Bielefeld gegen Gladbach
Klamm bei Kasse – der Pokal muss her

Drittligist Arminia Bielefeld ist der letzte unterklassige Verein im DFB-Pokal. Im Viertelfinale treffen die Ostwestfalen auf Gladbach. Warum sich das Spiel für die Arminia so sehr lohnt. Und warum sie den Sieg braucht.
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DüsseldorfIm Bielefelder Westen steht ein schmuckes Stadion, in das sie heute Abend wieder zuhauf pilgern werden. Mit dem Schal um den Hals, der Fahne in der Hand und gepuscht von der Euphorie Richtung Schüco-Arena, unter Traditionalisten auch als Alm bekannt. 26.137 Fußball-Freunde, abzüglich der etwa 3000 Gäste, werden zum dritten Mal in dieser Spielzeit auf die große Überraschung ihres DSC Arminia im DFB-Pokalwettbewerb hoffen. Nach Hertha BSC und dem SV Werder Bremen treffen die Ostwestfalen im Viertelfinale auf den Bundesliga-Dritten Borussia Mönchengladbach (19 Uhr).

Ein erneuter Erfolg täte dem wirtschaftlich klammen Traditionsverein nur allzu gut. Ein Minus von 25,7 Millionen Euro belasten die Konten der DSC-Gruppe – überwiegend Überbleibsel aus einer Zeit Mitte der 2000er Jahre, als das Stadion eine neue Haupttribüne bekam. Die Kosten für den Ausbau sollen von anfangs acht auf 19 Millionen Euro explodiert sein. Vor fünf Jahren kam der Hilferuf: Arminia Bielefeld war zahlungsunfähig, dem Verein drohte die Insolvenz. Konten wurden gesperrt. Gläubiger warteten auf ihr Geld. Schließlich erhielt der Verein doch die Lizenz, nachdem durch Darlehen, Stundungen, eine Fan-Anleihe und vorgezogene Zahlungen von Sponsoren die Deckungslücke vorerst geschlossen werden konnte.

Seither hat sich auf der Alm einiges getan – vor allem strukturell. 2011 stimmten die Mitglieder einer Ausgliederung des Stadions in die DSC Arminia Bielefeld Arena- und Liegenschafts-Management (kurz ALM) GmbH & Co. KG zu, deren Hauptgesellschafter der Verein ist. Ziel: Die Schulden übertragen und die finanzielle Belastung des Vereins reduzieren. Ohne diesen Schritt hätte der Verein sehr wahrscheinlich keine Lizenz bekommen. So weit kam es jedoch nicht.
In Zukunft sollen weitere Investoren für die Stadiongesellschaft gewonnen werden. Denn das Minus ist geblieben. Geschäftsführer Marcus Uhlig: „Viel entscheidender als die Höhe der Verbindlichkeiten ist allerdings, dass wir in der Lage sein müssen, den Kapitaldienst zu leisten.“ Also alle Ausgaben bedienen zu können, die aus Schulden stammen, vor allem Zinsen und Tilgung.

Entsprechend zufrieden, gleichwohl keineswegs euphorisch registriert Uhlig die jüngsten Einnahmen aus dem Pokal-Wettbewerb. Durch den Vorstoß bis ins Viertelfinale hat der Verein nach Angaben des Geschäftsführers etwa 1,7 Millionen Euro umgesetzt. Kassensturz ist jedoch erst am Saison- beziehungsweise Jahresende. Erst dann wird sich zeigen, ob und wie stark die klamme Klub-Kasse wirklich entlastet werden kann. Schließlich müssen vom Umsatz unter anderem Sonderprämien für Spieler, Kosten für das Stadionpersonal oder das Catering „in deutlicher sechsstelliger Höhe“ (Uhlig) abgezogen werden.

Zudem betont der Geschäftsführer die Wichtigkeit des Ligabetriebs: „Natürlich sind wir als Drittligist über jeden Sonderertrag froh. Aber man muss die Kirche im Dorf lassen“, betont Uhlig. „Die beste Pokal-Performance hilft nichts, wenn wir am Ende nicht in der dritten Liga erfolgreich sind.“

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