Bielefeld im Pokalhalbfinale
Das Wunder von der Alm

Arminia Bielefeld feiert unerwartete Erfolge – sportlich wie wirtschaftlich. Der Klub spielt heute im DFB-Pokal gegen den VfL Wolfsburg. Und steht vor der Rückkehr in die 2. Liga. Der Imagewandel der Ostwestfalen.
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DüsseldorfEs gibt da diesen hartnäckigen Mythos. „Bielefeld? Gibt’s doch gar nicht“, rutschte es einst einem Freund des deutschen Informatikers Achim Held heraus, als er auf einer Studentenparty jemanden aus Ostwestfalen traf. Geboren war die so genannte Bielefeld-Verschwörung, eine Satire, die seither Existenz und Existenzrecht der Stadt anzweifeln.

Die meisten Bielefelder reagieren auf den sich hartnäckig haltenden Scherz knorrig und genervt, stur ertragen sie den Spott. Dass es an der Existenz der Stadt im Herzen Ostwestfalens mit ihren mehr als 320.000 Einwohnern keine Zweifel gibt, veranschaulichen nicht nur umsatzstarke Mittelständler wie Dr. Oetker oder Schüco, sondern derzeit vor allem die Fußballer des DSC Arminia.

Der Verein, einstmals in der 1. Bundesliga etabliert, steht kurz vor der Rückkehr in die 2. Liga. Bundesweit erregt die Mannschaft von Trainer Norbert Meier allerdings mehr Aufsehen, weil sie bis ins Halbfinale des DFB-Pokals vorgedrungen ist. Die Bundesligisten Hertha BSC, Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach erfuhren leidvoll, was es heißt, sich gegen einen Außenseiter zu blamieren.

Heute Abend nun könnte der DSC mit einer erneuten Sensation gegen den VfL Wolfsburg den größten Erfolg der Vereinshistorie feiern. „Wir erleben jetzt die Ernte von dem, was wir vor zwei, drei Jahren angefangen haben. Das Umdenken, das neue Konzept der Außendarstellung war ein wichtiger Schritt“, sagt Marketing-Leiter Christian Venghaus, der vor fast drei Jahren eine Marketing- und Imageoffensive mit angestoßen hat. Und die hatten die Arminen auch bitter nötig.

Insolvenz-Meldungen, eine Rotlicht-Affäre von Ex-Geschäftsführer Ralf Schnitzmeier und sportliche Abstürze: Der Ruf des DSC war mächtig ramponiert. Und so saßen nach einer verkorksten Drittliga-Saison im Jahr 2012 Vertreter der größten Sponsoren, Fans, Mitglieder und Gremiumsmitglieder an einem Tisch und sinnierten über eine Neuausrichtung.

„Unsere zentrale Frage war: Wer sind wir? Was zeichnet uns als Verein aus?“, erinnert sich Christian Venghaus. Die Antwort und damit die Kernbotschaft: „Wir sind vor allem ein regionaler Verein. Darauf müssen, darauf wollen wir uns konzentrieren“, sagt der Marketing-Chef. Das ist klassische Markenarbeit, wie sie in der Regel Wirtschaftsunternehmen betreiben.

Am Ende stand ein Leitkonzept – überschrieben mit der Botschaft: Wir sind Ostwestfalen – stur, hartnäckig, kämpferisch. Venghaus: „Eben das, was uns als Arminen seit Jahren auszeichnet. Wir fallen hin, stehen auf und machen weiter.“ So wie nach dem erneuten Absturz in die 3. Liga, als der DSC 2014 den Klassenerhalt im Relegationsrückspiel gegen Darmstadt in der 121. Minute noch verspielte.

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