Bezahlfernsehen boomt
Stadien wie im Mittelalter

Überhöhte Ticketpreise, fehlender Komfort und Angst vor Krawallen – in Italien bleiben die Tifosi lieber daheim und schauen Fußball im Pay-TV.

MÜNCHEN. Es war das Spitzenspiel in der italienischen Serie A. Der AS Rom empfing Sonntag Abend den AC Mailand. Tommasi, Totti und Ex-Bayernstar Kuffour gegen Nesta, Schewtschenko und Kaká. Die Roma gewann mit 1:0, und Milan vergab die vielleicht letzte Chance auf die Meisterschaft. Schließlich hat Titelverteidiger Juventus Turin an der Tabellenspitze schon Vorsprung. Es droht also Langeweile.

Schon jetzt kommen kaum noch Fans in die Arenen. Mit 21 000 Besuchern kommen im Schnitt gerade einmal halb so viele Menschen in die Stadien wie in der Bundesliga. Die 58 000 Zuschauer im Olympiastadion in Rom waren dabei eher die Ausnahme – egal, ob Inter, Lazio, Juve oder Sampdoria – sie spielen vor gähnend leeren Tribünen. Die Vereine jammern über 20 Prozent weniger Zuspruch gegenüber dem Vorjahr. Das hängt auch damit zusammen, dass sich biedere Provinzklubs wie Ascoli, Treviso und Empoli in der Liga tummeln, während Traditionsvereine wie Hellas Verona, AC Bari und SSC Neapel in der Serie B oder C herum dümpeln.

Hauptursache für die Misere sind jedoch die überzogenen Kartenpreise. Selbst für ein unattraktives Spiel wie Messina gegen Siena müssen die Tifosi mittlerweile zwischen 15 und 120 Euro bezahlen. Zum Vergleich: Beim MSV Duisburg kostet das teuerste Ticket 33 Euro.

Ein weiterer Grund für die Zuschauerkrise: Die Stadien sind in einem schlechten Zustand. Kaum Parkplätze, weitläufige Leichtathletikbahnen, schlechte Sicht, kein Sitzkomfort, veraltete Toiletten, auch Essensstände oder Getränkebuden sucht man meist vergebens – alles in allem wenig einladend. „Im Vergleich zur Veltins-Arena auf Schalke wirken unsere Stadien wie aus dem Mittelalter“, sagt Juve-Verteidiger Fabio Cannavaro.

Seit Ende der achtziger Jahre, als sich das Land für die WM 1990 vorbereitete, ist nicht mehr viel passiert in Florenz, Palermo, Parma und Udine. Den Uefa-Normen entsprechen die Arenen schon lange nicht mehr.

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