ebenfalls Interesse signalisiert, ist als 18. Bewerberstadt jedoch schon aus dem Rennen, weil das Stadion nicht die Mindestanforderung von 30 000 Sitzplätzen erfüllt.

Nur zehn Kandidaten erhalten den Zuschlag. Welche das sind, will der DFB am 15. September 2017 entscheiden. Etwa ein Jahr später verkündet die UEFA dann den EM-Gastgeber und entscheidet damit, ob das Leuchtturmprojekt des DFB die nächste Phase erreicht.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Bewerbungsfrist endet - Deutschland Favorit als Ausrichter für EM 2024

0 Kommentare zu "Bewerbungsfrist endet: Deutschland Favorit als Ausrichter für EM 2024"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%