Fußball
Bierhoff: "Gefühl für so ein Turnier entwickelt"

Kurz vor Ende des Confederations Cups hat sich Oliver Bierhoff zufrieden mit der Entwicklung des deutschen Teams gezeigt. "Wir haben den Testlauf bestanden", so der Nationalmannschafts-Manager im sid-Interview.

Vor dem Finaltag beim Confederations Cup hat Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) ein Fazit des WM-Tests gezogen und über die Zeit nach den Welttitelkämpfen 2006 gesprochen. Zwar kann sich der 37-Jährige auch ein längeres Engagement beim DFB vorstellen, allerdings nur wenn die Chemie mit einem möglichen Klinsmann-Nachfolger stimmt.

Frage: "Oliver Bierhoff, der Konföderationen-Pokal war auch für Sie und die DFB-Organisation die WM-Generalprobe. Wie fällt ihr Fazit vor dem Spiel um Platz drei aus?"

Oliver Bierhoff: "Wir haben den Testlauf bestanden. Es hat alles gut geklappt. Wir haben ein besseres Gefühl für so ein Turnier entwickelt. Für die WM überlegen wir, ob wir nicht direkt nach den Spielen in der Nacht noch nach Berlin zurückfliegen. Diese Variante ist sehr wahrscheinlich."

Frage: "Gibt es in Richtung WM weitere Planspiele?"

Bierhoff: "Ich habe noch einige Sachen im Kopf. Zum Beispiel, dass wir für die Spieler den ein oder anderen Vortrag organisieren. Es gibt etwa Überlegungen, einen Michael Schumacher oder einen Dirk Nowitzki einzuladen. Die könnten erzählen, wie es in ihrem Sport zugeht, sie könnten Erfahrungen weitergeben. Oder man lässt Wirtschaftsbosse vorsprechen."

Frage: "Die Trainer haben sich darüber geärgert, dass in der Beurteilung der Nationalmannschaft eine große Diskrepanz zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung besteht. Wie sehen sie die Problematik?"

Bierhoff: "Die Deutschen sind bekannt dafür, nicht reformfreudig zu sein. Man wollte hier auch die französische Revolution haben und hat sie nur halb nachgemacht. Es wurden in der Vergangenheit im deutschen Fußball immer wieder Veränderungen gefordert. Jetzt haben wir die Dinge geändert, jetzt wird aber von einigen Seiten Polemik aufgebaut, alles gleich ins Negative gezogen. Das ärgert uns."

Frage: "Wie gehen die Spieler damit um?"

Bierhoff: "Ich habe die Spieler aufgefordert, eine gewisse Offenheit und ein gewisses Vertrauen gegenüber Sponsoren und Medien zu zeigen. Im Fußball geht es noch sehr verspannt zu. Ich möchte mündige Spieler, die Persönlichkeiten sind und auch mal anecken. Ich habe bei vielen noch den Eindruck, dass sie Angst davor haben, etwas Falsches zu sagen."

Frage: "Wollen sie ihren Weg gegebenenfalls überdenken?"

Bierhoff: "Nein. Wir sind überzeugt von unserem Weg. Der ist gut, und davon lassen wir uns auch nicht abbringen. Wir sehen, dass eine Entwicklung stattfindet. Letztendlich wissen wir aber, dass es bei der WM auf das Ergebnis ankommt."

Frage: "Wie sehen sie das Bild der Nationalmannschaft?"

Bierhoff: "Die Mannschaft hat auf und außerhalb des Platzes eine Identität bekommen. Spieler wie Schweinsteiger oder Podolski vermitteln einen gewissen Spaß am Fußball. Es sind absolut positive Typen, die klasse mit ihrer Rolle umgehen. Sie verkörpern auch das Bild dieser Nationalmannschaft. Und dieses Bild ist nach außen hin sehr gut. Dafür sorgt auch ein Michael Ballack als Kapitän."

Frage: "Die jungen Spieler bei der Nationalmannschaft wirken schon erstaunlich gefestigt und nicht abgehoben. Täuscht dieser Eindruck?"

Bierhoff: "Das gängige Klischee über die jungen Spieler passt bei uns überhaupt nicht. Die wissen genau, was sie wollen. Die Spieler haben zum Teil eine gewisse Bauernschläue, sie haben verstanden, wie das Spiel funktioniert."

Frage: "Ihr Vertrag läuft bis zur WM 2006. Machen sie ihre Zukunft nach der WM von der Person Jürgen Klinsmann abhängig?"

Bierhoff: "Der Job des Managers hängt nicht mit Jürgen Klinsmann zusammen. Man hat schnell gesehen, dass der Posten Sinn macht und in Zukunft besetzt sein sollte. Generell muss aber die Chemie zwischen Trainer und Manager stimmen. Wenn es nicht so ist, wird es sehr schwer."

Frage: "Aber der DFB benötigt doch auch eine gewisse Planungssicherheit."

Bierhoff: "Der DFB muss sich nicht fragen: Ist Jürgen Klinsmann oder Oliver Bierhoff der Richtige? Wichtig ist vielmehr: Glaubt die DFB-Führung an das, was wir machen? Ist das für uns ein Philosophie, die wir weiterführen wollen. Der DFB muss sich Gedanken machen, wie es strukturmäßig über 2006 hinausgehen soll."

Frage: "Sehen sie weiteren Reformbedarf?"

Bierhoff: "Man muss nur den Chefscout nehmen: Dessen Wissen über den internationalen Fußball muss der DFB irgendwie nutzen, in die Trainer- und Jugendausbildung einfließen lassen. Es muss eine größere Verknüpfung der einzelnen Bereiche geben. Bei der A-Nationalmannschaft haben wir Topleute, und dieses Topwissen müssen wir nach unten weitergeben. Da muss ein Gesamtkonzept für die Zeit nach der WM entwickelt werden."

© Sport-Informations-Dienst, Neuss

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