BGH prüft Urteile
Alles oder Nichts für Hoyzer

dpa LEIPZIG. Der größte Wettskandal in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist erneut ein Fall für die Justiz. Am 28. November überprüft der Bundesgerichtshof (BGH) die Verurteilung des früheren DFB-Schiedsrichters Robert Hoyzer und der kroatischen Brüder Sapina.

Insbesondere für den 27 Jahre alten Hoyzer geht es dabei um Alles oder Nichts: Nach der bereits verhängten lebenslangen Sperre als Schiedsrichter muss er ins Gefängnis, sollte der 5. BGH-Strafsenat in Leipzig das Urteil des Berliner Landgerichts bestätigen. Ob das Urteil vom November 2005 rechtskräftig wird, gilt jedoch als völlig offen. Die Spannbreite reicht vom Freispruch bis zur Neuauflage des Prozesses.

Selbst Bundesanwalt Hartmut Schneider blickt voller Spannung auf die Verhandlung. „Kernfrage ist, ob das Platzieren verschiedener Wetten auf manipulierte Fußballspiele tatsächlich eine Täuschung darstellt“, erklärte er. Das Berliner Landgericht war von einem Betrug ausgegangen. In Folge dessen wurde Drahtzieher Ante Sapina wegen Betruges in zehn Fällen zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und elf Monaten verurteilt. Der heute 30-Jährige hat laut Urteil Schiedsrichter, darunter Hoyzer, für Spielmanipulationen bezahlt.

Ex-Schiedsrichter Hoyzer erhielt wegen Beihilfe in sechs Fällen eine Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten. Weitere Angeklagte waren der ehemalige Schiedsrichter Dominik Marks (31), zwei 39 und 41 Jahre alte Brüder von Sapina und in einem weiteren Verfahren der Ex- Fußballprofi Steffen Marx (39). Sie wurden wegen Beteiligung an mehreren Betrugsfällen jeweils zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Nicht nur die Verteidigung, die mit der Revision vor dem BGH um einen Freispruch der Beteiligten kämpft, hat Zweifel an diesem Urteilsspruch. Auch die Bundesanwaltschaft möchte eine grundsätzliche Prüfung und hat die mündliche Verhandlung beantragt. Dabei geht es um die Frage, ob der im Strafgesetz enthaltene Betrugs-Paragraf Manipulationen wie die im Wettskandal erfasst. „Möglicherweise kann nach der bisherigen Gesetzeslage keine Verurteilung erfolgen und es ist ein Sonderstraftatbestand erforderlich“, erläuterte Bundesanwalt Schneider. Die bisherige Rechtsprechung des BGH in vergleichbaren Fällen bietet keine Sicherheit. Die zwei vorliegenden Urteile des 3. und 5. Senats sind gegensätzlich ausgefallen.

Sollte der 5. Strafsenat bei seiner Bewertung von 1961 im Fall von Pferdewetten bleiben, könnte die Verhandlung in Leipzig mit einem Freispruch für die Angeklagten enden. Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Bundesrichter wie in den Revisionen aufgeführt Rechtsfehler entdecken, das Urteil aufheben und den Fall zur erneuten Verhandlung nach Berlin zurückverweisen. Letzte Variante: Der BGH hat keine Einwände, bestätigt die Berliner Entscheidung und das Urteil ist damit rechtskräftig. Dann werden Hoyzer und Ante Sapina zügig ihre Haftstrafen antreten müssen.

Hoyzer wird diese Entscheidung, die möglicherweise noch am Verhandlungstag fällt, nicht im Gerichtssaal in Leipzig verfolgen. „Unser Mandant wird nicht an der Hauptverhandlung teilnehmen“, sagte sein Anwalt Cato Dill. Gleiches ist von den Verteidigern der anderen Angeklagten zu vernehmen. Im Gegensatz zu der Verhandlung in erster Instanz müssen sie vor dem BGH nicht erscheinen. Um dem erwarteten Andrang gerecht werden zu können, verlegte der BGH den Prozess in den Großen Saal des Bundesverwaltungsgerichts. Der eigene Dienstsitz, eine Nebenstelle zu Karlsruhe, bietet nur begrenzt Kapazität.

Unabhängig vom Geschehen beim BGH läuft ein Streit um Schadenersatzforderungen vor dem Landgericht Berlin weiter. Die Deutsche Klassenlotterie fordert von den Sapina-Brüdern und Hoyzer Schadensersatz für zu Unrecht ausgezahlte Wettgewinne. Der Prozess war im Juli zunächst ausgesetzt worden, weil die Prozessgegner eine außergerichtliche Einigung erzielen wollten. Dies scheint gescheitert zu sein. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin treffen sich die Parteien am 12. Dezember erneut vor Gericht.

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